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Harald Weuthen im Interview
Gute Chancen für den Sportpark Rheydt

Harald Weuthen im Interview: Gute Chancen für den Sportpark Rheydt
FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Harald Weuthen, Fachbereichsleiter Schule und Sport bei der Stadt, spricht über sinkende Schülerzahlen, positive Entwicklungen bei der Integration von jungen Flüchtlingen in Schulen und die Möglichkeit, Fördermittel für den Sportpark Rheydt zu bekommen.

Herr Weuthen, Sie sind für den Fachbereich Schule und Sport zuständig. Fangen wir mit der Schule an. Die Anmeldungen für die Gesamtschulen liegen vor. Wie sehen die Zahlen aus?

Harald Weuthen Gesamtschulen werden in Mönchengladbach immer stark nachgefragt. Durchschnittlich haben wir in den letzten Jahren 300 bis 500 Verweisungen. So wird es auch in diesem Jahr sein. Bei allen sechs Gesamtschulen werden alle Klassen belegt werden. Fünf davon sind vierzügig, die Gesamtschule Espenstraße ist sechszügig, weil es die Raumsituation dort erlaubt. In einer Koordinationskonferenz wird jetzt die Klassenbildung festgelegt, dann gehen die Aufnahme- und Verweisungsbescheide heraus. Bei einer Verweisung können die Eltern ihr Kind dann an einer Hauptschule, einer Realschule oder einem Gymnasium anmelden.

Lange Zeit wurden Schulen geschlossen. Wird das so weiter gehen?

Weuthen Nein, nach heutigem Stand haben alle Schulen eine Bestandsgarantie - mit Ausnahme von zwei kleinen Teilstandorten von Grundschulen-, wir brauchen alle Schulen zur Versorgung. Vor Jahren gab es noch 90 Schulen in der Stadt, jetzt nur noch 76. Auf weitere Schulen und damit Klassenräume können wir zurzeit nicht verzichten. Insbesondere die Themen Inklusion und Integration stellen große Herausforderungen für die Schulen dar. Für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit werden auch vermehrt Räume gebraucht, zum Beispiel für Differenzierungen. Insgesamt ist aber der demografische Wandel deutlich erkennbar. Die Schülerzahl sinkt nach wie vor. Vor fünf Jahren hatten wir noch 43.000 Schüler, jetzt sind es 39.000. Der Prozess der abnehmenden Schülerzahlen wird nach derzeitiger Erkenntnis noch drei Jahre anhalten. Dann werden wir mit 36.000 Schülern zunächst eine relativ konstante Größe haben. Das liegt daran, dass die Zahl der Einschulungen seit Jahren stabil bleibt: Sie bewegt sich zwischen 2000 und 2200 Schülern. Das wird auch in den nächsten sechs Jahren so bleiben.

Mönchengladbach will wachsende Stadt sein. Macht sich das Wachstum nicht bemerkbar?

Weuthen Zurzeit bei den Geburtenzahlen nicht. Mögliche Zuzüge in neue Wohngebiete haben wir bei der Schulentwicklungsplanung berücksichtigt. Mit den Prognosen liegen wir meist richtig und sie werden von der Realität bestätigt. Das Thema wachsende Stadt ist sehr wichtig. Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, die Attraktivität unserer Stadt voranzubringen. Dazu gehört ein umfassendes, modernes Bildungssystem und zeitgemäße, offene Sport- und Freizeitflächen.

Führt die Zahl der Flüchtlingskinder nicht zu einem erheblichen Anstieg bei den Schülerzahlen?

Weuthen Es gibt aktuell 1136 Seiteneinsteiger an den Gladbacher Schulen. So bezeichnen wir Schüler aus EU- und Nicht-EU-Ländern, die ohne Deutschkenntnisse zu uns kommen. Davon gehen mehr als 550 in die Grundschulen, der Rest in die weiterführenden Schulen. Das sind etwa 2,5 Prozent der Schülerschaft und ist damit aktuell keine Größe, die unsere Schulentwicklungsplanung in Frage stellt. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass die Zahl weiter steigen wird. Gemeinsam mit der Schulaufsicht beobachten wir diese Entwicklung genau.

Auf welche weiterführenden Schulen gehen die Flüchtlingskinder?

Weuthen Die Verteilung erfolgt in Absprache mit den Schulen über die Schulaufsicht. Als Schulträger achten wir auf die Raumversorgung. Seit einigen Monaten nehmen alle Schulen Seiteneinsteiger auf. In den weiterführenden Schulen werden zwei Modelle umgesetzt: Entweder die jugendlichen Migranten kommen in Vorbereitungsklassen, lernen dort Deutsch und wechseln in die Regelklassen. Das praktiziert die auslaufende Katholische Hauptschule Stadtmitte erfolgreich. Oder die Schüler besuchen die Regelklassen und werden für die Deutschkurse herausgezogen. So macht das mit großem Einsatz die Realschule an der Niers. Alle Schulen meistern die Herausforderung sehr gut. Die Flüchtlingskinder stellen eine Belebung dar, sind sehr lernwillig und lernen oft sehr schnell Deutsch.

Was passiert mit den älteren Jugendlichen?

Weuthen Bis sie achtzehn sind, sind sie berufsschulpflichtig, wie deutsche Jugendliche auch. Die Beschulung an den Berufskollegs erfolgt in Internationalen Fachklassen. Das Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Technik praktiziert diesen Bildungsgang schon seit zwei Jahren sehr erfolgreich. Zwei Tage in der Woche ist Unterricht, an drei Tagen findet ein Praktikum im Betrieb statt. Insgesamt werden 100 Migranten an den Berufskollegs beschult und für alle wurden Praktikumsstellen gefunden. Das Handwerk und die Industrie ziehen mit.

Die Zahl der Schüler an den berufsbildenden Schulen geht seit Jahren zurück.

Weuthen Ja, wir beobachten, dass es einen Rückgang gibt. Für die Zukunft ist die Entwicklung schwer zu prognostizieren. Aber in einigen Bereichen ist der Rückgang erheblich. Das liegt auch an der Entwicklung in einzelnen Berufszweigen. Früher wurden zum Beispiel am Maria-Lenssen-Berufskolleg drei Klassen für Bäckereifachverkäuferinnen gebildet, jetzt ist es nur noch eine. Wir werden uns im Herbst die Struktur der Schullandschaft bei den Berufskollegs genauer ansehen.

Es gibt in Mönchengladbach noch immer sehr viele Jugendliche ohne Schulabschluss. Wie wollen Sie die hohen Zahlen in den Griff bekommen?

Weuthen Es gibt ein neues Programm der Landesregierung: Kein Abschluss ohne Anschluss. Mit allen Schülern der Jahrgangsstufe 8 wird eine sogenannten Potenzialanalyse durch zertifizierte Träger durchgeführt, um die Stärken im Hinblick auf die Lebens- und Arbeitswelt kennenzulernen. So soll die Berufs- und Studienorientierung erleichtert werden. Wir hoffen, dass die Schüler dadurch einen klareren Blick auf die Berufs- und Studienwelt bekommen.

Kommen wir zum Sport. Das Konzept für die Umgestaltung des RSV-Stadions und den Sportpark Rheydt hat politisch große Begeisterung ausgelöst. Der Knackpunkt des Ganzen waren die Bundesmittel. Gibt es hier etwas Neues?

Weuthen Es stehen insgesamt 110 Millionen Euro an Bundesmitteln für Sanierungen unter anderem im Sportbereich zur Verfügung. Die Bundesländer haben die Anträge gesichtet und mit einer Empfehlung an den Bund weitergeleitet. In NRW wurden insgesamt 170 Anträge eingereicht. Das Sportministerium hat bestätigt, dass wir eine sehr gute Bewerbung abgeliefert haben. Für die Umsetzung des Projektes wurden insgesamt 7,3 Millionen Euro veranschlagt, 90 Prozent davon würde der Bund übernehmen. Ob wir diesen Betrag bekommen, werden wir bald wissen. Wir warten tagtäglich auf eine Nachricht aus Berlin und sind guter Dinge, dass diese positiv sein wird. Das wäre dann in der Tat ein großer Wurf - eine moderne offene Sportanlage mit einem Multifunktionsgebäude und vielen Sport- und Freizeitmöglichkeiten in zentraler Lage.

Etwas Ähnliches ist jetzt auch mit der alten Radrennbahn geplant. Wie ist da der Stand der Dinge?

Weuthen Die Sportanlage wird in diesem Jahr auf jeden Fall mit einem Kunststoffrasen mit Flutlicht erneuert. Für die Gestaltung des Umfeldes haben wir 2,3 Millionen Euro Landesmittel beantragt. Insgesamt stehen 72 Millionen Euro zur Verfügung, aber das Programm wird mit Sicherheit überzeichnet sein, da viele Kommunen teilnehmen werden. Es ist schwer zu sagen, wie gut unsere Chancen sind. Die Entscheidung wird bis Ende März erwartet.

Es wird auch über ein Haus des Sports diskutiert. Wie stehen Sie dazu? Ein sinnvoller Vorschlag?

Weuthen Der demografische Wandel hat auch den Sport erreicht. Die Vereine brauchen eine größere Vielfalt ihres Sportangebotes und müssen verstärkt um Kinder- und Jugendliche werben. Dazu brauchen sie eine starke Dachorganisation wie den Stadtsportbund mit professionellen Strukturen, wie sie gerade in letzter Zeit geschaffen wurden. Die Idee eines gemeinsamen Ortes passt sehr gut in diese Neuausrichtung. Mit einem Haus des Sports müssen sich aber in erster Linie der Stadtsportbund und die Vereine beschäftigen. Ich glaube, das ist der richtige Weg.

ANDREAS GRUHN, ANGELA RIETDORF UND DIETER WEBER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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