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Mönchengladbach
Gute-Laune-Musik in virtuellen Räumen

Mönchengladbach. Kobie van Rensburg inszeniert mit Rossinis "Der Barbier von Sevilla" eine der beliebtesten Buffo-Komödien der Opernliteratur. Der südafrikanische Regisseur und seine Kollegen erklärten das Stück gestern bei einer Matinee. Von Dirk Richerdt

Dass eine so zungenbrecherisch komponierte Oper wie "Der Barbier von Sevilla" zum Publikumsliebling werden würde, hatte dem Komponisten Gioacchino Rossini nicht geschwant, als er im Dezember 1815 mit der Auftragsarbeit begann. Und dann hagelte es bei der Uraufführung am 20. Februar 1816 in Rom Pfiffe und Buhs -Fans des Kollegen Giovanni Paisiello, der das Libretto bereits vertont hatte, wussten mit Rossinis sprühend-spritzigen Melodien, raffinierten Rhythmen und frechem Spielwitz nicht viel anzufangen.

Nach 200 Jahren gehört der "Barbier" noch immer zu den beliebtesten klassischen Buffo-Opern. Am Samstag, 24. September, 19.30 Uhr, wird der Jubilar in einer Neuinszenierung Premiere im Theater feiern. Dass es eine Feier für Ohren wie Augen wird, daran hegen Kobie van Rensburg, der südafrikanische Erfolgsregisseur, Kapellmeister Andreas Fellner und Musikdramaturgin Ulrike Aistleitner keinen Zweifel.

In der Tat hat der 47-jährige Regisseur, nicht zuletzt dank seiner technisch brillant ausgestatteten Mozart-Inszenierungen, mit denen er am Niederrhein mit "Figaros Hochzeit" und "Don Giovanni" Furore machte, allen Grund zur Vorfreude. Das Krefelder Publikum war regelmäßig aus dem Häuschen und sorgte dafür, dass van Rensburg bei der Wahl zum Theater-Oscar der Rheinischen Post in der Spielzeit 2015/16 den Regie-Preis erhielt. An Rossini schätzt van Rensburg, der gestern zur Vorstellungs-Matinee erschienen war, "zum einen die Virtuosität, die er von den Sängern verlangt, zum andern den Umgang mit der Zeit auf der Bühne". "Rossinis Musik läuft präzise wie ein Uhrwerk", erläuterte er und sprach von "rauschhaftem Treiben". Der musikalische Leiter, Andreas Fellner, fügte hinzu: "Es geht auf der Bühne Schlag auf Schlag mit der Handlung. Ein paar Mal aber scheint die Zeit anzuhalten." Fellner schwärmt davon, wie es dem Meister des Belcanto gelungen sei, Bühnenfiguren musikalisch so zu zeichnen, dass das Publikum sehr gern Beziehung zu ihnen aufnimmt.

Bis zu sieben Darsteller agieren gleichzeitig auf der Bühne. "Das ist selbst für Leute, die gut Italienisch können, nicht zu verstehen", weiß der Regisseur. Um das zu gewährleisten, greift van Rensburg in seine virtuelle Trickkiste. Per Videotechnik werden nicht nur deutsche Übertitel während der Gesangsvorträge auf einen Blue Screen projiziert. "Wir nutzen diese von den Wetterfröschen im Fernsehen bekannte digitale Videotechnologie, um Darsteller in Echtzeit nah ans Publikum heranzurücken oder sie an mehreren Orten gleichzeitig zu zeigen", erläuterte van Rensburg. Damit spart das Theater Mittel beim Bühnenbild, intensiviert zugleich die mimischen Möglichkeiten bei den Sängern.

Gespannt dürfen wir also sein, wie der Starfriseur Sevillas, Figaro, mit Tricks und Intrigen es anstellt, dem jungen Grafen Almaviva Zugang zu seiner geliebten Rosina zu verschaffen. Das Mädchen, das eine gute Erbschaft gemacht hat, ist noch nicht volljährig, und so wacht ihr geldgieriger Vormund Bartolo eifersüchtig darüber, dass sein Mündel keine Männerbekanntschaften macht. Bartolos Plan, Rosina selbst zu heiraten, um an ihr Vermögen zu kommen, geht nicht auf. Am Ende werden Almaviva und Rosina ein Paar.

Mit drei famosen Live-Kostproben demonstrierten der spanische Gasttenor Juan Antonio Sanabria (Almaviva), Rafael Bruck (Bariton: Figaro) und Sophie Witte (Sopran: Rosina) eindrucksvoll, was van Rensburg zuvor mit "Gute-Laune-Musik" gemeint hatte.

Quelle: RP
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