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Mönchengladbach
Goldmedaille für einen Wächter

Mönchengladbach: Goldmedaille für einen Wächter
"Der Wächter" heißt diese Skulptur von Werner Jacobs. FOTO: Jacobs
Mönchengladbach. Der Rheydter Steinbildhauer Werner Jacobs wird bei der Internationalen Garten Ausstellung (IGA) in Berlin für seine neue Granit-Stele ausgezeichnet. Von Armin Kaumanns

Werner Jacobs klopft sich erst einmal den Steinstaub aus dem Kittel, als er den Besucher willkommen heißt in seinem Atelier an der Dahlener Straße. Der Steinbildhauer schleift gerade an einer neuen Arbeit, bei der ein Mann in sinnender Haltung sich aus dem unmerklich gewölbten, glatt polierten Kubus einer Granitstele matt, ein wenig rau herausschält. Staub auf Hand und zum Zopf gebändigten angegrauten Haar. Staub überall in der Werkstatt, deren eine schmale Wand die Skizze einer antiken ägyptischen Skulptur bedeckt: ein stehender Mann, androgyn weich und athletisch zugleich, geschlossenen Auges, ein Bein einen halben Fuß nach vorn gesetzt.

"Ich bin jedes Mal aufs Neue überwältigt von der Schönheit dieser Skulpturen", schwärmt der 53-Jährige von den vielen Besuchen in dem Land, aus dem der Vater seiner Frau Susanne, ebenfalls künstlerisch mit Stein und Keramik befasst, stammt. Der Mann, dessen formal reduzierte Arbeiten inzwischen weit über die Grenzen der Stadt hinaus geschätzt sind, wendet sich seit gut zwei Jahren immer wieder der Figur zu. Eine große Bestätigung bedeutet Jacobs da die Goldmedaille, welche die Fachjury der IGA in Berlin seiner Arbeit "Der Wächter" zuerkannte. Die Preisübergabe folgt am 11. Juni in Berlin-Marzahn.

Die Internationale Garten Ausstellung ist gewissermaßen der große Bruder der Bundesgartenschauen, die sie alle zehn Jahre ersetzt. Immer gestalten auch Steinmetze und Friedhofsgärtner Themengärten, zum Wettbewerb "Grabzeichen" schicken Steinmetze der ganzen Republik Arbeiten. Medaillen adeln gewissermaßen herausragende Gestaltung und Handwerk.

Schon bei der Landesgartenschau in Zülpich 2014 hatte Jacobs gleich einen ganzen Medaillensatz errungen, die IGA-Goldmedaille setzt da noch eins drauf. "Das immerwährende Suchen nach neuem Ausdruck, neuer Form, das ist der Motor meines Schaffens", sagt Jacobs. Sein "Wächter" bindet den ägyptischen Formenkanon ein in einen Zusammenhang, wie er hiesige Grabstätten prägt. Hieroglyphen unter der Figur bedeuten schützende Hände, Schutz des Lebens.

"Seit ein paar Jahren werde ich erzählerischer", stellt Jacobs fest. Das Bild vom friedlich wehrhaften Mann, der auf hohem Sockel vor der Wand steht, die vielleicht Tod und Leben scheidet - ein starkes, aufrechtes Zeichen desjenigen, der einstmals darunter begraben sein wird. "Immer schon wandeln meine Arbeiten auf dem Grat zur freien Kunst. Und das werden sie in Zukunft verstärkt tun", äußert sich Jacobs verhalten über Pläne für die kommenden Jahre. Seit 27 Jahren führt er, zusammen mit Ehefrau Susanne, seine Werkstatt in Rheydt. Seine künstlerische Kraft wird auch weiter von hier aus wirken.

Quelle: RP
 
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