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Mönchengladbach
Goldene Blume für Mainau-Dynastie

Bettina Gräfin Bernadotte erhält die Goldene Blume
Bettina Gräfin Bernadotte erhält die Goldene Blume FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Seit 50 Jahren wird Deutschlands ältester Umweltpreis verliehen - die Preisträgerin steht in guter Tradition: Bettina Gräfin Bernadotte erhält die Auszeichnung wie schon ihre Mutter und ihr Vater. Er war 1967 der erste Geehrte. Von Denisa Richters

Mit der botanischen Vielfalt auf der Insel Mainau kann der Bunte Garten wohl nicht konkurrieren. Doch er ist diesbezüglich besonders und eine bemerkenswerte Insel mitten in der Stadt. Einen Besuch des wunderschönen Parks ließ sich Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg zum Abschluss ihres Mönchengladbach-Besuchs deshalb nicht entgehen.

Es war eine Premiere, obwohl sie mit der Vitus-Stadt bereits viele Erinnerungen verbinden: Schließlich war ihr Vater, Graf Lennart Bernadotte, 1967 der erste Preisträger, der die Goldene Blume von Rheydt in Empfang nahm. 1961 hatte er mit Mitstreitern die "Grüne Charta von der Mainau", sozusagen das Grundgesetz des Naturschutzes, formuliert. Auch Grünsatzungen und Parkanlagen in Kommunen werden darin gefordert, der Bunte Garten hat also sicher davon profitiert. "Gärtnern um des Menschen willen", hatte der Graf sein Handeln für Natur und Umwelt beschrieben.

Der Bürgerverein "Blühendes und schaffendes Rheydt" hatte den Umweltpreis in der damals noch selbstständigen Stadt ins Leben gerufen, um damit auf die zunehmende Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Längst ist es der Umweltpreis der Stadt Mönchengladbach. Unter den Preisträgern sind Loki Schmidt, Bernhard Prinz der Niederlande, die Forschungsreisenden Thor Heyerdahl und Arved Fuchs, Karl Kardinal Lehmann ebenso wie Peter Maffay und Ranga Yogeshwar. Die gräfliche Familie von der Insel Mainau spielte stets eine zentrale Rolle: Nach dem Vater erhielt 1999 auch die Mutter, Sonja Gräfin Bernadotte, die stilisierte Dahlie. Jetzt, ein halbes Jahrhundert nach dem Vater, geht der Preis an seine Tochter. "Schön, dass sich ein Kreis schließt", sagt die 43-Jährige, die seit 2007 die Geschäfte der Blumeninsel im Bodensee führt. Das nicht nur umweltbewusst - der Betrieb ist bereits zur Hälfte auf regenerative Energien umgestellt, das Ziel sind 100 Prozent -, sondern auch innovativ: Kostenloses WLan, ein Nachhaltigkeitsparcours, Beteiligung am Earth Day, die Projekte Minigärtner und Miniköche EU, mit denen Kinder an Natur und gesundes Essen herangeführt werden, mit solchen Konzepten führt die Gräfin, die gerne selbst in der Erde buddelt, kocht und konsequent mit dem Fahrrad fährt, die Insel zum Erfolg.

"Ein bisschen Mainau täte der Erde an vielen Stellen gut", betonte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, der auch stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Goldenen Blume ist. In dieser Rolle verlas er im Stadttheater die Laudatio vom Kuratoriums-Vorsitzenden Karl Hans Arnold, der kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen musste. "Die Bernadottes setzen der Bedenkenlosigkeit der Umweltzerstörung ihr Konzept der Fürsorge für Natur und Umwelt entgegen", so der Laudator.

Sie wolle "die Lust und Begeisterung" der Insel-Besucher steigern, sich auch im Alltag für Umweltschutz einzusetzen, sagt Gräfin Bernadotte. Der Mensch tue sich schwer, das Wohl der Gesamtheit über das eigene zu stellen. Er sei aber auch ein soziales Wesen. "Jeder von uns sollte sich einen Ruck geben", appellierte Bettina Gräfin Bernadotte an die rund 400 Besucher der Preisverleihung und verband dies mit dem eindringlichen Aufruf, am 24. September zur Bundestagswahl zu gehen. Im Publikum saßen viele Stammgäste der Preisverleihung, MKV-Chef Bernd Gothe konnte gar verkünden: "Ich bin seit 50 Jahren ohne Ausnahme dabei!"

Zu ihrer Rede ließ die Gräfin Fotos von der Blumeninsel auf die Bühnenwand projizieren. Eine Pracht, die vielen im Saal Lust auf eine Tour dorthin machte. Entspannung ist dort gesichert, denn im Konzept der Mainau GmbH stehe "Entschleunigung als große Überzeugung". So werde nicht eine Umsatzrendite von 20 Prozent, sondern "eine gute einstellige" angestrebt, die nicht auf die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen setze. Besuchern biete man gute und nachhaltige Qualität. "Entschleunigung ist nicht Langsamkeit, sondern die Balance aus Geschwindigkeit und Ruhe."

Da Kinder die Wahrheit am deutlichsten sagen, gab sie dem Publikum ein Zitat einer "Minigärtnerin" zu zähen Umstieg auf E-Mobilität: "Es ist doof, dass Erwachsene das nicht ändern. Denn das macht doch die Erde kaputt. Und auf der sollen wir auch noch leben."

Quelle: RP
 
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