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Serie Meine Ausbildung (12)
Handwerk und Hochschule verbinden

Serie Meine Ausbildung (12): Handwerk und Hochschule verbinden
In der Werkstatt der Tischlerei Klomp schneidet Daniel Münter aus dem Rohmaterial Bretter zurecht, um sie zu Möbeln zu verarbeiten. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Daniel Münter macht in der Tischlerei Klomp eine Ausbildung zum Tischler. Er ist aber kein normaler Lehrling. Der 19-Jährige absolviert ein triales Studium. Das gibt es erst seit einem Jahr. Nach seinem Abschluss wird er Meister und Bachelor sein. Von Christian Lingen

Eigentlich wollte Daniel Münter eine Ausbildung zum Bankkaufmann machen. Wenige Wochen vor Ausbildungsbeginn bekam er eine Absage. In der Berufsberatung erfuhr er vom trialen Studium. Die Kreishandwerkerschaft, die Handwerkskammer Düsseldorf und die Hochschule Niederrhein haben sich zusammengetan und bieten diese neue Form der Ausbildung seit dem Wintersemester an. Aktuell sind vier Gewerke am Pilotprojekt beteiligt. Daniel Münter ist einer der ersten zwölf Studenten. Im trialen Studium dauert seine Ausbildung in der Tischlerei Klomp fünf Jahre. Dafür ist Münter anschließend Meister und Bachelor.

Der Betrieb Die Tischlerei Klomp wurde im Jahr 1900 gegründet und beschäftigt 22 Angestellte, davon fünf Auszubildende. Der Platz für das neue Ausbildungsjahr ist bereits vergeben. Das Unternehmen kümmert sich um die komplette Innenarchitektur und ist Experte in Sachen Holz. In der Historie der Firma stehend, beschäftigt die Tischlerei auch noch einen Bestatter. Die Nachfrage nach Särgen war früher jedoch höher als heute. Der Anspruch hat sich geändert. Heute werden viele Möbel individuell gefertigt.

Die Bewerbung "Ich habe schon mit meinem Opa mit Holz gearbeitet. Das Material ist mir nicht fremd. Ich suchte einen Beruf, in dem man am Ende des Tages sehen kann, was man geleistet hat. Im Tischlerhandwerk kann man zudem kreativ sein", erzählt Daniel Münter. Der 19-Jährige hat ein Abitur mit Einserschnitt. Für eine normale Tischlerausbildung reicht aber auch ein Hauptschulabschluss. "Wichtig sind gute Noten in den Naturwissenschaften. Unsere Bewerber verbringen einige Probetage im Betrieb. Sie müssen einfach ins Team passen", sagt Hans-Wilhelm Klomp, Obermeister der Tischlerinnung. Das triale Studium kommt indes nur für höhere Abschlüsse infrage, denn die Ansprüche sind entsprechend schwieriger.

Die Ausbildung Die normale Tischlerausbildung dauert drei Jahre. Die Lehrlinge verbringen dabei rund die Hälfte der Zeit auf Baustellen und bei Kunden zuhause. "Mein erster größerer Auftrag, an dem ich mitwirkte, war der Ausbau eines Wintergartens. Vom Trockenbau bis zur Fertigstellung habe ich dort alles mitbekommen", erinnert sich Münter. Ein Rahmenplan gibt vor, wann die Lehrling was lernen. "Am Anfang lernt man Werkzeuge kennen und bedient kleine Maschinen. Dann werden die Aufgaben schwieriger", erzählt Hans-Wilhelm Klomp. Das ist auch im trialen Studium nicht anders. Aktuell arbeitet Daniel Münter drei Tage in der Woche im Betrieb, lernt zwei Tage am Berufskolleg am Platz der Republik und studiert einen Tag an der Hochschule Niederrhein Handwerksmanagement. Hans-Wilhelm Klomp gehörte zu den Initiatoren. "Die Berufe werden komplexer und qualifizierte Nachwuchskräfte immer wichtiger. Die trialen Studenten werden nach der Ausbildung Betriebe übernehmen und alles ganzheitlich überblicken können", erklärt Klomp. Daniel Münter bekommt im Studium Einblicke in die Bereiche Sanitär, Heizung und Klima, Metallbau und Maurer. Wenn in den kommenden Jahren Betriebe zur Übernahme angeboten werden, wird er gute Chancen haben. Dafür ist die Ausbildung komplexer.

Die Berufsschule Aktuell geht Daniel Münter zwei Tage in der Woche zum Berufskolleg am Platz der Republik. Dort lernt er alles rund um Planung, Holztechnik, Baustoffe und Verarbeitung. Die Zeit in der Berufsschule ist in der normalen Ausbildung und im trialen Studium identisch. Im neuen Modell kommt ein Tag an der Hochschule hinzu. Der findet immer samstags statt. Je nach Inhalt der Module können es jedoch auch mehr Tage sein. Von den Betrieben ist daher Flexibilität gefordert.

Die Zukunft Der Trend zu individuellen Möbeln führt dazu, dass der Bedarf an jungen Tischlern steigt. Nach einer normalen Ausbildung kann man den Meister machen. Im trialen Studium ist der bereits enthalten. Der Bachelor liefert dazu noch einen akademischen Abschluss.

Quelle: RP
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