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Mönchengladbach
Gott ist eine Frau: Kunstprojekt in der Hauptkirche

Mönchengladbach: Gott ist eine Frau: Kunstprojekt in der Hauptkirche
Pfarrer Stephan Dedring und Museumsdirektorin Susanne Titz in der Ausstellung im Innenraum der Hauptkirche Rheydt. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Die Leuchtschrift ruft es durch den Kirchenraum: "God is a woman and she knows how to dance!" Sicher, die Zeiten, da der Gläubige Gott ausschließlich als männliches Wesen betrachtete, ist eigentlich lange vorüber - aber Gott so explizit weiblich zu machen und darüber spielerisch in Bewegung zu bringen, das lässt auch heute noch kurz stutzen. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Der Kirchenraum ist die Evangelische Hauptkirche in Rheydt. Im Rahmen des Kunstprojekts zur Reformation im Rheinland mit dem Titel "reFORMation-transFORMation" beteiligt sich die Gemeinde an einer unter anderem von Museumsdirektorin Susanne Titz jurierten Kunstausstellung, die im Reformationsjahr von Düsseldorf bis Saarbrücken durchs Land wandert. Künstler sind aufgefordert, sich mit einer künstlerischen Position zum Thema zeitgemäße Interpretation des christlichen Glaubens zu beteiligen.

"Ein Leben ohne Bilder ist gar nicht möglich", zitierte Pfarrer Stephan Dedring Martin Luther während der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. Bilder machen Gedanken deutlich. Die Leuchtschrift, die die in Bulgarien geborene Kristina Stoyanova entwarf - übrigens in der Zeit, als sie als Wasserturmstipendiatin in Gladbach lebte - ist neben einer Holzskulptur auf der Orgelbühne, in der Yogapositionen nachgebaut sind, die einzige Künstlerin, die in der Kirche gezeigt wird. Der größere Teil der Ausstellung ist im neuen Gemeindehaus zu sehen.

"Eine Bereicherung für die Stadt" sei es, sagte Titz in ihrer Begrüßung, und sie verwies darauf, wie unterschiedlich Kunstwerke in ihrer jeweiligen Umgebung wirken. Das gilt sicher auch umgekehrt: Das Gemeindehaus hat sich in eine Galerie verwandelt. Im Eingang steht ein schwarzer Kasten. Achtlos daran vorübergehen sollte man nicht: Nur wer den Blick verweilen lässt, entdeckt das schemenhafte Selbstporträt von Konstantinos Angelos Gavrias, Sohn griechischer Eltern, "Die Versuchung". Einer Versuchung zu widerstehen, ist die Aufgabe des Gläubigen. Verfällt er vor dem schwarzen Kasten der Versuchung der Selbstbespiegelung, des Sich-Verlierens im schwarzen Nichts? Karl Manfred Rennetz stellt ein gemaltes neben ein aus Holz gefertigtes Kreuz. Soweit, so kirchlich bekannt. Doch steht sein Kreuz nicht auf dem Längsbalken, sondern auf beiden Enden der gleichschenkligen Balken. Ein Andreaskreuz also. Oder das Kreuz, mit dem Menschen eine Wahl markieren? Die mehr als zehn Arbeiten sind mal poetisch, mal rätselhaft, mal lapidar - aber sie alle regen an, nachzudenken über die Fragen nach der Welt, dem Glauben und den Menschen.

Die Ausstellung ist bis 29. Oktober in der Hauptkirche von Di. bis Fr. von 10 bis 12 Uhr, Mi. von 16 bis 18 Uhr und Sa. von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Im Gemeindehaus, Wilhelm-Strauss-Straße 34, sind die Werke Di. bis Sa. von 10 bis 12 Uhr und Mi. von 16 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Quelle: RP
 
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