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Mönchengladbach
Gladbacher Geburtshelfer in Nepal

Mönchengladbach: Gladbacher Geburtshelfer in Nepal
Ein CTG-Gerät, "Saugglocken", Operationsinstrumente, Medikamente und vieles mehr hat Rudolf Merkelbag nach Nepal mitgenommen. FOTO: Krankenhaus Neuwerk
Mönchengladbach. Der Gladbacher Gynäkologe Rudolf Merkelbag hat drei Wochen lang auf einer Krankenstation in einer kleinen Stadt in Nepal geholfen. Richtige Ärzte gibt es dort nicht, die hygienischen Zustände sind katastrophal. Von Saskia Nothofer

Morgens ziehen die Krankenpfleger ein Paar Handschuhe an, erst abends ziehen sie dasselbe Paar wieder aus. So beschreibt Rudolf Merkelbag, Oberarzt am Krankenhaus Neuwerk, die hygienischen Zustände, die er in der Krankenstation der nepalesischen Kleinstadt Gaidakot vorgefunden hat.

Merkelbag, eigentlich in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig, hat im März rund drei Wochen in dem südasiatischen Land verbracht, um gynäkologische Aufklärung und medizinische Hilfe zu leisten. Geschickt wurde er vom Senior Expert Service, einem Dienst, der eigentlich Experten im Ruhestand ehrenamtliche Aufgaben im Ausland vermittelt. Im Ruhestand ist Merkelbag zwar noch nicht, er hat aber vor, im Rentenalter als medizinischer Entwicklungshelfer aktiv zu werden. Vergangenes Jahr verschlug es ihn dafür schon für drei Wochen nach China.

Während dort das medizinische Niveau mit dem deutschen vergleichbar ist, hat der Oberarzt in Nepal ganz andere, sehr viel schlechtere Verhältnisse vorgefunden. "Vor allem in den abgelegenen Provinzen sind die Zustände katastrophal", so Merkelbag. So herrsche generell Ärztemangel, viele Mediziner seien korrupt. Es komme etwa vor, dass Patienten von Ärzten abgewiesen werden. Der Grund: Dienstschluss. Gehe der abgewiesene Patient dann in ein anderes Krankenhaus, fände er denselben Arzt vor: "Und der hält dann die Hand auf."

In Gaidakot allerdings gibt es überhaupt keine ausgebildeten Ärzte. So genannte Paramedics, laut Merkelbag eine Mischung aus Krankenpfleger, Rettungssanitäter und Arzthelfer, kümmern sich um alle Patienten, die in das dortige Krankenhaus kommen. "Man kann hier aber nicht von Krankenhaus sprechen", sagt Merkelbag. Es gebe zwar eine Notfallambulanz, der OP sei aber nicht eingerichtet, und auch Personal gebe es kaum. "Es war daher auch nicht möglich, dort eine Gynäkologie aufzubauen", sagt der Oberarzt. "Es gibt niemanden, der sie weiterführen könnte."

Zu den gynäkologischen Sprechstunden, die er während seines Aufenthalts in Gaidakot angeboten hat, seien aber viele Frauen aus der Region gekommen. "Ich war zwar bei keiner Geburt dabei, konnte aber einigen Frauen medizinische Hilfe leisten", sagt Merkelbag. Lebensbedrohliche Krankheiten habe er keine diagnostiziert, dafür aber etwa Erkrankungen der Eierstöcke oder der Gebärmutter. "Durch harte körperliche Arbeit kurz nach der Geburt hatte eine 22-jährige Frau eine Gebärmuttersenkung", erzählt der Arzt. "Es gibt dort eben weder Mähdrescher noch Waschmaschine", sagt er - wodurch die Körper der Frauen bei der Arbeit zu stark beansprucht werden.

Nachlässigkeit bei der Verhütung stellt in Nepal laut Merkelbag kein Problem dar. Da die Regierung einer Überbevölkerung vorbeugen will, verteilt sie kostenlos Verhütungsmittel wie die Pille oder die Dreimonatsspritze an die Frauen im Land. "Mehr als vier Kinder bringen die Frauen in der Regel nicht auf die Welt", so Merkelbag. Einige der werdenden Mütter seien dennoch sehr jung. Grund hierfür sei die kulturelle Tradition, Mädchen bereits im Alter von elf bis zwölf Jahren zu verheiraten. "Das erste Kind kommt dann oft mit 15", sagt der Arzt.

Verläuft die Geburt problemlos, können in der Krankenstation in Gaidakot Kinder zur Welt gebracht werden. Kommt es allerdings zu Komplikationen, werde es schwierig: "Kaiserschnitte kann man dort nicht machen", so Merkelberg. Es gebe schließlich keinen Anästhesisten, ganz zu schweigen von den extrem schlechten hygienischen Zuständen. Hygiene sei in Gaidakot noch ein Fremdwort, und die Art und Weise, beispielsweise medizinische Instrumente zu reinigen, mit deutschen Standards nicht zu vergleichen. "In Nepal ist noch jede Menge zu tun", resümiert der Arzt.

Quelle: RP
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