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Mensch Gladbach
Grrrrrrrrrrrrrrrr

Mönchengladbach. Wann hat das eigentlich angefangen? Dass man die kleinen und großen Dinge des Lebens nur noch mit Schaum vor dem Mund regeln kann? Dass man auf jeden Fall Recht behalten muss? Dass man pöbelt? Platt macht? Je nach Fertigkeiten mit Worten oder dem Baseballschläger? Eine Spurensuche.

Ja, dumme Jungen hat es immer schon gegeben. Dumme Mädchen - allein schon der Gendergerechtigkeit wegen - natürlich auch. Und die haben sich damals, als mobiles Telefonieren nur in übel riechenden gelben Zellen ging, auch mal reichlich daneben benommen. Weil man eben auch mal aus der Spur muss, um in die Spur seines Lebens zu finden. Aber vom Kaputthauen von Karnevalswagen und Demolieren von öffentlicher Kunst findet niemand seine Mitte. So was tun nur Menschen, die sich längst von dem Gedanken verabschiedet haben, auf dem Weg irgendwohin zu sein.

Mönchengladbach ist - im Benchmark, wie das heute so schön heißt, aller Städte der Welt - ein unfassbar reicher und ruhiger Fleck. Wenn man aber über das Glitzer-Pflaster der Hindenburgstraße geht oder den schönen Rheydter Markt, sieht man eine so große Anzahl an chronisch schlecht gelaunten Menschen, dass man sich fragt, welche Schreckensnachricht man gerade verpasst hat. Wahrscheinlich haben die Leute so schlechte Laune, weil es verdammt anstrengend ist, Tag und Nacht Recht haben zu müssen. Und so selten Recht zu bekommen, weil die eigenen Ansprüche nicht zur Realität passen.

Fangen wir mal klein und gesittet an. Die Händler wünschen sich kostenloses Busfahren die Hindenburgstraße hoch. Warum auch nicht? Meine Tochter will schließlich auch ein Pony im Garten haben. Oder noch besser ein rosa Einhorn. Und wo ich gerade so drüber nachdenke, wäre es doch in diesen unruhigen Zeiten nur angemessen, wenn jeder Mönchengladbacher eine Rheinische Post kostenlos bekäme. Oder besser zwei, dann kann man eine noch für die Kartoffelschalen nehmen.

Dann machen wir mal politisch weiter. Der Oberbürgermeister kündigt an, das Arbeitslosenzentrum zu verlagern. Dafür bekommt man, wenn man es ohne Not und öffentlich tut, nicht unbedingt den Preis für Völkerverständigung und Sensibilität. Aber man könnte ja reden. Miteinander, statt übereinander. Statt dessen bricht da ein Gewitter los von Unterstellungen, Legenden und Abwehr, dass man meinen könnte, es gehe mindestens um Krieg und Frieden. Oder um Borussia.

Der Andersdenkende hat aufgehört, Bereicherung zu sein. Er ist Bedrohung. Die Erkenntnis, dass man immer aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Welt schauen kann und dass darum erst der Blick aus anderen Perspektiven auf dieselbe Sache das Bild vollständig werden lässt, ist längst so old-fashioned wie eine Telefonzelle. Schauen Sie mal eine halbe Stunde in den vermeintlich sozialen Netzwerken. Aber nur, wenn Sie diesen ganzen Schaum vorm Mund ohne Schaden an Ihrer Integrität aushalten. AfD? Merkel? Ein tödlicher Unfall? Lauter Steilvorlagen für Rechthaber und Schlechtmacher.

Wenn Sie jetzt auf die Li-La-Laune-Auflösung zum Schluss hoffen, enttäusche ich Sie von Herzen gern. Kein Trost. Keine Lösung. Man kann ja nicht die ganze Stadt mit Eseln zupflastern. Nur eine Bitte: Machen Sie den Scheiß nicht mit! Benehmen Sie sich anständig.

Sonst werde ich nämlich sauer. So was von sauer. Und ich schwöre Ihnen: Das wollen Sie auf gar keinen Fall erleben! Grrrrrrrrrr.

Quelle: RP
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