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Serie Was Macht Eigentlich?
Großer Einsatz für die Hauptschule

Serie Was Macht Eigentlich?: Großer Einsatz für die Hauptschule
Mit dem Rad unterwegs: von Pongs aus hat Lothar Steinhauer viele Möglichkeiten, ob durch die niederrheinische Landschaft oder in die Stadt. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Lothar Steinhauer war 18 Jahre Rektor der Katholischen Hauptschule Stadtmitte - mit Liebe und Leidenschaft. Sie auslaufen zu lassen, das hält er immer noch für falsch. Der 79-Jährige engagiert sich in der Pfarre Herz-Jesu und kümmert sich um eine afghanische Flüchtlingsfamilie. Von O. E. Schütz

Ein Mitglied einer Prüfungskommission wollte es kaum glauben, sagte staunend: "Das habe ich ewig nicht mehr erlebt, dass wir von den Schülern auf dem Pausenhof gegrüßt werden!" Es war aber auch die Hauptschule von Rektor Lothar Steinhauer und seinen gleichgesonnenen Kollegen. Für sie zählten Werte wie Rücksichtnahme, Höflichkeit und Ähnliches. Dafür stand an der Katholischen Hauptschule Stadtmitte jedes Schuljahr unter einem Aspekt, der solche Werte nicht nur in Kurzform, sondern nachhaltig vermittelte.

Lothar Steinhauer, inzwischen 79 und seit August 1999 aktiver Ruheständler, war 18 Jahre Rektor der Schule an der oberen Aachener Straße - und erlebt nun traurig ihr Auslaufen und immer näher kommendes Ende: "Sie ist den Befürwortern der sechsten Gesamtschule unserer Stadt geopfert worden."

1968 wurde mit der Schulreform in Nordrhein-Westfalen die über acht Klassen führende Volksschule aufgelöst; an ihre Stelle traten für das erste bis vierte beziehungsweise fünfte bis neunte oder zehnte Schuljahr die Grund- und die Hauptschule; dazu gab es weiter Realschule, Gymnasium und Sonderschule.

Lothar Steinhauer war Anfang 1968 hautnah dabei, als die Hauptschule vorbereitet wurde: als Lehrer an der "Versuchshauptschule" Wilhelm-Strauss-Straße: "Wir haben die Lehrpläne für die Hauptschule erprobt." Er war damals und ist immer noch überzeugt, dass diese Schulform für viele ein gutes Angebot ist: "Für Schüler, die nicht oder noch nicht zu geistigen Höchstleistungen fähig sind, bietet sie eine Vorbereitung auf das Berufsleben mit der Orientierung Technik und Hauswirtschaft, mit Grund- und Erweiterungskursen in Englisch und Mathematik in den Klassen sieben bis neun und der Möglichkeit, bei entsprechender Entwicklung im Anschluss noch auf das Gymnasium zu wechseln."

In der Regel war die neue Hauptschule eine Gemeinschaftsschule; auf Antrag der Eltern konnten aber konfessionelle Schulen eingerichtet werden. In Mönchengladbach wurde dies dreimal genutzt: Es gab die Katholischen-Hauptschulen Neuwerk, Rheindahlen und Stadtmitte. Übrig wird bald nur noch Rheindahlen sein. Stadtmitte, einst die größte Hauptschule der Stadt überhaupt, hatte 860 Schüler, als Lothar Steinhauer sie 1981 als Rektor übernahm. Als er 1999 in den Ruhestand ging, waren es immerhin noch 650.

Dass der Schulausschuss des Stadtrates 2010 diese Schule "wegfegte", um eine sechste Gesamtschule zu gründen, konnte und kann der ehemalige Rektor bis heute nicht verstehen: "Wann haben die Mitglieder dieses Ausschusses sich von der hoch qualifizierten pädagogischen Arbeit dieser Schule überzeugt? Mit welcher Sorgfalt haben die Lehrpersonen dieser Schule gescheiterte und ,am Boden liegende' Schüler anderer weiterführender Schulen, auch von Gesamtschulen, aufgenommen und geholfen, ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen! Unsere Stadt braucht ein eigenes, der Schülerschaft angemessenes Profil. Der an der Hauptschule gewonnene Abschluss war und ist für Wirtschaft und Handwerk attraktiv", sagt Lothar Steinhauer. Und betont noch einmal die Bedeutung dessen, "was im Laufe eines Schülerlebens in der Sekundarstufe I eine solche Schule mit ihrer Werteerziehung den jungen Menschen in christlicher Verantwortung mit auf den Weg gibt".

Christliche Verantwortung: Die hat Steinhauer sehr früh gelernt in einem katholischen Elternhaus. 1951 kam er aus Duisburg nach Rheydt, wo sein Vater im Einkauf des Textilhauses C & A begann. Hier setzte sich Lothars außergewöhnliche Schullaufbahn fort, die mit vielen Wechseln im Krieg begonnen hatte. "Ich war auf zwölf Schulen, von der Volksschule über die hiesige Realschule, damals am heutigen Platz der Republik, bis ins Einhardt-Gymnasium in Aachen. Mein Realschul-Religionslehrer Hans Hellenbroich wurde damals Leiter des Bischöflichen Konvikts und hat mich mit nach Aachen genommen."

Nach dem Abitur 1958 begann Steinhauer ein Theologie-Studium in Frankfurt, entschloss sich aber nach zwei Semestern zu einer Laufbahn als Volksschullehrer. 1961 legte er die 1. Staatsprüfung an der Pädagogischen Akademie Aachen ab. Erste berufliche Station waren zwei Jahre als Diözesanjugendführer und -referent, ehe er 1963 an der Volksschule Mülfort-Bell in den Schuldienst trat. Den er mit Liebe und Leidenschaft 36 Jahre ausübte.

Quelle: RP
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