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Mensch Gladbach
Geht doch!

Mönchengladbach. Das neue Polizeipräsidium war unser "Berliner Flughafen" und das Kabelwerk-Gelände ein Ladenhüter. Jetzt geht's voran. Wir sind in Aufbruchstimmung - zumindest bis zum nächsten November-Blues.

Achtung: Der Bau des Mönchengladbacher Polizeipräsidiums könnte jetzt doch schneller vorangehen als gedacht. Das ist ja wohl die Nachricht der Woche, ach was sage ich, des Vierteljahrhunderts. Oder des letzten halben Jahrhunderts? Von den ersten Planungen bis zum Rohbau sind auf jeden Fall einige Jahrzehnte vergangen und mindestens drei Polizeipräsidenten pensioniert worden. Jetzt soll der "Berliner Flughafen" von Mönchengladbach doch, eventuell, vielleicht noch in diesem Jahrzehnt fertiggestellt werden. Man mag es kaum glauben.

Schlossen die Beamten im alten Präsidium an der Theodor-Heuss-Straße doch bis vor kurzem noch Wetten ab, ob ihre Urenkel, Ururenkel oder Urururururenkel die modernen Büros beziehen können. Jetzt packen sie vielleicht selber Umzugskartons. Nur leider wird's nix mehr mit der Sommerferienbetreuung für Polizistenkinder im neuen Präsidium. Also zumindest darf der Nachwuchs nicht mehr von Polizeivollzugsbeamten oder -angestellten bespaßt werden, sondern nur noch von externen Pädagogen. Sagt der Innenminister. Nachdem er einen Rüffel vom Bund der Steuerzahler bekommen hat.

Wo wir uns hier an dieser Stelle schon einmal Gedanken über Steuern und andere monetäre Verbindungen machen, stellt sich auch diese Frage: Welche Gründe kann es geben, dass eine Firma, die einen fetten Auftrag bekommt, diesen nach Monaten wieder zurückgibt, ohne überhaupt angefangen zu haben?

Oder fragen wir uns das besser nicht, weil's ohne den Rückzieher erst einmal nicht weitergegangen wäre. Weil man dann darauf hätte warten müssen, dass sich die Mitarbeiter der Vergabekammer in Köln regen und den Vorgang aus Mönchengladbach zur Hand nehmen. Vielleicht hätte man da mal einen dieser Horror-Clowns zum Erschrecken vorbeischicken sollen.

Nein, das war natürlich nicht ernst gemeint. Die Aktionen der Grusel-Clowns, die gerade in vielen Städten Passanten in Angst und Schrecken versetzen und sich selbst dabei total cool finden, sind ja auch eine ziemlich schräge Art erlebnisorientierter Freizeittätigkeit. Nicht alles, was aus Amerika kommt, ist nachahmenswert. Das zeigt sich zurzeit ganz besonders deutlich. Leute erschrecken - das geht nicht nur mit roter Pappnase, sondern auch mit Eichhörnchen-Pelz auf dem Kopf. Auf beides kann man verzichten.

Aber nicht nur am neuen Polizeipräsidium an der Krefelder Straße scheint sich nach langer Zeit wieder etwas zu regen. Vieles, was in der Stadt als Ladenhüter oder Sorgenkind galt, findet plötzlich wieder Interessenten. Große Teile des alten Kabelwerk-Geländes sollen wieder belebt werden. Das Gleiche passiert schon an den Roermonder Höfen. Und auch der Bereich der alten Mülforter Zeugdruckerei wird in Zukunft wohl kein Tummelplatz mehr für Kabeldiebe und Feuerteufel sein.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der so doch so etwas wie Aufbruchsstimmung in Mönchengladbach herrscht, zieht eine der wichtigsten Warenhausketten ihre Zentrale aus der Stadt ab. Schade. Und schlimm, sehr schlimm für die vielen Mitarbeiter, deren Jobs in Gefahr sind. Trotzdem wird Mönchengladbach den Wegzug verkraften.

Quelle: RP
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