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Mönchengladbach
Geht ein Trafo auf Reisen

Mönchengladbach: Geht ein Trafo auf Reisen
Oben: die erste Kurve runter vom Schorch-Gelände. Unten links: An der Gartenstraße wird der Transport, von Schaulustigen begleitet, über eine künstliche Brücke geführt. Rechts: der ruhende Transport bei Tag. FOTO: Theo Titz (2), Alstom Grid
Mönchengladbach. Drei Nächte und einen halben Tag nur für die Strecke nach Düsseldorf: Ein 400 Tonnen schwerer Transformator der Firma Alstom wird über Rotterdam zur Ostsee gebracht. Er wird einen Offshore-Windpark ans Festland-Stromnetz anbinden. Von Jan Schnettler

Er wiegt, ohne Öl, 384 Tonnen. Das sind 384 000 Kilogramm, so viel wie 5500 Menschen. Um ihn über insgesamt zwölf Brücken zu bewegen, müssen an diesen temporäre Überfahrsysteme eingerichtet werden. Hängende Ampeln müssen gedreht oder ausgehängt, Straßen von der Polizei gesperrt werden. Eine viel befahrene Bahnstrecke muss zeitweise stillgelegt, eine Autobahn vorübergehend geschlossen und eine Mittelleitplanke demontiert werden. Alleine, um die Strecke nach Düsseldorf zu überbrücken, dauert das alles drei Nächte und einen halben Tag. Dort wird er dann auf ein Spezialfahrzeug geladen, um einen Rheindeich überqueren zu können, bis er schließlich, an der Nato-Rampe in Lörick, zur Verschiffung auf einen Ponton gehievt wird.

Oben: die erste Kurve runter vom Schorch-Gelände. Unten links: An der Gartenstraße wird der Transport, von Schaulustigen begleitet, über eine künstliche Brücke geführt. Rechts: der ruhende Transport bei Tag. FOTO: Theo Titz (2), Alstom Grid

Die Rede ist von einem riesigen Transformator der Firma Alstom Grid mit Sitz an der Rheinstraße, der am vergangenen Wochenende vom Schorch-Gelände über Breite-, Garten-, Limiten-, Odenkirchener-, Mülgau- und Giesenkirchener Straße aus der Stadt heraus gefahren und über Kleinenbroich in Richtung Landeshauptstadt gebracht wurde. Benutzt wurde für den Transport durch die Firma Baumann ein Anhänger mit 40 Achsen mit je vier Reifen, also insgesamt 160 Reifen. Immer wieder fanden sich am späten Samstagabend, als der Konvoi durch die Stadt rollte, Schaulustige am Straßenrand ein, die das ungewöhnliche Schauspiel mit ihren Kameras festhielten.

Von Düsseldorf aus reist der Trafo rund 200 Kilometer über den Rhein nach Rotterdam, was rund viereinhalb Tage braucht. Und dann dauert es in einem dritten Schritt noch einmal rund dreieinhalb Tage, bis er - per Schiff und via Nord-Ostsee-Kanal - in Warnemünde bei Rostock eintreffen wird, eine rund 900 Kilometer lange Strecke. Dort wird er mit Öl befüllt. Insgesamt wird der Koloss dann rund 1200 Kilometer unterwegs gewesen sein.

Für die Firma Alstom ist eine "Verschickung" dieser Größenordnung nichts Ungewöhnliches - auch wenn sie mit 15 öffentlichen Institutionen abgestimmt werden musste, wie Alstom-Sprecherin Beatrix Fontius sagt. Rund 30 Mal im Jahr verlässt ein Transport mit bis zu 400 Tonnen schweren Trafos das Gladbacher Werk, nachts oder am Wochenende. Doch das Projekt, für das dieser spezielle Trafo gefertigt wurde, ist außergewöhnlich: Er wird nämlich verwendet, um Offshore-Windparks 80 Kilometer vor der Nordseeküste ans Festland-Höchstspannungsnetz anzubinden.

Als Generalunternehmer hat Alstom im Februar 2013 den Auftrag des Netzbetreibers TenneT für den Bau der Offshore-Plattform DolWin gamma sowie für den Bau der landseitigen Konverterstation in Dörpen (Emsland) erhalten. Von der Konverterplattform DolWin gamma wird das Seekabel als Gleichstromverbindung bis zur Küste geführt und ab da als Untergrundkabel weitere 79 Kilometer bis zur landseitigen Konverterstation Dörpen-West verlegt. Dort wird der Gleich- in Drehstrom gewandelt. Und dort befindet sich auch der Netzverknüpfungspunkt, der die Verbindung zum Übertragungsnetz herstellt. Die Fertigstellung soll 2017 erfolgen. Derzeit ist der Trafo aber noch auf dem Weg nach Warnemünde. Und von der Ostsee wird er noch einmal ums Skagerrak herum zurück in die Nordsee reisen. Dafür müssen dann aber keine Ampeln in Rheydt mehr abgehängt werden.

Quelle: RP
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