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Mönchengladbach
Guildo Horn begleitet Blinde zu Borussia

Mönchengladbach. Viele kennen ihn als bunten Paradiesvogel, der in schrillen Kostümen gerne mit Klischees spielt und einen Hang zur überspitzten Ironie hat. 1998 belegte der Schlagersänger mit "Guildo hat euch lieb!" den siebten Platz beim Eurovision Song Contest in Birmingham. Spätestens seit diesem Moment ist Guildo Horn, der sich mit humorvollen Coverversionen von Songs wie "How Deep Is Your Love" von den Bee Gees in die Herzen zahlreicher Fans gesungen hat, kaum noch aus der deutschen Unterhaltungsszene wegzudenken. Von Melissa Kiak

Doch der Mann, der im richtigen Leben eigentlich Horst Köhler heißt, hat neben seiner Liebe zur Musik auch noch andere Leidenschaften, die man hinter der lustigen Fassade nicht unbedingt vermutet. Eine davon ist Fußball. Eine andere ist die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. Aus diesem Grund hat der 51-Jährige in Kooperation mit der Bundesliga-Stiftung ein besonderes Projekt ins Leben gerufen, dass beides miteinander verbindet: Gemeinsam mit dem Sportsender "Sky" testet der Schlagersänger deutschlandweit Stadien auf ihre Barrierefreiheit und war im Rahmen dessen auch im Borussia-Park zu Gast.

Die Heimat der Fohlen ist an dem Abend, an dem die Mannschaft noch gegen den HSV gewinnt, nach Schalke, Hamburg und Bremen die vierte Station des Formats "Guildos Barriere-Check". Das Prinzip ist immer dasselbe: Der Schlagersänger trifft in dem jeweiligen Stadion auf eine Gruppe von Menschen, die zwar an einer bestimmten Behinderung leiden, sich trotz allem aber nicht die Freude am Fußball nehmen lassen wollen. Ein Beispiel dafür ist der Gladbacher Fanclub "3PunkteFohlen", auf den Guildo Horn gut eine Stunde vor Spielbeginn traf. Der Club setzt sich hauptsächlich aus sehbehinderten und blinden Menschen zusammen, die sich kein Spiel ihres Vereins entgehen lassen. "Die Frage habt ihr sicher schon oft gehört, aber wie ist es denn, zu einem Fußballspiel zu gehen, obwohl man überhaupt nichts sieht", wollte der 51-Jährige wissen. "Das Feeling ist einfach unbeschreiblich", lautete die Antwort eines blinden Mannes. Auch die anderen Mitglieder nicken zustimmend. "Unsere Behinderung kann uns die Liebe zur Borussia nicht nehmen. Die Gefühle und Emotionen empfinden wir trotzdem, auch wenn wir nichts sehen", sagen sie. Wenige Minuten vor dem Anpfiff begleitet Guildo Horn die "3PunkteFohlen" schließlich in den Block 24, der spezielle Sitzplätze für sehbehinderte und blinde Fußballfans bietet. Dort erhält jeder einen speziellen Empfänger mit Kopfhörern, über den das Spiel durch Live-Kommentare verfolgt werden kann. Zu den ehrenamtlichen Blindenkommentatoren gehört unter anderem Sidney Rahmel, der außerdem Vizepräsident des Fanclubs ist. "Ich bin jetzt seit sieben Jahren dabei und es macht unglaublich viel Spaß", sagt Rahmel. "Früher habe ich nur meinen ,Job' erledigt, doch mit den Jahren sind wir gute Freunde geworden."

Guildo Horn, der nach dem Abitur in einer Lebenshilfe-Werkstatt arbeitete und unter anderem als Musiklehrer für geistig Behinderte tätig war, ist von den "3PunkteFohlen" und dem ehrenamtlichen Engagement der Helfer beeindruckt. "Ich finde es toll, dass alle Menschen eine Chance bekommen, ihre Leidenschaften ausleben zu können", sagt der 51-Jährige. "Natürlich kann man an jedem Stadion noch das ein oder andere verbessern, um es noch ein wenig barrierefreier zu machen. Trotzdem beeindruckt es mich, wie sich die Vereine und auch viele Freiwillige engagieren, um den Menschen ein tolles Erlebnis mit ihrem Verein zu ermöglichen."

Quelle: RP
 
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