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Gladbacher Textilunternehmen
Gerhard Kränzle verlässt Gardeur

Gladbacher Textilunternehmen: Gerhard Kränzle verlässt Gardeur
Gerhard Kränzle verlässt Gardeur. FOTO: Gardeur
Mönchengladbach. Wechsel an der Spitze des Hosenproduzenten Gardeur mit Hauptsitz in Mönchengladbach: Gerhard Kränzle, ehemaliger Mehrheitseigentümer und CEO von Gardeur, wird das Unternehmen Ende des Monats auf eigenen Wunsch verlassen. Von Denisa Richters

Kränzle leitete Gardeur fast acht Jahre. Vergangenes Jahr musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, 66 der 290 Mitarbeiter in Deutschland mussten gehen. Anfang Dezember 2017 übernahm die niederländische Duijndam-Gruppe den insolventen Hosenhersteller.

"Gerhard Kränzle hat in seinen 7,5 Jahren bei Gardeur viele zukunftsweisende Veränderungen angestoßen, um das Unternehmen in eine neue Ära zu führen. Zusammen mit dem hochengagierten Team hat er Gardeur neu ausgerichtet, die Marke konzentriert und sehr gute Arbeit in der Vertikalisierung geleistet", teilte Steef Duijndam, geschäftsführender Gesellschafter der Atelier Gardeur GmbH, heute Morgen zu der Personalie mit. "Ohne die durch externe Faktoren ausgelöste Liquiditätskrise wäre Gardeur unter seiner Führung auf einem sehr guten Weg gewesen." Duijndam dankte Kränzle "für die professionelle und verantwortungsvolle Übergabe in den vergangenen vier Monaten". Damit sei sichergestellt worden, "dass wir mit seinen wertvollen Impulsen nun weiterarbeiten und Gardeur in eine erfolgreiche Zukunft führen können".

Steef Duijndam ist in Mönchengladbach kein Unbekannter: Vor knapp zehn Jahren übernahm er die 1959 von Heinz Gotzens gegründete Traditionsmarke Euro-Star Reitmoden, bei der auch die mehrfache Olympiasiegerin Isabell Werth ihre Kollektion herausbrachte. Die Duijndam-Gruppe war Kränzles Angaben im Dezember zufolge unter mehreren Interessenten der Wunschkandidat für die Übernahme. Steef Duijndam will gemeinsam mit seinem Partner Thomas Kültz bei der Gladbacher Traditionsmarke neue Impulse setzen. Erste Erfolge sind den Angaben des Unternehmens zufolge nach den ersten 100 Tagen sichtbar: Mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz habe man die Beschaffung ermöglicht, die Produktion immens angekurbelt und so die Lieferfähigkeit wiederhergestellt, heißt es. Bereits ab April werde Gardeur alle Produktionsrückstände aufgeholt haben und wieder im regulären Lieferrhythmus sein.

"Ein wahrer Kraftakt", betont Gerhard Kränzle. "Mir lag am Herzen, den Staffelstab sicher an die neue Führung zu übergeben." Jetzt sei es aber an der Zeit loszulassen. Die Marke sei für ihn mehr als sieben Jahre lang "meine berufliche Heimat und Berufung" gewesen. Er freue sich darauf, im kommenden Jahr nach einer Auszeit "an anderer Stelle zu wirken", so Kränzle. Er war im November 2010 von der Eigentümern Capcellence als CEO der damals hoch verlustreichen Gardeur GmbH berufen worden. Als 2012/13 frisches Geld vonnöten war, übernahm Kränzle die Mehrheit des Unternehmens mit der NRW.Bank als stillem Partner und konnte Gardeur bis 2015/2016 in die schwarzen Zahlen führen. Nachdem zuletzt seit längerem die unzureichende Liquiditätsausstattung Probleme bereitete, musste die Gardeur GmbH im Oktober 2017 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen. Anfang Dezember übernahm die Duijndam-Gruppe Gardeur und firmiert seitdem unter Atelier Gardeur GmbH. Das Unternehmen wurde 1920 in Mönchengladbach gegründet.

 
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