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Serie Denkanstoss
Gottes Reich ist die letzte Heimat

Serie Denkanstoss: Gottes Reich ist die letzte Heimat
Die letzte Heimat erwarten wir bei Gott in seinem Reich - sagt Pfarrer Stephan Dedring. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Was bedeutet Heimat? Dieser Frage geht der evangelische Pfarrer Stephan Dedring nach. Der Rheydter Seelsorger findet Antworten. Im Neuen Testament heißt es: "Wir haben hier keine bleibende Stadt." Von Stephan Dedring

Die "Heimat" ist zur Zeit ein großes Thema in den Medien. Aber was bedeutet eigentlich Heimat? Es gibt keine klare Definition. Umso mehr kommt es auf die eigene Perspektive an. "Heimat" meint ja oft zunächst einfach den persönlichen Herkunftsort. Den kann man sogar fotografieren: "Heimat von oben" hießen darum die Fotos von Mönchengladbach in der Rheinischen Post zu Beginn der Woche. Aber Heimat hat auch mit meinem Gefühl und meiner Einstellung zu tun.

Ich erinnere mich noch sehr gut an eines unserer interreligiösen Gespräche, bei dem ein Lehrer mit Migrationshintergrund uns sagte: "Ich bin in Bremen geboren. Trotzdem dachte ich in Bremen, die Türkei sei meine Heimat, weil meine Familie von dort stammt. Nach meinem Umzug nach Mönchengladbach merke ich aber, dass vielmehr Bremen meine Heimat ist - und Mönchengladbach meine Heimat werden könnte."

Heimatgefühle sind offenbar flexibel. In seinem Interview mit der Rheinischen Post am Dienstag verbindet Andreas Gabalier wie wohl viele Menschen Heimat mit Vertrautheit: mit Menschen, Gebräuchen, Atmosphäre. Der frühere Bundespräsident Heuss hat seiner Frau einmal geschrieben: "Du bist mir Heimat geworden." So wird Heimat durch die Liebe sogar ortsunabhängig. Und Johann Gottfried Herder meinte im 18. Jahrhundert: "Heimat ist da, wo ich mich nicht erklären muss."

Für die Christen hat Heimat aber auch noch einen anderen Klang. Heimat gehört zum "Vorletzten", wie es Dietrich Bonhoeffer genannt hat. Heimat hat keine letzte Gültigkeit und Bedeutung und darf auch nicht so aufgeladen werden. "Wir haben hier keine bleibende Stadt" heißt es im Neuen Testament (Hebr. 13,14). Wir Menschen sind auf der Erde eigentlich nur auf der Wanderschaft. "Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu", ruft uns ein Kirchenlied zu.

Das verändert die Perspektiven: Heimat liegt eigentlich nicht nur in der Vergangenheit und Gegenwart, sondern in der Zukunft. Die irdischen Vertrautheiten sind wichtig für uns, sie haben aber keine letztgültige Bedeutung. Letzte Heimat erwarten wir bei Gott in seinem Reich. Wo ich mich bis dahin heimisch fühle, kann sich ändern; und meine Heimat kann sich verändern: Menschen, Gebräuche, Atmosphäre. Trotzdem kann ich mich heimisch fühlen. Auch die Vielfalt ist vielleicht irgendwann nicht mehr erklärungsbedürftig, sondern selbstverständlich. Zudem sind wir eingeladen, darauf zu vertrauen, dass Gott alle unsere Wege begleitet. So kann er uns schon jetzt Heimat sein in allen Veränderungen der Welt. Gott gegenüber muss ich mich auch nicht lange erklären. Er kennt mich sowieso schon besser, als ich mich selbst kenne. Auch das ist Heimat.

STEPHAN DEDRING IST PFARRER DER EVANGELISCHEN KIRCHENGEMEINDE RHEYDT

Quelle: RP
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