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Mönchengladbach
Gladbachs teures Abwasser

Mönchengladbach. In keiner kreisfreien Stadt in NRW sind die Abwassergebühren höher als in Mönchengladbach, rügt der Bund der Steuerzahler. Das hat aber seine Gründe. Von Andreas Gruhn

Abwasser ist nicht gleich Abwasser. Zumindest ist es nicht überall gleich teuer. Wer die Klospülung betätigt oder samstags gerne badet, sollte besser nicht in Neunkirchen-Seelscheid wohnen, sondern optimalerweise nach Reken im Kreis Borken ziehen. Während die Gebühren fürs Abwasser in dem Ort nahe Köln am höchsten sind (1281,60 Euro für eine Musterfamilie mit zwei Kindern) zahlt die vierköpfige Familie unter denselben Voraussetzungen in Reken nur 246,50 Euro. Das hat der Bund der Steuerzahler in seiner jüngsten Erhebung ermittelt. Und Mönchengladbach mischt unter diesen Gebührensätzen weit vorne mit.

Ein Vier-Personen-Haushalt, der 200 Kubikmeter Frischwasser verbraucht und 130 Quadratmeter vollversiegelte Fläche auf seinem Grundstück vorhält, muss demnach in Mönchengladbach 878,20 Euro Abwassergebühr im Jahr zahlen. Unter den kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen ist das der Spitzenplatz. Die gleiche Familie muss in Düsseldorf etwa nur 431,40 Euro berappen. Erstaunlicherweise hat dies trotzdem nicht die neu hinzugezogenen Gutverdiener aus Düsseldorf wieder aus Mönchengladbach vertrieben.

Warum aber sind die Abwassergebühren derart unterschiedlich? Die Stadt, auf deren Vorschlag hin der Rat jedes Jahr die Gebührensätze beschließt, weist darauf hin: "Gebührenvergleiche zwischen einzelnen Kommunen sind nur mit großen Einschränkungen machbar, da Kostenstrukturen und örtliche Gegebenheiten äußerst unterschiedlich sind." Sie hängen etwa von Faktoren ab wie Höhen, die mittels Pumpen überwunden werden müssen. Außerdem spielen die Dimensionierung der Kanäle, das Alter des Kanalnetzes, Hochwasserschutz-Maßnahmen, die Infrastruktur für die Regenrückhaltung und Abwasserbeseitigung eine Rolle. Im Bergischen Land etwa muss viel gepumpt werden, da wird es teuer. Mönchengladbach hingegen ist eine Flächenstadt, also müssen weite Wege überwunden und damit ein großes Kanalnetz unterhalten werden, um auf einen Anschlussgrad von derzeit 99,7 Prozent zu kommen.

Der Einwohnerfaktor spielt eine wesentliche Rolle bei der Gebührenberechnung. In Düsseldorf kommen viel mehr Gebührenzahler auf einer kleineren Fläche zusammen, nämlich 2816 Einwohner pro Quadratkilometer. In Mönchengladbach sind es 1525 Einwohner. Da fällt der Mengenrabatt schon mal kleiner aus. "Die Länge des Kanalnetzes ist überdurchschnittlich groß zur Zahl der angeschlossenen Einwohner", heißt es bei der Stadt. "Dies ist bedingt durch den hohen Anteil ländlicher Gebiete, die notwendigerweise im Laufe der Jahre an das Kanalnetz angeschlossen wurden."

Jedes Jahr investiert die NEW rund 15 Millionen Euro, um das Kanalnetz auszubauen oder in Schuss zu halten. "Dank der erheblichen Investitionen und der permanenten Instandhaltung ist das Kanalnetz der NEW in einem guten Zustand", sagt NEW-Vorstand Armin Marx. Das muss es aber auch, denn bei dem Kanalnetz, das in Gladbachs Boden vergraben liegt, handelt es sich um ein sehr stattliches System. Derzeit ist es im Stadtgebiet insgesamt 1361 Kilometer lang. Damit ist es allein in den vergangenen drei Jahren um gut 200 Kilometer gewachsen. Pro Jahr leiten die Kanäle etwa 30 Millionen Kubikmeter Schmutz- und Regenwasser ab. Der kleinste Schacht hat nur einen Durchmesser von vier Zentimetern, der größte von 3,60 Metern.

Die ältesten Kanäle in der Stadt sind gut 100 Jahre alt, wobei die ältesten Leitungen nicht die schlechtesten sein müssen. "Was die Qualität der verarbeiteten Materialien angeht, sind diese oft besser als Kanäle aus der Nachkriegszeit", heißt es bei der NEW. Zwar schlagen alte Kanäle mit höheren Wartungs- und Reparaturkosten zu Buche, dafür belasten neu verlegte oder modernisierte Leitungen die Bilanz mit hohen Abschreibungen und Zinsen. Das bedeutet: Alt muss nicht teurer und schlechter sein als Neu. Für die Kalkulation der Gebühren tragen die Stadt und die NEW einmal im Jahr ihre Kosten zusammen und ziehen davon Grundwassergebühren, Kosten für Kleinkläranlagen, sonstige Einnahmen der NEW, den Anteil für die Entwässerung der Straße, den die Stadt zahlen muss (zurzeit knapp 15 Prozent der Kosten), und Gebührenüberschüssen aus dem Vorjahr ab. Der Restbetrag muss von den Bürgern über die Abwassergebühr bezahlt werden. Daraus ergibt sich für 2016 eine Abwassergebühr von 3,26 Euro je Kubikmeter Frischwasser plus 1,74 Euro pro versiegeltem Quadratmeter Grundstücksfläche für Regenwasser. Teurer als anderswo, aber notwendig.

Quelle: RP
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