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Mönchengladbach
Gladbachs mutige Männer

Mönchengladbach. Die Kampagne ist pfiffig, das Ziel ein ernstes: 1000 Mönchengladbacher Männer wollen Barmer GEK und die Deutsche Krebsgesellschaft in sechs Monaten dazu bringen, eine Darminspektion zu machen. Von Garnet Manecke

Der Oberbürgermeister, Borussia und viele Unternehmen helfen bei dem Pilotpojekt mit.Mit Statistiken ist das so eine Sache: Handelt es sich um Fußball-Tabellen, können Männer in der Regel Tor-Differenzen und Punktestand ohne weiteres in ihrem Gedächtnis abrufen. Handelt es sich dagegen um die aktuellen Zahlen der Darmkrebs-Statistik, wenden sich Männer ab. Jedes Jahr erkranken allein in Mönchengladbach 230 Menschen an Darmkrebs, deutschlandweit sind es 70000.

"In Deutschland sind wir die ersten, die so ein Vorsorgeprogramm haben”, berichtet Gastroenterologe Dr. Arno Theilmeier. "Von 3,4 Millionen Untersuchten, die keine Symptome aufwiesen, wurden bei jedem dritten Patienten Polypen festgestellt. 20 Prozent davon könnten bösartig werden, bei sieben Prozent waren die Polypen schon weiter fortgeschritten.” Das Gefährliche an Darmkrebs: Harmlose Polypen können sich zu bösartigen Tumoren entwickeln, ohne dass der Patient Symptome aufweist.

Auch wenn die Zahlen der Statistik beeindruckend sind, die Männer interessiert das nicht. "Das erreicht sie einfach nicht”, hat Werbefachmann Charles Greene bei einer Umfrage festgestellt. Frauen, Fußball und Autos aber sind Themen, die Männer interessieren. Und deshalb greift die Kampagne, die Greene bei der Auftaktveranstaltung zur Pilot-Aktion "1000 mutige Männer” im vollbesetzten Balkonsaal der Kaiser-Friedrich-Halle vorgestellt hat, auch diese drei Komponenten in der Ansprache auf.

In nur sechs Monaten wollen die Barmer GEK und die Deutsche Krebsgesellschaft 1000 Männer im Alter ab 55 Jahren dazu animieren, sich einer Untersuchung zur Darmkrebs-Vorsorge zu unterziehen. Über 100 Männer haben zumindest schon den Mut aufgebracht, sich über die Vorsorge-Untersuchung bei der Auftaktveranstaltung zu informieren. Viele sind mit ihren Frauen gekommen. Ein normales Verhalten, findet Allgemeinmediziner Dr. Heribert Hüren. "Frauen sind der Vorsorge oft aufgeschlossener, weil sie das schon früh durch regelmäßige Besuche beim Gynäkologen kennen”, glaubt der Arzt.

Weil die Frauen oft ihre Männer dazu motivieren, zum Arzt zu gehen, setzt die Kampagne zur Aktion auf die starken Frauen hinter den mutigen Männern. Bei Fußball-Weltmeister Rainer Bonhof hat seine Frau den Ausschlag gegeben, sich vor rund fünf Jahren der Koloskopie, wie die Untersuchung in der Fachsprache heißt, zu unterziehen. "Ich kann dazu sagen, dass es nicht schlimm ist”, sagt Bonhof. "Im Tor zu stehen ist gefährlicher.”

Aber was läuft bei der Darminspektion, wie die Untersuchung in der Kampagne in Anlehnung an die Autoinspektion konsequent genannt wird, eigentlich ab? "Das einzig Blöde ist die Vorbereitung”, sagt Dr. Arno Theilmeier. Der Gastroenterologe führt pro Jahr bis zu 2400 Darminspektionen durch. Die Männer bekommen ein Abführmedikament, um den Darm zu reinigen. "Das bedeutet den einen oder anderen sportlichen Gang zur Toilette”, sagt Theilmeier. Das wusste auch Schirmherr Norbert Bude aus eigener erfahrung zu bestätigen.

Für die Untersuchung kann sich der Patient eine Beruhigungsspritze geben lassen. Mit einer kleinen Kamera wird der Darm untersucht. "Weil der Darm keine Nervenzellen hat, tut das nicht weh. Nur in den Kurven entsteht ein Gefühl wie bei Blähungen”, erklärt Theilmeier. Der Darm wird beim Einführen wie beim Herausholen der Kamera genau angeschaut. Sollten Polypen vorhanden sein, werden diese sofort entfernt.

Quelle: RP
 
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