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Mönchengladbach
Hartz-IV-Empfänger mit geringen Jobchancen

Mönchengladbach. Arbeitslose in Mönchengladbach, die langzeitarbeitslos sind und nach dem Sozialhilferecht Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") bekommen, haben deutlich schlechtere Chancen auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt als Arbeitslose, die aufgrund ihrer Arbeitslosenversicherung Arbeitslosengeld beziehen. Das zeigt der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen, zu der auch der Caritasverband für das Bistum Aachen gehört.

Demnach hat in Gladbach im Jahr 2015 monatlich nur jeder 33. Langzeitarbeitslose eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle gefunden. Landesweit war es jeder 37. Langzeitarbeitslose. Arbeitslose aus der Arbeitslosenversicherung in Gladbach hatten da deutlich bessere Chancen. In der Stadt fand 2015 monatlich etwa jeder achte Arbeitslose eine Arbeit oder eine Ausbildung. Damit liegt Mönchengladbach voll im Landestrend (jeder achte Arbeitslose). Bei den wenigen Langzeitarbeitslosen, die in der Stadt eine Arbeit fanden, dauerte die Arbeitssuche zudem dreimal so lange wie bei den Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung. "Die Zahlen belegen, dass Arbeitslose, die dem Sozialhilferecht unterliegen, deutlich schlechtere Eingliederungschancen in den Arbeitsmarkt haben. Deshalb brauchen wir auch in der Stadt Mönchengladbach eine offensive Diskussion, wie wir es schaffen, besonders benachteiligte Arbeitslose nicht von Teilhabe auszuschließen", sagt der Aachener Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders. "Für sie brauchen wir längerfristige Angebote öffentlich geförderter Beschäftigung, am besten in Form von bezuschussten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Das verstehen wir unter einem sozialen Arbeitsmarkt", führt Schröders weiter aus.

Der Arbeitslosenreport stellt zudem fest: Wenn Arbeitslose ihre Arbeitslosigkeit beenden, heißt das zumeist nicht, dass sie tatsächlich eine Arbeit gefunden haben. In Gladbach hat demnach im Mai 2016 nicht einmal die Hälfte (45 Prozent) der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung, die ihre Arbeitslosigkeit beendeten, eine reguläre Arbeit aufgenommen oder sich selbstständig gemacht. Arbeitslose im Hartz-IV-System haben es noch schwerer. Von denen, die ihre Arbeitslosigkeit beendeten, schafften in Gladbach nur 16 Prozent den Sprung in Arbeit oder Selbstständigkeit. Im Hartz-IV-System ist die Teilnahme an Fördermaßnahmen des Jobcenters und die Nichterwerbstätigkeit zum Beispiel wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen ein wesentlich häufigerer Abgangsgrund aus Arbeitslosigkeit (30 Prozent beziehungsweise 45 Prozent, bezogen auf die Stadt Mönchengladbach).

Und noch eins fällt im aktuellen Arbeitslosenreport der Wohlfahrtspflege NRW auf. 39,2 Prozent der Arbeitnehmer und Selbstständigen in Mönchengladbach, die arbeitslos werden, erhalten nicht mehr das am letzten Einkommen bemessene Arbeitslosengeld, sondern fallen direkt in den Hartz-IV-Bezug. "Die Gründe hierfür sind zum einen kurzfristige Jobs, weshalb die Betroffenen nicht lange genug in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Zum anderen kann das Arbeitslosengeld bei einem sehr niedrigen vorherigen Einkommen auch den Hartz-IV-Satz unterschreiten. Dann wird das Arbeitslosengeld mit Leistungen aus der Grundsicherung aufgestockt", sagt Roman Schlag, beim Caritasverband für das Bistum Aachen zuständig für Arbeitslosenfragen.

"Die Arbeitslosenversicherung verliert für viele Erwerbstätige ihre Schutzfunktion" sagt Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders. Um ein weiteres Erodieren zu verhindern, sei die Politik gefordert, die Zugangsmöglichkeiten, zum Beispiel durch eine Ausweitung der Rahmenfrist in der Arbeitslosenversicherung, zu erleichtern.

Quelle: RP
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