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Mönchengladbach
Gladbach scheint es zweimal zu geben

Mönchengladbach: Gladbach scheint es zweimal zu geben
Das Gladbacher Münster einmal richtig herum, und einmal gespiegelt. Preisfrage für Statistiker: Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist welche Abbildung die richtige? FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Wenn zwei Experten das gleiche ausrechnen, muss nicht dasselbe herauskommen - kennt man aus der Schule. Die Unterschiede zwischen Land NRW und Stadt in den Zahlen über Gladbach zeigen: aus "MG+" mach MG-", in drei Aufgaben. Von Andreas Gruhn und Jan Schnettler

Es ist wahrscheinlich, dass der Gladbacher an sich seine Heimatstadt für einzigartig hält. Diese Behauptung ist ganz einfach. Wie groß die Wahrscheinlichkeit aber ist, das können Statistiker anhand aller möglicher Daten sehr genau ausrechnen. Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, dass dann zwei derselben zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen - wenn sie nämlich für Stadt oder Land rechnen. Denn die Zahlen, die das Statistische Landesamt IT NRW über Mönchengladbach veröffentlicht, stimmen selten mit denen der Stadtverwaltung überein. Woran das liegt? Gladbach gibt es anscheinend zweimal. Einmal das aus der Ansicht von innen, und einmal von außen. Vorzeichenfehler! Aus "MG+" mach "MG-". Und das geht so. . .

Aufgabe Grundstückspreise Bauland in Mönchengladbach ist knapp, das weiß jeder, der hier mal versucht hat, ein Haus ins Grüne zu setzen. Man könnte steigende Grundstückspreise erwarten. Nun hat IT NRW in dieser Woche aber mitgeteilt, dass die Grundstückspreise bei den 15 Verkäufen im vergangenen Jahr von 188 auf 107,43 Euro gefallen sind. Macht "MG-". Wirtschaftsförderer Ulrich Schückhaus versteht das nicht: "Alle Baugrundstücke wurden für mindestens 200 Euro pro Quadratmeter verkauft." Schaut man in den Grundstücksmarktbericht der Stadt, den der Gutachterausschuss jedes Jahr aufstellt, kommt heraus: Es wurden 164 unbebaute Wohnbaugrundstücke verkauft, zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 206,48 Euro. Macht "MG+". Mathematiker würden dies (wahrscheinlich) als Rheindahlen-Wickrather Fehlerintegral problematisieren.

Aufgabe Baugenehmigungen Vor gut einer Woche teilte das Land mit, die Zahl der Baugenehmigungen sei in Gladbach im ersten Halbjahr 2017 drastisch von 140 auf 93 im vergangenen Jahr zurückgegangen - ein Minus von gut 33 Prozent (also "MG-"). Einen Rückgang stellt auch die Stadt fest, allerdings nur um ungefähr 8 Prozent. 595 Baugenehmigungen waren es im ersten Halbjahr 2017, 646 im Vergleichszeitraum 2016. Die Zahl der Bauanträge ist dieses Jahr laut Stadt sogar gestiegen, um sieben Prozent auf 770. "Vor diesem Hintergrund erschließt sich der vom Landesamt dargestellte Rückgang in Höhe von 33,6 Prozent aus Sicht der Fachverwaltung nicht", sagt die Stadt. Oder, für Mathematiker: Dabei könnte es sich um das ungelöste Hardt-Rheydt-Kontinuum-Theorem handeln.

Aufgabe Einwohnerzahl Woran könnte man eine wachsende Stadt statistisch schöner festmachen als an der Bevölkerungszahl? Und in der Tat wächst Mönchengladbach seit 2012 wieder - aber warum sollte es das beim Land und bei der Stadt im gleichen Maße tun, wenn man genausogut zwei ganz unterschiedliche Zählsysteme zugrunde legen kann? Zum Stichtag 31. Dezember 2015 hatte Gladbach für die Stadt deswegen 266.585 Einwohner, für das Land aber nur 259.996 - eine Differenz von 6500. Hintergrund: Das Land beruft auf die Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, der beim Zensus 2011 ermittelt wurde, die Stadt hat eigene Zahlen, die sie anhand der Fortschreibung des Einwohnermelderegisters erhebt. Die Abweichung könnten Mathematiker (vielleicht) als Gladbacher Potenzmenge bezeichnen.

Oder aber die Erklärung ist einfacher, aber langweiliger: Die meinen doch zwei unterschiedliche Städte.

Quelle: RP
 
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