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Serie Was Macht Eigentlich?
Harte Arbeit und einige Liebhabereien

Serie Was Macht Eigentlich?: Harte Arbeit und einige Liebhabereien
Eimol Prinz zo sin: Der Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen, und das gleich in zwei Sessionen. Auch seine Frau Helga hat Spaß daran gefunden. FOTO: Tressat
Mönchengladbach. Handwerk, Karneval, Pferdezucht, Reitsport, Politik: Wolfgang Oertel bringt dies alles unter einen Hut. Der 71-Jährige lässt sich nicht aus der Spur bringen - auch nicht durch den Golfkrieg 1991 von der Erfüllung seines Traums, Karnevalsprinz zu sein. Von O. E. Schütz

"Eimol Prinz zo sin": Wicky Junggeburth hat den Traum längst nicht nur manches Kölner Narren 1995 in einem Lied besungen, das bis heute ein Hit ist. Für Wolfgang Oertel hatte sich der Traum vom Karnevalsprinzen schon vier Jahre vorher erfüllt. Zuerst gegen den Widerstand seiner Frau Helga und dann mit ihr, aber mit Verzögerung und auch Verlängerung, weil 1991 der Golfkrieg um Kuwait dazwischen kam und der Straßenkarneval im Rheinland mitten in der Session auf das folgende Jahr vertagt wurde.

Wolfgang Oertel, Jahrgang 1944, ist ein bisschen jeck, aber kein Narr. Sondern ein Mann, der Träume hat wie den vom Karnevalsprinzen oder auch von der Kommunalpolitik. Der aber mit beiden Beinen auf dem Boden und mitten im Leben steht. Der sich hochgearbeitet hat vom frühen Halbwaisen zum erfolgreichen Unternehmer als Gas- und Wasserinstallateur, Heizungsbauer und Klimatechniker. Und dann auch noch zum "Gutsherren" auf dem Kappelshof in Wanlo, wo neben den Autos seines Installateurbetriebs die Pferdetransporter parken. Denn Wolfgang Oertel ist nicht mehr nur Chef eines Handwerkbetriebs, sondern mit seiner Frau, der gelernten Bürokauffrau, auch eines ebenfalls recht erfolgreichen Zucht- und Ausbildungsstalls und Pensionsbetriebs für Pferde: Gut Kappelshof GbR. In dem Tochter Nina Oertel-Speis in der praktischen und sportlichen Arbeit den Weg weist.

Der Vater ist ein handfester und umgänglicher Mensch, der sich aber auch durchzusetzen weiß im Geschäft. Und - wie oft, das bleibt in der Familie - bei seiner Frau, etwa bei der Erfüllung seines Traums vom Karnevalsprinzen. Sie war eigentlich strikt dagegen. "Nie im Leben, habe ich gesagt, als Rolf Göttel, Bernd Gothe und Dieter Beines mit diesem Plan kamen." Doch sie gab sich geschlagen, als 1990 zur Silberhochzeit jeder einen Wunsch nennen durfte, der, so die Übereinkunft, dann auch erfüllt werden musste. Helga Oertel hatte ebenfalls einen Traum: "Eine Kreuzfahrt."

Mit dem ihres Mannes ("Karnevalsprinz") hatte sie nicht mehr gerechnet. Doch versprochen ist nun mal versprochen. Dass sie, Prinzessin Niersia XLVI. Helga, dann gleich eineinhalb Sessionen durchstehen musste - geschenkt. Denn als Anfang 1991 der Golfkrieg nach der Eroberung Kuwaits durch den Iran dazwischen kam und der Karneval weitgehend ausfiel beziehungsweise auf das nächste Jahr vertagt wurde, hatte sie schon soviel Spaß am "närrischen" Auftritt gefunden, dass sie ohne Murren noch einmal mit ihrem Mann antrat. Und sich bald darauf gar als Schatzmeisterin des Mönchengladbacher "Prinzenclub" anwerben ließ - schon zwei Jahre, bevor Wolfgang Oertel den Vorsitz übernahm, den er 18 Jahre bis 2013 innehatte - neben den vielen Jahren, die er ein sehr aktiver Geschäftsführer des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes war.

Auf die Erfüllung ihres Wunsches zur Silberhochzeit, die Kreuzfahrt, musste Helga Oertel allerdings ein paar Jahre warten, weil die Firma keine Zeit ließ. "Aber wir sind dann zu richtigen Kreuzfahrt-Fans geworden, haben schon viele mitgemacht und sehr viel von der Welt gesehen, bis nach Südafrika und die Karibik. Und freut sich auf die nächste: "Die geht direkt nach Karneval zum zweiten Mal nach Namibia." Inzwischen haben die beiden Goldhochzeit gefeiert - zu zweit bei einer Reise nach Kuba. "Große Feste brauchen wir nicht mehr. Da haben wir in unzähligen schon halb Gladbach aus unserem Gutshof gehabt."

Es ist ein Leben, von dem Wolfgang Oertel nicht zu träumen gewagt hätte, als er nach dem Krieg in Düsseldorf aufwuchs. Der Vater, Metzgermeister mit einem kleinen Geschäft in Bilk, starb, als der Sohn sieben war. "Das Geschäft war weg. Ich habe erlebt, wie hart meine Mutter arbeiten musste, um meine Schwester und mich über die Runden zu bringen", erzählt er. Da war ihm klar, dass er nach der Volksschule seinen Teil zum Einkommen der Familie beitragen, etwas Solides lernen musste. "Ich wollte eigentlich Radio- und Fernsehtechniker werden. Doch als ich mit meiner Mutter bei der Berufsberatung war, hat man uns eine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur empfohlen. Es war zwar nicht mein Wunschberuf, aber ich habe ihn bald lieben gelernt - und es ist ja was daraus geworden", sagt er stolz: "Die Firma läuft sehr gut, wir sind an vielen großen Projekten in der Stadt beteiligt." Sohn Jörg, inzwischen 48, ist in seine Fußstapfen getreten mit einem eigenen Installateurbetrieb - ebenfalls erfolgreich. Der Senior will seine Firma weiterführen "so lange die Gesundheit mitspielt". Und er mit seinen beiden künstlichen Kniegelenken weiter so klarkommt wie bislang.

Die Zahl seiner Ehrenämter hat er reduziert. Die als Obermeister der Installateurinnung und als stellvertretender Kreishandwerksmeister. Die im Karneval und vorher schon sein Engagement in der Kommunalpolitik. "Durch Michael Schroeren bin ich zur CDU gekommen. Und dann wuchs die Idee heran zu versuchen, in den Stadtrat zu kommen, etwas zu bewegen." Acht Jahre war er in der Bezirksvertretung Wickrath, fünf Jahre, von 1999 bis 2004, im Stadtrat. Sein Schwerpunkt dort: Baupolitik. Aber er wollte sich auch in einem ganz anderen Bereich engagieren, ging in den Gladbacher Integrationsrat, war Stellvertreter der Vorsitzenden Gülistan Yüksel, der heutigen SPD-Bundestagsabgeordneten. "Es war eine interessante Aufgabe, bei der ich Leute aus anderen Schichten kennengelernt, wichtige Erfahrungen gewonnen, Einladungen in Moscheen angenommen, wichtige Erfahrungen gewonnen und meine Einstellung zu manchem verändert habe", sagt Oertel.

2004 machte er Schluss, kandidierte nicht erneut: "Ich habe gemerkt, dass mir als Späteinsteiger die Verbindungen in der Politik fehlten, die man braucht, um sich, auch auf lokaler Ebene, durchzusetzen."

Quelle: RP
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