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Redaktionsgespräch mit Detlef Ilgner und Magdlen Gerhards
Gladbach ist alles andere als verstaubt

Redaktionsgespräch mit Detlef Ilgner und Magdlen Gerhards: Gladbach ist alles andere als verstaubt
Die Fotos aus dem Buch "Eine liebenswerte Stadt" stammen von Detlef Ilgner, die Texte von Magdlen Gerhards. FOTO: Ralf Jüngermann
Mönchengladbach. Es gibt einen neuen Bildband. Er zeigt "Eine liebenswerte Stadt" mit Fotografien von Detlef Ilgner und Texten von Magdlen Gerhards.

Sie haben gemeinsam einen schönen Bildband über die Stadt Mönchengladbach gestaltet - Detlef Ilgner mit Fotos, Magdlen Gerhards mit Texten dazu. Wie kam es zu der Kooperation?

Magdlen Gerhards Ich wurde vom Wartberg-Verlag, der eines meiner Bücher verlegt hatte, angesprochen. Man bat mich, nach einem Fotografen für den geplanten Bildband zu suchen. Und da kam mir der Zufall zu Hilfe.

Detlef Ilgner Just an dem Tag war Magdlen Gerhards in der RP-Redaktion, um ihr neues Buch vorzustellen. Ich fotografierte sie, und da hat sie mich einfach gefragt.

War der Verlag einverstanden?

Gerhards Ja, sofort. Sie fanden es sehr hilfreich, dass er als Fotograf über ein umfangreiches Archiv verfügt.

Dies ist eines der vielen Motive aus dem Bildband. FOTO: Detlef Ilgner

Ilgner Wir hatten nicht sehr viel Zeit, da war es hilfreich, dass ich beispielsweise auf Winterfotos, Bilder aus dem Freibad, von Konzerten oder aus dem Theater zurückgreifen konnte.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Bilder vorgegangen?

Ilgner Wir haben überlegt, was unbedingt rein muss - welche markanten Gebäude, Plätze, Straßen. Und ich wollte Menschen zeigen - das lebendige Mönchengladbach. GERHARDS Ich hatte mir eine Liste gemacht - und siehe da: Unsere Ideen waren weitgehend deckungsgleich.

Für welche Zielgruppe ist das Buch gedacht?

Gerhards Der Bildband ist für junge Leute gedacht - Austauschschüler, die die Stadt besuchen, junge Menschen, die zum Studium herkommen.

Ilgner Deshalb haben wir beispielsweise auch neben dem Museum Abteiberg, das auf dem Titel und noch einmal im Buch zu sehen ist, das Filmfigurenmuseum im alten Stadtbad am Berliner Platz mit reingenommen. Und ich habe Fotos vom Eine-Stadt-Fest, dem Greta-Markt und einem Flashmob auf dem Alten Markt ausgewählt. Da ist viel Leben zu sehen. Aber selbstverständlich ist das Buch für jeden gedacht.

Ist das Museum Abteiberg das interessanteste Gebäude der Stadt?

Ilgner Das Museum ist in der Tat ein Muss in jedem Bildband. Aber auch das Münster. Wir mussten entscheiden, welches von beiden auf den Buchtitel kommt. Wir haben uns für das Hollein-Haus entschieden. Es ist nach wie vor das absolute Highlight im Stadtbild.

Es gibt auch ein Foto aus der Luft, das den Abteiberg mit seinem ganzen Grün zeigt. Wie ist das Bild entstanden?

Ilgner Aus einer Cessna. Ich finde es wichtig, dass die Leute sehen, wie grün die Stadt ist.

Gehört das Minto auch in die Riege der markanten Gebäude?

Ilgner Absolut. Die Fassade ist wirklich schön, und das Minto ist mit all seinen Geschäften besonders interessant für junge Leute. GERHARDS Ich finde es besonders schön, dass die Fotos alte und junge Architektur zeigen. Mönchengladbach ist ganz sicher keine verstaubte Stadt.

Sehen Sie das auch so, Herr Ilgner?

Ilgner Ich arbeite schon 20 Jahre in dieser Stadt, wahrscheinlich habe ich schon alles fotografiert, was es zu fotografieren gibt. Aber seit einiger Zeit tut sich hier echt viel, es passiert etwas, alle spüren das. Und die Stadt sieht auf einmal anders aus. GERHARDS Am neuen Marktplatz in Rheydt haben sich Cafés angesiedelt, man kann bei gutem Wetter draußen sitzen, es gibt eine Boule-Bahn, die rege frequentiert wird . . . ILGNER . . . und das Gründerzeitviertel, der Schillerplatz, da ist doch echt eine Menge passiert. Da sind so viele kreative Menschen unterwegs. Und jetzt noch der Sonnenhausplatz mit den Eseln - ist doch toll.

Der Sonnenhausplatz tauch in Ihrem Buch gar nicht auf. Warum?

Ilgner Die Esel waren zu langsam (lacht). Nein, im Ernst, das Buch war im Druck, bevor der Platz fertig war. GERHARDS Ja, das ist schade. Der Platz ist wunderschön geworden, auch mit dem glitzernden Asphalt.

Auf den Fotos sieht Mönchengladbach wirklich sehr schön aus. Wie ist es in Wirklichkeit? Ist die Stadt eine Schönheit auf den zweiten Blick?

Gerhards Je nachdem, über welche Straße man hineinfährt, ist das Stadtbild in der Tat nicht besonders ansprechend - ich denke da besonders an die Krefelder Straße. Aber ich kann von mir sagen, dass ich Mönchengladbach sehr schön finde, ich lebe sehr gern hier. ILGNER Ich würde sagen, man findet in Mönchengladbach nicht auf Anhieb Postkartenmotive, so wie das in anderen Städten Deutschlands der Fall ist. Aber wenn man die Stadt kennt, findet man wunderschöne Motive. GERHARDS In dem Buch sind beispielsweise Fotos vom Alten Zeughaus mit dem Brunnen davor und der Blick in die Weiherstraße zu sehen. Das sind tolle Ansichten, die nicht jeder so kennt.

Die Texte im Buch sind ins Englische und ins Französische übersetzt worden. Wer hat das gemacht?

Gerhards Darum hat sich der Verlag gekümmert, die deutschen Texte stammen von mir.

Herr Ilgner, Sie fotografieren ja nicht nur in Mönchengladbach, sind viel unterwegs. Bekommen Sie auch Promis vor die Linse?

Ilgner Ja, ich habe schon an so manchem roten Teppich gestanden. Und ziemlich unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Erzählen Sie mal.

Ilgner Ich musste ein Foto von den Schauspielern Renan Demirkan und Günter Lamprecht machen. Als ich sie nach ihrem Namen fragte, wurde sie zickig - wie, Sie kennen mich nicht? Lamprecht wollte mir seinen Namen geben, da habe ich gesagt, dass ich ihn kenne (lacht). Mario Adorf war der entspannteste Promi, den ich je auf dem roten Teppich erlebt habe. Wolfgang Clement habe ich den Mund verboten, Guido Westerwelle war echt nett.

Gab es schon mal gefährliche Situationen?

Ilgner Ja, ich bin mal zwischen die Fronten geraten, als die Salafisten, die Rechten und Linken aufeinanderprallten. Da flog eine Flasche in meine Richtung. Mit Fußballfans ist es manchmal auch nicht einfach. Da gab es eine unschöne Szene auf dem Alten Markt, der ich nur entfliehen konnte, indem ich mich ins St. Vith rettete.

Wer hat den Untertitel "Eine liebenswerte Stadt" für das Buch gefunden?

Gerhards Der kam ziemlich spontan von mir - und aus vollem Herzen.

Wo bekommt man das Buch, was kostet es?

Gerhards Das Buch kostet 14,90 Euro und kann ab sofort in jeder Buchhandlung gekauft werden.

Das Interview führten Ralf Jüngermann und Inge Schnettler. 

Quelle: RP
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