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Mönchengladbach
Gladbach ist keine Hochburg der Rechten

Mönchengladbach: Gladbach ist keine Hochburg der Rechten
Am 1. Mai demonstrierte die NPD in Gladbach gegen angeblichen Asylbetrug. Kenner der Szene stellten fest, dass es sich bei den Demonstranten hauptsächlich um Auswärtige - beispielsweise aus Aachen und Hamm - handelte. FOTO: Reichartz
Mönchengladbach. Ein Ratsherr der NPD, einer von Pro NRW, gut 150 Demonstranten bei der Kundgebung der Rechtsextremen - trotz alledem bekommen die Rechtsausleger in der Stadt nicht wirklich ein Bein an die Erde. Das hat mehrere Gründe. Von Ralf Jüngermann

Als am Abend des 25. Mai 2014 die Stimmen der Kommunalwahl ausgezählt waren, stand manchen der Schock ins Gesicht geschrieben. Einen Ratsherrn der NPD hatte es in Mönchengladbach schon in den fünf Jahren zuvor gegeben. Aber nun auch noch einer von Pro NRW und einer der AfD, die zumindest rechts der CDU fischt - erlebte Gladbach einen beängstigenden Rechtsruck? Wer sich die Ergebnisse genauer anschaute, stellte fest: Der Zuwachs an Mandaten war in erster Linie dem geänderten Wahlrecht geschuldet, das Splitterparteien schon mit vergleichsweise wenigen Stimmen einen Sitz in den Kommunalparlamenten beschert. Im Falle der NPD hieß das konkret: 776 Stimmen aus der 265 000 Einwohner-Stadt Mönchengladbach reichten, um Manfred Frentzen erneut zum Ratsherrn zu machen. Fünf Jahre zuvor hatte er noch fast 500 Stimmen mehr bekommen. Pro NRW landete bei 1,9 Prozent und damit noch vor FWG, Piraten, der Partei und der Afd.

Aus dem Auftrag ihrer Wähler haben die Rechtsradikalen seither herzlich wenig gemacht. Dominik Roeseler (Pro NRW) tauchte zwar als ein Hauptredner der Dügida-Bewegung in Düsseldorf und als Vertreter der "Hooligans gegen Salafisten" öffentlichkeitswirksam und redegewandt auf - im Rat hingegen hat er sich nur bei einer einzigen von acht Sitzungen blicken lassen, der allerersten. Manfred Frentzen (NPD) kommt regelmäßig, stimmt mal mit, mal gegen die Große Koalition, hat sich aber noch kein einziges Mal mit einem Antrag oder einem Diskussionsbeitrag zu Wort gemeldet. Worüber die meisten seiner Ratskollegen dankbar sein dürften.

Als am 1. Mai zum NPD-Aufmarsch gut 150 Demonstranten vom Platz der Republik aus los marschierten, waren das mehr, als die meisten Beobachter vorab erwartet hatten. Kenner der Szene wie der Journalist Michael Klarmann berichten aber von hauptsächlich Auswärtigen, die nach Mönchengladbach kamen: unter anderem von der "Kameradschaft Aachener Land" und aus Hamm. Auch die meisten der Redner, die auf dem Eickener Markt und später am Eickener Kreisel sprachen, hatten eine weite Anreise. Vor allem Sebastian Schmidtke, der Berliner Landeschef, aber auch der Vorsitzende des Aachener Kreisverbandes, Willibert Kunkel und die stellvertretende Landeschefin der NRW-NPD, Ariane Meise.

Ferdi Hoeren, Vorsitzender des Bündnisses "Aufstehen" konstatierte nach dem Demonstrationstag mit rund 2000 Teilnehmern der Gegenkundgebung, die Rechtsextremen hätten einmal mehr erfahren, dass sie in Mönchengladbach kein Bein auf die Erde bekommen.

Da ist was dran. Obwohl die Stadt von den Strukturdaten her durchaus ein Nährboden für Rechtsextreme sein könnte, haben die Extremisten hier über die Jahre kaum Fuß fassen können. Das darf sich wohl auch eine traditionell starke Allianz gegen alle rechtsextremen Umtriebe in der Stadt als Erfolg auf ihre Fahnen schreiben. Diese wiederum hat große historische Vorbilder, deren Erbe sie fortzuführen versucht. Der Widerstandskämpfer Theo Hespers kam aus der Stadt. Gladbach war zudem nicht nur eine der Hochburgen der katholischen Soziallehre, sondern auch der Zentrumspartei. Die Nazis hatten es vielleicht auch deswegen in Gladbach lange schwerer als in mancher anderen Stadt, tief ins Bürgertum vorzudringen. Seit dem Ende ihrer Schreckensherrschaft steht Gladbach weitgehend geschlossen in der konsequenten Ablehnung jedweden rechtsextremen Gedankenguts.

Quelle: RP
 
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