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Mönchengladbach
Gladbacherin hilft nach Tropensturm

Mönchengladbach: Gladbacherin hilft nach Tropensturm
FOTO: NN
Mönchengladbach. Aylin Maria Aras hat eine der Fidschi-Inseln fest ins Herz geschlossen. Nach einem Zyklon startet sie ein Spendenprojekt. Von Milena Remus

Am 20. Februar traf der Zyklon Winston auf den südpazifischen Inselstaat Fidschi - mit Kategorie fünf der stärkste gemessene Wirbelsturm der Landesgeschichte. Dass auch die kleine Insel Naigani, die östlich der fidschianischen Hauptinsel liegt, vollkommen verwüstet wurde, bewegt vor allem die geborene Gladbacherin Aylin Maria Aras. Momentan hält sich die 30-jährige Meeresbiologin auf Fidschi auf, wo sie sich im Rahmen eines Praktikums bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für Küsten- und Umweltschutzprojekte engagiert.

"Ich bin bereits vor dem Zyklon auf Naigani gewesen, um dort zu tauchen", berichtet Aras, die auf ihren Reisen als Tauchlehrerin arbeitet. "Um das zu tun, muss man sich zuvor in einer traditionellen Zeremonie namens Cevu-cevu die Erlaubnis und den Segen der Dorfoberhäupter der Inselgemeinde abholen. Die Insel und alles um sie herum glich einem Paradies." Sie beschreibt Naigani als kleine Insel mit einem großen Hügel, an dessen Fuß sich inmitten eines Regenwaldes ein Dorf mit nur 25 Haushalten befand: "Und davor lag ein weißer Strand mit Kokospalmen und türkisblauem Wasser. Die Dorfbewohner waren mindestens genauso liebenswürdig wie die Landschaft."

Als Aras sich jedoch nach dem Sturm freiwillig beim Deutschen Roten Kreuz gemeldet hatte, um die Familien auf der fidschianischen Insel mit Hilfsgütern zu versorgen, bot sich ihr ein schrecklicher Anblick: "Die Insel war nicht wiederzuerkennen. Der grüne Hügel wurde regelrecht abrasiert", sagt die Biologin. "Es gab keinen Regenwald mehr, nur noch bräunliche Baumstümpfe. Fast das gesamte Dorf wurde ausradiert - nur vier Häuser sind mit schweren Sturmschäden stehengeblieben. Mit den Bildern des Paradieses der Woche zuvor in meinem Kopf blickte ich jetzt mit Tränen in den Augen auf ein Schlachtfeld."

Was Aras besonders traf, war, dass auch das große Gemeindehaus, in dem die Cevu-cevus abgehalten werden, in Trümmern lag. Zahlreiche andere Gebäude des Dorfes wurden einfach vom Sturm fortgetragen. Und riesige, uralte Tropenbäume waren entwurzelt, lagen zerstört auf dem Erdboden. "Die meisten Menschen hatten sich aber zum Glück in der Kirche verstecken können", erklärt Aras erleichtert.

Sobald der Zyklon vorübergezogen war, bauten die Familien Planen zum vorläufigen Schutz vor Wind und Wetter auf. In der Mittagshitze suchten sie ihre Habseligkeiten aus dem Schutt. Alles, was an Kleidung gefunden werden konnte, wurde gewaschen und zum Trocknen auf Trümmerteilen ausgebreitet.

Gemeinsam mit einer Hilfsorganisation konnte Aras durch das Verteilen von Decken, Waschmittel, Hygieneartikeln und Kleidung erfolgreich Erste Hilfe leisten. "Die Menschen waren uns so unendlich dankbar und haben aus dem Wenigen, was sie noch hatten, ein wundervolles Frühstück zubereitet", erzählt die Gladbacherin. "Trotz dieser so furchtbaren Lage sah ich nur lächelnde Gesichter. Überall wurde ich herzlich empfangen, die Leute lachten und versuchten aus der Situation das Beste zu machen."

Weil diese Hilfsgüter jedoch keineswegs ausreichen - und neue Leitungen für fließendes Wasser, Baumaterialien für den Wiederaufbau der Häuser und auch Diesel, um die Güter mit den Booten auf die Insel zu bringen, unbedingt benötigt werden - hat Aylin Maria Aras nun ihr eigenes Fundraising-Projekt gestartet. "Jeder Euro zählt", ruft sie die Internet-Community zum Spenden auf. "Und ich bin mir sicher, dass es nicht schwer ist, einmal eine Packung Zigaretten weniger zu kaufen, ein paar Kilometer Sprit zu sparen, beim Ausgehen am Wochenende zwei Bier weniger zu trinken oder einfach mal in die Ecken zu schauen, ob noch etwas Kleingeld herumliegt." Denn schon damit könnten die Dorfbewohner mit dringend notwendigen Medikamenten oder Lebensmitteln versorgt werden.

Um auf ihr Spendenprojekt aufmerksam zu machen und den bisherigen Spendern für ihr Engagement zu danken, richtet die Hobbyfotografin bald einen eigenen Blog ein. Dort will sie alle Interessierten mit Foto- und Videomaterial über die Entwicklungen ihrer Aktion und den Einsatz der Spendengelder auf dem Laufenden halten. "Ich bleibe noch bis mindestens Ende Juli in Fidschi", betont Aras. "So kann ich auch gezielt vor Ort helfen und die Transparenz der Spenden gewährleisten. Das ist mir sehr wichtig." Gespendet werden kann über die Crowdfunding-Plattform www.betterplace.org/p40303.de.

Quelle: RP
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