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Mönchengladbach
Gericht kippt Leinenzwang

Mönchengladbach: Gericht kippt Leinenzwang
Hunde brauchen Freilauf, heißt es. Daher hat sich in Isselburg eine Initiative für einen Hundefreilaufplatz gegründet. FOTO: RPO
Mönchengladbach. Zum ersten Mal ist ein Gladbacher freigesprochen worden, der seinen Hund im Park frei laufen ließ. Eine Ordnungswidrigkeit, die mit 35 Euro Bußgeld geahndet wird. Der Mann klagte und bekam Recht. Von Inge Schnettler

Marc M.* ist auf frischer Tat ertappt worden. Als er seinen Hund in einer Parkanlage frei laufen ließ, stellten ihn zwei Vertreter des Kommunalen Ordnungsdienstes. 35 Euro sollte der Hundehalter wegen seines Verstoßes gegen die generelle Leinenpflicht in der Stadt bezahlen.

Dagegen klagte der Mann. Und wurde jetzt höchstrichterlich freigesprochen. Die Begründung der Richterin: Zur artgerechten Hundehaltung gehöre es einfach dazu, den Hund frei laufen zu lassen. Im übrigen sei der Hundehalter weit genug weg von jeder Wohnbebauung gewesen, und sein Tier habe niemanden gefährdet.

Präzedenzfall geschaffen

"Damit ist ein Präzedenzfall in Mönchengladbach geschaffen worden", sagt Gerd Gröne-Gormanns. "Bisher sind alle Klagen für die Hundehalter negativ ausgegangen." Der Vorsitzende der Hundelobby, in der inzwischen 1500 Mitglieder organisiert sind, hält die flächendeckende Leinenpflicht für einen Skandal. "Es ist einfach unverhältnismäßig und juristisch ganz sicher nicht haltbar, dass die Stadt generell den Freilauf für Hunde unterbindet, dafür aber keine einzige Ausgleichsfläche schafft, auf der der Hund sich einfach einmal frei bewegen kann."

Deshalb hatte der Verein seit seiner Gründung vor anderthalb Jahren die Ausweisung von Freilaufflächen, wie sie in anderen Städten seit Jahren üblich sind, gefordert. Derzeit beraten die Bezirksvertretungen über die 26 Areale, die die Verwaltung als geeignet vorgeschlagen hat. In der Bezirksvertretung Süd (Rheydt und Odenkirchen) sprachen sich die Kommunalpolitiker für sieben von zwölf Flächen aus.

Im Osten (Neuwerk, Volksgarten und Giesenkirchen) wurden vier von fünf Flächen genehmigt, im Norden (Stadtmitte und Hardt) drei von fünf. Allerdings sucht man dort nach geeigneten Ersatzflächen. Im Bezirk West (Rheindahlen und Wickrath) wird erst am kommenden Mittwoch beraten. Dort zeichnet sich im Vorfeld ab, dass zwei von vier Flächen genehmigt werden.

"Wir sind natürlich froh, dass endlich Bewegung in die Sache kommt", sagt Gröne-Gormanns. "Aber wir werden nicht akzeptieren, dass gerade in den innerstädtischen Bereichen Flächen abgelehnt wurden – und das ohne nachvollziebare Begründungen." Gerade dort seien die Hundehalter weit von Wirtschaftswegen entfernt, auf denen das Ableinen erlaubt ist. "Wir denken vor allem an ältere und kranke Menschen, die keine weiten Wege bis zur nächsten Hundewiese auf sich nehmen können."

Dieter Breymann (CDU), stellvertretender Bezirksvorsteher des Bezirks Ost, unterstützt die Interessen der Hundelobby seit deren Gründung. Er sagt: "Wenn man die Diskussionen in den politischen Gremien verfolgt, könnte man meinen, die Herrschaften reden von Waffen – nicht von Hunden." Er wünscht sich eine sachliche Auseinandersetzung. "Hier ist die Politik gefordert", sagt er. "Es geht darum, Bürgerinteressen miteinander zu versöhnen." *Name geändert

Quelle: RP
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