| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Gladbach - Stadt der Lebensmittelmärkte

Mönchengladbach: Gladbach - Stadt der Lebensmittelmärkte
Oben: der geplante Kaufland in Holt. Unten: Aldi und Edeka Endt im Nordpark. FOTO: Wiefels, Jan
Mönchengladbach. Schon jetzt gehört Gladbach zu den Städten mit großer Dichte an Discountern und Supermärkten. Trotzdem werden weitere genehmigt - und das aus gutem Grunde. Ein Überblick über Satzungen, Urteile und die Absicht der Stadt. Von Ralf Jüngermann

Wenn sich in Mönchengladbach irgendwo ein Kran dreht, sind seit einigen Jahren die Chancen ziemlich groß, dass ein paar Monate später ein neuer Discounter oder ein Supermarkt eröffnet. Fast könnte man meinen, die Aldis und Edekas dieser Welt seien beliebig vermehrbar. Das sind sie allerdings nicht. Nicht alles ist erlaubt. Und vor allem: Manches will die Stadt ausdrücklich nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Ist Gladbach Deutschlands Discounter-Hauptstadt?

Mönchengladbach liegt tatsächlich in dieser Kategorie in der Spitzengruppe. Und das aus zwei Gründen. Schon historisch hatte Mönchengladbach sehr große Lebensmittelläden. Allkauf, die erste Kette mit Riesenmärkten, hatte ihren Ursprung in Mönchengladbach. Und bei klassischen Lebensmittelläden durfte es in Gladbach immer etwas mehr und vor allem größer sein. Viele Läden wurden in nach der Textilkrise leerstehenden Fabrikhallen eröffnet. Und da war reichlich Platz. Aktuell ist für viele Discounter-Betreiber Gladbach wohl auch wegen seiner Sozialstruktur besonders interessant. Hier ist weniger Geiz geil - viele Leute müssen tatsächlich auf jeden Cent achten.

2. Also sollte die Stadt keine neuen Märkte genehmigen?

Nein. Die Stadt wird im Gegenteil noch mehr Fläche schaffen. Und das aus gutem Grunde. Denn nicht überall können sich die Mönchengladbacher fußläufig mit dem Nötigsten versorgen. Und das ist, gerade bei einer älter werdenden Gesellschaft, das Ziel der Stadt. Bis zu knapp 5000 Quadratmeter mehr verträgt die Stadt nach Überzeugung von Experten noch.

3. Welche Märkte wird die Stadt also genehmigen?

Die Kriterien dafür wird sie im Nahversorgungs- und Zentrenkonzept festschreiben. Das letzte stammt aus April 2006 und ist zuletzt im Juni 2007 aktualisiert worden. Seit September 2014 liegt ein 190 Seiten starker Vorschlag eines Gutachter-Büros mit speziellen Empfehlungen für Mönchengladbach vor. Verabschiedet worden ist das Konzept bisher noch nicht. Folgende Kriterien kristallisieren sich heraus: Ein neuer Markt muss eine Versorgungslücke schließen. Er darf nicht zu groß sein - wobei dafür ursprünglich 800 Quadratmeter Größe die kritische Grenze waren, nach jüngerer Rechtssprechung aber auch 1200 Quadratmeter gehen. Er muss integriert in einem Viertel liegen und nicht auf der grünen Wiese. Und er sollte keinen bestehenden Markt gefährden. All das gilt beispielsweise nach jetzigem Stand für den geplanten neuen Supermarkt an der Viersener Straße in Windberg.

4. Was will die Stadt verhindern?

Die Ansammlung von großen Läden auf der grünen Wiese, die die Stadtteilzentren gefährden und für viel Einkaufsverkehr sorgen. Darum gibt es Unbehagen gegen einen weiteren großen Markt am Stapper Weg. Allerdings werden solche Ansammlungen - wie beispielsweise im Nordpark - von den Kunden hervorragend angenommen, weil sie auf einen Schlag mehrere Dinge erledigen können.

5. Was heißt das für den geplanten neuen Kaufland in Holt?

Nach den im Gutachten festgelegten Kriterien kann die Stadt ihn genehmigen. Er liegt nah am kleinen Handelszentrum Holt; auch Bedarf gibt es. Beides ist in den beiden großen Parteien CDU und SPD unumstritten. Allerdings haben Anwohner und Händler gegen den Bau geklagt. Zudem ist noch unklar, wie der neue Baudezernent Gregor Bonin, der am 9. November seinen Dienst in Mönchengladbach antritt, den Fall einschätzt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Gladbach - Stadt der Lebensmittelmärkte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.