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Mönchengladbach
Heavytones auch ohne Stefan Raab ein Erlebnis

Mönchengladbach. Lieder voller Feuer und überraschender Komplexität - ein Abend mit einer Band, die eine Verwandlung erlebt. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Funkiger Sound, gespickt mit ordentlich Blech, starken Percussions, packendem Rhythmus, allem was dazugehört, von vorne bis hinten darauf ausgelegt, dem Zuschauer zu signalisieren: Jetzt kommt Fernsehen Total, ohne Kompromisse. TV Total.

Die Heavytones sind mit ihrer wohl gefügten Mixtur aus gefälligem Mainstream und knackigem Klang-Thrill zweifelsohne in das kollektive Bewusstsein einer ganzen Generation übergegangen. Ihre Musik - die, wie nur wenige Bands zeitlos eingängige Muster aufweist - ist aber doch viel mehr, als sie scheinen mag, reduzierte man sie eben nicht auf ihre Sozialisation als Showband. Obzwar sehr viel dazu gehört, über mehr als eine Dekade den musikalischen Rahmen für eine derartige Größe wie Stefan Raab zu gestalten, bleibt es indes nicht ohne Spuren - in vielerlei Hinsicht. Doch leben die Heavytones auch nach dem Ende von "TV Total" und co. weiter. Fine Art Jazz, immer auf der Suche nach jazzigen Leckerbissen auch abseits abgetretener Szenenpfade, lud die acht Musiker nun auch nach Mönchengladbach. Dabei erwies sich, das Konzert im TIG stattfinden zu lassen, als absoluter Glücksgriff, denn die kritische Masse an musikalischem Spaltmaterial lässt sich dort bei gut 200 Gästen besser erreichen als in der KFH. Die Kettenreaktion nahm ihren Lauf.

Schallstark bewiesen Wolfgang Norman Dalheimer (Keyboards), Hanno Busch (Gitarre), Krischan Frehse am Bass, Alfonso Garrido (Percussion), an den Drums Herb Jösch, Thorsten Skringer, Saxophon, Rüdiger Baldauf (Trompete) und der Posaunist Max von Einem, von Anbeginn an, dass sie Feuer haben. Die eigenen Kompositionen, auch von ihrem aktuellen Album "Songs that didn't make it to the show" atmeten zwar ihren allseits bekannten Geist, doch es ist verständlich, dass man die Erwartungen bedienen will. Fast alle Songs strahlen packenden Drive aus. Hinter der immer noch spürbaren - hypothetischen - Raab-Soße, die man hin und wieder gerne auch weglassen könnte, versteckt sich eine perfekt aufeinander abgestimmter, vor allem aber in so manche musikalische Höhe und Komplexität emporsteigender Organismus. Soli gelingen mitreißend, kunstvoll und sprechend für die instrumentale Qualität. Dialoge knüpfen lodernd-musikalische Brücken.

Wenn sie sich von ihrem Standard-Sound lösen, überraschen sie, blühen auf, sind noch mehr bei sich. Eine Band die eine Verwandlung durchlebt. Und die Verwandlung entblättert einen sehr wertvollen Kern. Es geht ihnen nur um Musik, nur um diese innere Energie - deshalb sind ihnen die Titel der Songs gar nicht so wichtig, wie sie in den charmanten Zwischenmoderationen betonten. Wozu dann darüber sprechen. Die kleinen Anekdoten aus ihrer TV-Total-Zeit waren jedoch willkommene Akzente.

Standing Ovations und zündender Erfolg war ihnen sicher.

Quelle: RP
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