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Mönchengladbach
Gesichter im Spiegel des Fotoprojekts

Mönchengladbach: Gesichter im Spiegel des Fotoprojekts
Fotoprojekt "Faces@MG" ist dem Begriff Heimat auf der Spur: Eine Auswahl der Arbeiten ist bis zum ersten Freitag im Februar im Quartiersbüro in der Ringpassage zu sehen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Die Künstlerin Ora Avital und Kunsttherapeutin Silke Tellmann realisieren mit Jugendlichen ein Foto-Projekt. Eine Auswahl wird gezeigt. Von Angela Wilms-Adrians

Ist Heimat der Ort, an dem ein Mensch geboren wurde, wo er einen Lebensmittelpunkt fand oder ist Heimat einfach ein Gefühl von Geborgenheit? Zehn Jugendliche haben sich jetzt auf Spurensuche begeben, Menschen in Mönchengladbach zu diesem Thema befragt und deren Gesichter unter dem Motto "Faces@MG" fotografiert. Einige der Beteiligten leben in einer Flüchtlingsunterkunft, andere wohnen schon lange hier. Die Künstlerin Ora Avital sowie Kunsttherapeutin Silke Tellmann vom SKM begleiteten die jungen Akteure auf ihrem Weg.

Träger des Projekts sind SKM, Kulturrucksack NRW und das Kulturbüro der Stadt. Höhepunkte der Aktion sind die aktuelle Ausstellung im Quartiersbüro in der Ringpassage der Friedrich-Ebert-Straße und eine gelungene Dokumentation in Buch-Format, die Avitals Tochter Lilian Wunschik mit verantwortet hat.

Die Porträts des Zyklus "Faces@MG" konzentrieren sich auf den offenen Blick unterschiedlicher Persönlichkeiten, die sich in der Vitusstadt zuhause fühlen. "In der Gesamtheit sind die Fotos wie eine Landschaft der Menschen und ein Abbild der Vielfalt in Mönchengladbach", sagt Avital mit Blick auf den begleitenden Ausstellungskatalog. Dessen Cover zeigt beispielhaft ein Raster mit 25 Porträts. Im Inneren des Buches ist jedem Porträt ein Zitat zum Thema Heimat zur Seite gestellt. Die Ausstellung ist aus Platzgründen auf fünf großformatige Fotografien zurückgenommen. Diese zeigen zum Beispiel Ladenbesitzer aus Rheydt und einem Mann, der in Mönchengladbach heimisch wurde. Die Porträtierten eint ein offener Blick, oft in Frontalansicht gegeben. Die handwerkliche Qualität der Bilder beweist, dass sich die jungen Fotografen das Medium gut erarbeitet haben. "Wir haben Menschen angesprochen, sie gefragt, ob sie bereit sind, sich fotografieren zu lassen, und sie zu ihrem Verständnis von Heimat befragt", erzählt Avital. Sie hat beobachtet, dass die beteiligten Kinder und Jugendlichen über die Rolle des Fotografen einen anderen Blickpunkt gewonnen haben. In den Interviews erfuhren die jungen Leute, dass die Vorstellungen von Heimat generationsübergreifend oft ähnlich und verbunden sind, mit dem Gefühl, eine Familie, Freunde und Geborgenheit zu haben. Die zwölfjährige Zalah, als Kind afghanischer Eltern in Mönchengladbach geboren, erzählt etwa: "Ich habe hier gelernt, dass viele bei Heimat an einen Platz denken, wo man sich wohlfühlt." Silke Tellmann hat bemerkt, wie die Jugendlichen über die Gespräche mit zunächst unbekannten Menschen an Selbstvertrauen gewonnen haben. Avital lobt die Motivation der Beteiligten. Sie hofft, dass das Projekt fortgesetzt wird. Als größten Lohn bezeichnet sie die Freude der Nachwuchs-Fotografen über das Gelingen eines künstlerischen Prozesses.

Quelle: RP
 
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