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Mönchengladbach
Hauptschule muss kein Stigma sein

Mönchengladbach: Hauptschule muss kein Stigma sein
Auch der Wunsch von Gardeur-Chef Gerhard Kränzle (li.), etwas für Hauptschüler zu tun, führte zu dem Projekt. FOTO: Baum
Mönchengladbach. Die "Soft-Skills-Akademie" startet zum Jahreswechsel und will alle Mönchengladbacher Hauptschulen erreichen. Von Angela Rietdorf

Das Pilotprojekt war ausgesprochen erfolgreich: Mehr als 40 Schüler der Gemeinschaftshauptschule Dohr durchliefen ein dreitägiges Trainingsprogramm beim Hosenproduzenten Atelier Gardeur. Die Mitarbeiter der Personalabteilung, aber auch Geschäftsführer Gerhard Kränzle selbst, nahmen sich Zeit für die Neuntklässler, zeigten ihnen, worauf es in Unternehmen ankommt, erzählten aus dem Berufsalltag und trainierten mit ihnen Bewerbungsgespräche.

Nach den drei Tagen bei Gardeur war die Begeisterung bei den Schülern groß. Sie hatten nicht nur viel über ihre eigenen Stärken und Schwächen gelernt, sondern sich auch wertgeschätzt gefühlt. Eine Schülerin formulierte das so: "Ich habe erfahren, dass ich auch als Hauptschülerin etwas wert bin." Für drei der Schüler kam noch mehr bei dem Training heraus: Sie machen jetzt ein Langzeitpraktikum bei dem Gladbacher Traditionsunternehmen.

Damit ist ein doppeltes Ziel erreicht: Es werden Fähigkeiten vermittelt, aber Unternehmen und Hauptschüler lernen sich auch gegenseitig kennen und schätzen. "Für viele Hauptschüler ist Wertschätzung von Unternehmensseite tatsächlich ein völlig neues Erlebnis", sagt Susanne Feldges von der Stiftung MGconnect, einem der Projektpartner. "Dabei ist es so wichtig, die gefühlte Stigmatisierung der Hauptschüler zu beenden."

Dass es zu dem Pilotprojekt bei Gardeur kam, ist gleich zwei glücklichen Umständen geschuldet: Einerseits wandte sich Gardeur-Chef Gerhard Kränzle an MGconnect - mit dem ausgesprochenen Wunsch, etwas für Hauptschüler zu tun. Andererseits kam Marion Thorissen, Lehrerin an der Gemeinschaftshauptschule Dohr, auf die Stiftung zu, um Unterstützung für das Bewerbungstraining der Schule zu finden, das nicht mehr aus Landesmitteln finanziert werden kann. "Wir haben in der Stiftung kein Geld, aber wir haben gute Beziehungen", sagt Susanne Feldges. So wurden das Unternehmen Gardeur und die Hauptschule Dohr zusammen gebracht.

Und weil das so gut funktioniert hat, will man genau hier weiter machen, andere Unternehmen für ähnliche Angebote gewinnen und auch alle anderen Hauptschulen in der Stadt mit ins Boot holen. Das Ziel: Alle Mönchengladbacher Hauptschüler sollen in der neunten Klasse dieses "Soft-Skills-Training" durchlaufen. Das Ganze läuft unter der Überschrift "Soft-Skills-Akademie Mönchengladbach" und startet bereits zum Jahreswechsel.

Weitere Unternehmen haben schon ihre Teilnahme zugesagt - dazu gehören unter anderem Effertz Tore, die KBS Akademie für Gesundheitsberufe und die hiesige Kreishandwerkerschaft. Schließlich hat auch die Wirtschaft ein originäres Interesse an ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen.

In einigen technischen Ausbildungsberufen und im Handwerk droht bereits ein Mangel an Ausbildungskräften. Gleichzeitig bleibt jedoch die Zahl unversorgter Jugendlicher in Mönchengladbach konstant hoch. Mit der Soft-Skills-Akademie hofft man, ein Werkzeug gefunden zu haben, das Schüler und Wirtschaft aufeinander aufmerksam macht und miteinander in Kontakt bringt. Getragen wird das Projekt vom MGconnect-Team der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach und der Agentur für Arbeit.

Quelle: RP
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