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Mönchengladbach
Gladbacher IS-Kämpfer schweigt im Sven-Lau-Prozess

Mönchengladbach. Auffallend unruhig reagierte der unter Terrorverdacht stehende Salafistenprediger Sven Lau (35), als der 28-jährige Mönchengladbacher IS-Kämpfer Mustafa C. gestern in den Saal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts geführt wurde. Lau, dem der Staatsanwalt vorwirft, 2013 in vier Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben, kennt Mustafa aus der salafistischen Szene Mönchengladbachs. Von Ingrid Krüger

Von Mustafa C. erhoffte sich das Gericht brauchbare Aussagen. Doch auch er schwieg. Wie viele. Sven Lau hatte von Anfang an erklärt, er wolle sich schweigend verteidigen. Auch dessen Familie hatte sich auf ihr Aussageverweigerungs-Recht berufen. Der gestern als Zeuge geladene Mustafa C., der bereits als Syrienkämpfer verurteilt ist und der von Justizwachtmeistern aus dem Gefängnis gebracht wurde, rief, noch bevor er seinen Namen genannt hatte: "Ich würde am liebsten gar nicht aussagen."

Im Januar war der Rheydter von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen und im April zu einer rechtskräftigen Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden, weil er als Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat angehört hatte. Als ihm gestern das Gericht erklärt hatte, er müsse sich nicht selbst belasten, wiederholte der Zeuge seine Weigerung: "Ich möchte das auch nicht." Den Hinweis der Richter, die Fragen könnten sich ja auch auf frühere, eher unverfängliche Jahre wie 2008 oder 2009 beziehen, ließ der aussageunwillige Zeuge unbeachtet. Der 28-Jährige durfte den Gerichtssaal wieder verlassen.

Im Laufe seines Prozesses hatte sich der Rheydter Mustafa C. vom IS distanziert und diese Gedanken zu Papier gebracht: "Man hat uns dort Schießen beigebracht. Aber ich durfte nie kämpfen, nur kochen und putzen. In Syrien konnte ich nichts ausrichten. Ich wollte zurück nach Deutschland. Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin", wurde gestern verlesen.

Außerdem wurde gestern ein Video mit Sven Lau gezeigt, das mit einer Art Hassgesang unterlegt war: "Wir opfern unser Leben, eine Reise ohne Wiederkehr. Ich bitte Allah, dass ich für ihn blute." Im Saal überwog Schweigen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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