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Mönchengladbach
Gladbachs vergessene Wasserwelten

Mönchengladbach. In seinem neuen Band beschreibt Autor Robert Lünendonk die Historie der Fließgewässer, die sich einst durch die Stadt schlängelten. Von Tim Specks

Mönchenmortersmühlenbach wäre dann wohl doch ein etwas sperriger Stadtname gewesen. Gut, dass nicht der kleine Bach, der in Mennrath entspringt und von dort aus Richtung Süden fließt, zum Namensgeber der Vitusstadt wurde, sondern der Gladbach. "Mönchengladbach" spricht sich nun einmal deutlich leichter.

Der Mortersmühlenbach hat es zwar nicht bis zum Stadtnamen geschafft, ist aber ein gutes Beispiel für all die Fließgewässer, die sich in den vergangenen Jahrhunderten durch das Stadtgebiet schlängelten, heute aber fast gänzlich in Vergessenheit geraten sind. Damit das nicht passiert, zeigt Robert Lünendonk in seinem neuen Band "Bäche und Mühlen in Mönchengladbach jenseits von Gladbach und Niers" auf, wie sich das Mönchengladbacher Wassernetz im Laufe der letzten rund 200 Jahre veränderte. "Der Mortersmühlenbach, heute nur noch ein kleines Rinnsal, war zum Beispiel früher so groß, dass er eine Mühle antrieb", erzählt Lünendonk. Die Mühle gibt es seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr, vom Bach sind zwischen Mennrath und dem Priorshof noch heute Reste zu erkennen.

Die Idee zum Buch kam Robert Lünendonk bei der Arbeit an den beiden Werken, die seinem neuen Band vorausgehen: "Auf den Spuren des Gladbachs und seiner Mühlen" aus dem Jahr 2008 und "Die Niers und ihre Mühlen von der Quelle bis Neuwerk" von 2012. "Vor meiner Recherche kannte ich rund 40 Fließgewässer in Mönchengladbach - jetzt sind es an die 100", sagt Lünendonk. In dem 172 Seiten starken Band führt der Autor nun 76 Gewässer und acht Wassermühlen auf. "Dass es so viele Mühlen sind, hat mich sehr verwundert", erzählt der Diplom-Informatiker. Auch Gewässer, die bis Korschenbroich fließen, sind aufgeführt.

Schlägt man den beim Klartext-Verlag erschienene, die Erzählungen Lünendonks über Gladbacher Fließgewässer abschließenden Band auf, hat man die Geschichte der Bäche, Sothen und Gräben, die es einmal in der Vitusstadt gab, klar strukturiert vor Augen. Meist steht ein Ausschnitt des Urkatasters von 1812, auf dem die damalige Situation des Wassernetzes dokumentiert ist, einer aktuellen Karte der Stadt gegenüber. "So sieht man sofort, wo ein Gewässer früher floss und wo es heute fließen würde", sagt Lünendonk. Zu den Karten- und Katasterausschnitten stellt Lünendonk an einigen Stellen auch historische Fotos der Fließgewässer. "Aktuelle Fotos der Bäche werden nur gezeigt, wenn es auch tatsächlich noch etwas zu sehen gibt", sagt der Autor. Dass es heute quasi kein Fließgewässer mehr in der Stadt gibt, liegt laut Lünendonk erstens daran, dass viele Gewässer in der Kanalisation verschwunden sind und rührt zweitens daher, dass das Grundwasser durch den Braunkohle-Tagebau gesunken ist. "Wenn das mal beendet ist, bekommen sicher einige Menschen in ihren Häusern nasse Füße", so Lünendonk. In dem Buch erfahren Leser nicht nur etwas über die Historie der Fließgewässer, sondern auch über die Mühlen, die es einst in Mönchengladbach gab. "Im Buch sind die erste Erwähnung, ihre Funktion und ihr letztendliches Schicksal dokumentiert", so Lünendonk.

Was das Gesamtwerk besonders lesenswert macht, erklärt Kulturdezernent Gert Fischer: "Der Leser kann das Buch in die Hand nehmen, an die Straßenecke gehen und sehen, wo vor seiner Haustür vielleicht mal ein Gewässer floss."

Quelle: RP
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