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Mönchengladbach
Gegenständliche Malerei ist lebendiger als je zuvor

Mönchengladbach: Gegenständliche Malerei ist lebendiger als je zuvor
Jochen Mura (v.l.), Johanna Roderburg und Wolfgang Kupczyk zeigen ihre Werke im Kunstverein MMIII an der Künkelstraße. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. "Jetzt" heißt die neue Ausstellung im Kunstverein MMIII, die am morgigen Samstag eröffnet wird. Drei Aachener Künstler loten dabei die Möglichkeiten der Objektkunst aus. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Drei Künstler aus Aachen - "unserer Nachbarstadt", wie Klaus Schmitt vom MMIII erklärte - bestreiten die aktuelle Ausstellung im Kunstverein MMIII unter dem Titel "Jetzt". Wolfgang Kupczyk (geboren 1951) und Johanna Roderburg (geboren 1956) loten die Möglichkeiten von Malerei, Jochen Mura (geboren 1968) die der Objektkunst aus.

Die gegenständliche Malerei ist lebendiger als je zuvor: Johanna Roderburg führt vor, dass Malerei Illusion aus Licht und Schatten ist - und noch viel, viel mehr. Direkt auf die Wand gemalt: ein halbes Dutzend Kronleuchter mit Lampenhaltern, die wie verwelkte Blumen herunterhängen. "Tote Lampen" seien es: Denn Glühbirnen sind nicht zu sehen. Braucht es auch nicht, so Johanna Roderburgs Überzeugung: "Es muss nicht alles gemalt werden". Der Kopf ergänzt das erhellende Licht allemal.

Oft sind es gefundene reale Dinge, die sie naturalistisch malt. Immer haben diese Motive eine Geschichte, die ihre Bedeutung über den ästhetischen Wert hinaus vergrößert. Das Bild eines zerknüllten Blatts Papier mit dem Titel "Klarstellung" erweist sich als der dringend notwendig gewordene Erklärung der türkischen Opposition, wie man einen Stimmzettel so ausfüllt, dass das "Nein" gültig ist. Und nebenbei erfährt man, dass das türkische Wort für "gesegnet" das "nein" im Wortstamm hat.

Gegenstand der Malerei von Wolfgang Kupczyk ist das Malen. Auf der ersten Etage des Kunstvereins präsentiert er eine Reihe von monochromen Arbeiten auf Aluminium. Sie entfalten eine fast meditative Atmosphäre, zeigen sie doch nichts anderes als Farbe. Mit einem minimalen Abstand von der Wand präsentiert, scheinen sie überdies zu schweben, der Realität entrückt zu sein. Die Schauseiten der Bildträger sind in Weiß-, Grau-, Silber- und Goldtönen bemalt, horizontale Pinselspuren sind zu erkennen. An ihren Rändern entfaltet sich eine farbige Aura: Kupczyk bemalt die Rückseiten mit fluoreszierenden Farben.

Während Kupczyk immaterielle Farbräume entwickelt, löst Jochen Mura Räume auf. Ebenfalls auf der ersten Etage steht ein Objekt namens "Überwurf-M". Ein Stoff, in den Vierecke geschnitten wurden, die das Maß des "Goldenen Schnitts" minimal zerstören, liegt über einem Kubus aus Spiegelglas: Auch hier scheint der Stoff zu schweben, wird der geschaffene Raum aufgelöst.

Jochen Muras Augenmerk liegt auf Architektur, die er reflektierend aufgreift und zu Bildobjekten verwandelt. Die in den 1970er Jahren aufkommende Fertigbauweise übersetzt Mura in abstrakte Linien auf und in einem Kasten aus Holz und Acrylglas. In dem Kasten entdeckt man eine Fotografie, die einen extremen Ausschnitt aus der zu dem Fertighaus gehörenden Werbung zeigt, die den Ausblick in den Himmel preist. Architektur wird bei Mura zum Bild.

Die neue Ausstellung im Kunstverein MMIII an der Künkelstraße 125 (Rudolf-Boetzelen-Silo) wird am morgigen Samstag, 9. September, um 19.30 Uhr eröffnet. Bis zum Sonntag, 15. Oktober, ist sie dann immer sonntags von jeweils 11 bis 14 Uhr geöffnet. Individuelle Besichtigungen können mit Klaus Schmitt telefonisch unter der Rufnummer 0173 9114494 vereinbart werden. Am Mittwoch, 20. September, um 19 Uhr, sowie am Samstag, 7. Oktober, um 15 Uhr finden Führungen durch die Ausstellung statt.

Quelle: RP
 
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