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Mönchengladbach
Goldkonfirmanden erinnern sich

Mönchengladbach. Es soll vor 50 Jahren eine klare Einteilung nach Konfessionen gegeben haben. Die Protestanten wurden vor den Katholiken gewarnt. Anders herum war es allerdings genauso. Von Sigrid Blomen-Radermacher.

Heinrich Lübke war Bundespräsident, Kiesinger Bundeskanzler, Eintracht Braunschweig wurde Deutscher Meister, in Südafrika wurde das erste Herz transplantiert und in Mönchengladbach gingen zwischen dem Frühjahr und dem Winter des Jahres 1967 in fünf evangelischen Gemeinden etwa 300 Jugendliche zur Konfirmation.

Am Sonntag, 50 Jahre danach, waren diese Goldkonfirmanden in die Christuskirche eingeladen, um ihr Jubiläum festlich zu begehen. Gekommen waren gut 60 Männer und Frauen. Pfarrer Wolfgang Hess hielt den Festgottesdienst, der musikalisch von dem Chor der Christuskirchengemeinde unter Leitung von SuIn Chen-Haurenherm und dem Streicherensemble gestaltet wurde. Danach gab es im Wichernhaus bei Kaffee, Suppe und Dessert jede Menge Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Wenige der Goldkonfirmanden kennen einander. Zu sehr waren die damals 300 Konfirmanden auf die Gemeinden in den Stadtteilen verteilt. Ins Gespräch kamen sie dennoch. Verblüfft wurde ihnen klar, wie sehr sich die Gesellschaft in den 50 Jahren verändert hat.

"Wir wurden damals vor den Katholiken gewarnt", erinnert sich Folke Beckmann. Umgekehrt war es allerdings genauso. Die Einteilung der Klischees, so Beckmann, war klar: "Die Evangelischen sprachen hochdeutsch und waren klug, die Katholischen sprachen plattdeutsch und waren dumm." An diese Trennung zwischen den Konfessionen kann sich auch Rainer Gützkow erinnern: "Wir durften nicht in die Volksschule in Ohlerfeld gehen, sondern nach Hermges." Grund: Die eine war eben katholisch. Es sollte nach ihrer Konfirmation 1967 noch einige Jahre dauern, bevor sich die Situation änderte. Für beide Goldkonfirmanden war nach der Konfirmation "erst mal Schicht" mit Kirche. Für Gützkow ist die Konfirmation aufs Engste verbunden mit dem Einstieg ins Berufsleben fünf Tage nach der Konfirmation. Von heute aus gesehen unglaublich für ihn, dass mit 14 Jahren schon seine Lehre als Modellbauer bei Mannesmann begann. Heute ist die Anbindung beider an die Gemeinde wieder stärker, vor allem für Beckmann, der im Presbyterium sitzt.

Carmen Szary-Wilhelm und Sylvia Elias betrachten das Konfirmationsfoto, das Elias mitgebracht hat: "Was sehen wir ernst aus", kommentieren sie und fügen einstimmig hinzu: "Aber pubertär waren wir durchaus." Schließlich seien sie die Vorhut der 1968er gewesen. Sylvia Elias erinnert sich noch gut an den für sie ausgewählten Konfirmationsspruch: "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen." Auf irgendeine Weise begleitet er sie ihr Leben lang. Auch wenn es nicht die Institution Kirche ist, an der sie hängt, der Glaube an Gott und die Kraft, die sie aus ihm schöpfe, bestimme ihr Leben.

Der älteste Gast ist 89 Jahre alt und feiert sogar Kronjuwelenkonfirmation. 1942 wurde Marlene Schimanski mit 60 anderen Jugendlichen in der Christuskirche konfirmiert. Den ihr zugewiesenen Konfirmationsspruch musste sie erst akzeptieren lernen, sie mochte ihn nicht: "Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du würdest die Herrlichkeit Gottes sehen." Ihr Vater hatte ihr vorgeschlagen, sie solle erst mal über den Spruch nachdenken. Das tat sie. Heute findet sie ihn für ihr Leben ganz passend.

Quelle: RP
 
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