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Thorsten Neumann
Gladbach kann sehr wohl Broadway

Thorsten Neumann: Gladbach kann sehr wohl Broadway
Thorsten Neumann betreibt mit seiner Firma Noi! unter anderem den Hugo-Junkers-Hangar. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Der Betreiber des Hugo-Junkers-Hangars und Geschäftsführer von Noi!-Catering spricht über die Gastro- und Eventszene. Er mahnt bessere Allianzen in der Branche und eine bessere Außendarstellung an - und formuliert einen Wunsch an die Stadt.

18.000 Besucher kamen im Juni zur Eröffnung des Hugo-Junkers-Hangars am Flughafen. Was hat sich seitdem getan, wie läuft das Geschäft?

Thorsten neumann Kurz gesagt: Wir sind sehr zufrieden. Uns war klar, dass das richtig gut werden kann. Jetzt ist es auch richtig gut geworden. Unser Jahresziel haben wir jetzt schon erreicht. Letzte Woche hatten wir ein internationales Führungskräftemeeting eines großen Handelskonzerns hier im Hangar. Da waren vier Tage lang Menschen aus der ganzen Welt bei uns in Mönchengladbach zu Gast, und sie waren hellauf begeistert von der Location und Mönchengladbach. Daran erkennt man: Wir können in dieser Stadt wirklich etwas bewegen. Als Tagungsstätte können wir hier mittlerweile locker mit Paris, Berlin, Hamburg oder London mithalten - weil wir diesen Städten ganz konkrete Veranstaltungen abjagen.

Woran liegt das?

Neumann Gladbach wird von den Kunden wahrgenommen als ein Standort, der zentral liegt und eine gute Anbindung zum Drehkreuz Düsseldorfer Flughafen hat, welcher dazu noch günstiger ist als beispielsweise Frankfurt. Wir ziehen vor allem Kunden aus dem Raum Köln, Düsseldorf und den Benelux-Staaten in unsere Stadt, aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet.

Welche Bandbreite an Veranstaltungen ist im Hangar möglich?

Neumann Das reicht von privaten Feiern bis hin zu großen Firmenkongressen. Wir haben einige Hochzeitsfeiern gehabt, zuletzt von einer Pilotin - die Hochzeitsfotos wurden auf der Tragfläche der Tante Ju gemacht. Wir ziehen auch Hochzeitspaare aus Düsseldorf an, die in Düsseldorf heiraten und danach bei uns feiern. Außerdem sind wir schon für Abibälle bis 2017 gebucht. Zudem stehen Kommunionsfeiern, Konfirmationsfeiern oder auch Omas 80. Geburtstag auf dem Programm. Wir hatten aber beispielsweise auch einen großen Pharmakongress. Nicht jede Veranstaltung bringt im Verhältnis den gleichen Umsatz - aber für die positive Außendarstellung ist alles gleich wichtig.

Hat man bei der guten Auslastung eigentlich noch Wünsche?

Neumann Auf jeden Fall. Der größte Wunsch meinerseits wäre, dass die Stadt es ermöglicht, dass hier bei uns im Hangar - oder beispielsweise auch im Borussia-Park - standesamtliche Trauungen stattfinden können. Wenn es doch im Schloss Rheydt oder im Haus Erholung geht, warum dann nicht bei uns oder im Stadion? Auf Schalke gibt es die Möglichkeit schon lange, dort gibt es sogar eine eigene Kapelle. Warum warten wir hier in Gladbach immer, bis andere es uns vormachen? Man muss in diesem Bereich möglichst unterschiedliche Locations anbieten, sonst wandern nachweislich die Brautpaare in andere Städte ab.

Wie bewerten Sie Gladbach insgesamt als Event-Standort?

Neumann Ich glaube, dass wir gut da stehen und noch besser da stehen könnten. Peter Schlipköter (Anm. der Redaktion: Geschäftsführer der MGMG) hat im Interview mit Ihrer Redaktion einmal gesagt: "Konkurrenz belebt das Geschäft - das gilt für den Broadway, nicht für Gladbach." Ich meine aber: Gladbach kann sehr wohl Broadway. Wir müssten als Betreiber und Inhaber nur bessere Allianzen bilden und mehr mit- statt gegeneinander arbeiten, und zwar in erster Linie in der Außendarstellung. Wir müssen viel offensiver und mit viel mehr Power nach außen kommunizieren, was alles möglich ist in dieser Stadt. Und, ganz wichtig: Wir brauchen mehr Hotelbetten in der Stadt.

Mehr Hotelbetten? Die Auslastung liegt doch jetzt schon nur knapp jenseits der 30 Prozent.

Neumann Ich kann da nur für uns sprechen. Bisher müssen wir Gäste des Hangars häufig mit Bussen in Hotels im Umland fahren, weil die Kapazitäten in Mönchengladbach, sei es in speziellen Segmenten oder generell gesehen, nicht ausreichen.

Da kommt Ihnen das neue Borussia-Hotel ja sicher gelegen. Oder ist das Stadiongelände für Sie als Veranstaltungsstätte ein Konkurrent?

Neumann Ich freue mich sehr auf dieses Hotel, das bringt die Stadt voran. Wir brauchen dringend so ein 150- bis 200-Betten-Hotel. Sehen Sie, ich könnte mich jetzt hinstellen und sagen: Einige der Hotels in der Stadt sind leider nicht mehr wettbewerbsfähig. Ich sage aber lieber, denn es entspricht meiner Überzeugung: Wir müssen als Standort dafür sorgen, dass Leute in die Stadt kommen, und vielleicht nur mal die Bettdecken aufschütteln und uns gemeinschaftlich besser aufstellen. Wenn etwa der Hangar belegt ist, ist es mir lieber, der Kunde bleibt in der Stadt und geht in eine andere Location, als dass er die Stadt wieder verlässt. Das sollte jeder aktiv leben und somit den Standort stärken.

Gibt es irgendwelche logischen Kapazitätsgrenzen für den Veranstaltungsstandort Mönchengladbach?

Neumann Ausschließlich die Zahl der Betten und die Kategorienvielfalt. Wenn wir mehr zusammenarbeiten, können wir da fast alles schaffen. Die Gastronomen tun genau das im Übrigen schon: Bei der Eröffnung des Hangars hatte ich Hilfe vom Alt Eicken, Lehmanns Restaurant, Nino Abate von La Tavernetta da Nino und La Tienda. Wenn jemand für einen Abend 500 Teller braucht, dann leihe ich ihm 500 Teller, oder umgekehrt. Dieses Netzwerk ist, auf der Ebene der Betreiber von Veranstaltungsstätten, definitiv noch ausbaufähig.

Wie bewerten Sie die Gastro-Szene?

Neumann Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Viele haben den Mut und machen etwas Neues. Ich würde mir von den Gladbachern allerdings mehr Geduld wünschen. Wenn es irgendwo nicht beim ersten Mal schmeckt, sollten Sie der Lokalität Zeit geben und ein zweites Mal hingehen. Denn in der Gastronomie klappt nicht alles vom ersten Tag an. Das ist wie mit einem neuen Rezept, das man das erste Mal in seiner heimischen Küche ausprobiert.

Wo steht Gladbach insgesamt als Standort? Sie sind vor einigen Jahren von außerhalb dazugekommen.

Neumann Ich bin damals nur wegen meines Privathauses im Gründerzeitviertel nach Gladbach gekommen. Heute können ich und viele andere Gladbacher sagen: "Ich bin stolz darauf, Gladbacher zu sein." Leider verkaufen wir uns oft noch unter Wert. Wir müssen die Marke Mönchengladbach noch mehr rausstellen, das Standort-Marketing muss dringend besser werden.

Kommen wir zu Ihrer Firma Noi! Wo steckt sie mittlerweile überall drin?

Neumann Vor allem natürlich in Mönchengladbach: mit dem Monforts-Quartier mit seinen Veranstaltungsbereichen und der Gastronomie "Kette & Schuss" sowie dem Hugo-Junkers-Hangar. Letztendlich sind wir aber als Caterer bundesweit tätig. Der Lkw rollt permanent. Vor allem im Bereich Consulting sind wir stark, ebenso im Bereich Trainings. Wir entwickeln Konzepte für Hotelgruppen und Konzerne. Wir sind übrigens permanent auf der Suche nach 450-Euro-Kräften im Bereich Logistik und Service.

Wie läuft es im Monforts-Quartier?

Neumann Besser. Eine Weile war es, durch die Baustelle rund um das Textil-Technikum etwas schwierig zu vermarkten. Jetzt sind die Arbeiten so gut wie fertig und wir haben unsere Preisstruktur etwas angepasst, so dass die Location auch für private Feiern noch interessanter werden wird.

Vor kurzem wurden Szenen für den aktuell im Kino laufenden Film "Der Staat gegen Fritz Bauer" im Monforts-Quartier gedreht. Auch TV-Sendungen wie "Hell's Kitchen" waren schon da. Gibt es neue Anfragen?

Neumann Ja, zwei ganz konkrete Anfragen für nächstes Jahr. Darunter ist ein großes Sendeformat für ein großes Casting-Sendeformat mit hoher Promi-Dichte. Das wäre allerdings im Hugo-Junkers-Hangar. Mehr darf ich gerade aber noch nicht verraten.

LAURA SCHAMEITAT UND JAN SCHNETTLER FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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