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Mönchengladbach
Helfen macht Freude: Tafel feiert 20-Jähriges

Mönchengladbach. Groß wie ein mittelständisches Unternehmen: Doch die Tafel arbeitet nur mit Ehrenamtlichen. Sie versorgen etwa 380 Familien pro Tag. Von Marion Lisken-Pruss

Was vor 20 Jahren als kleines Projekt an den Start ging, hat sich zu einer festen Institution entwickelt, die in Mönchengladbach nicht mehr wegzudenken ist: die Mönchengladbacher Tafel. "Wir sind inzwischen mit einem mittelständischen Betrieb vergleichbar", sagt Vorsitzende Monika Bartsch. Mit einem gravierenden Unterschied - alle Helfer arbeiten ehrenamtlich. Dazu zählen Mitarbeiter im Büro ebenso wie Helfer, die Lebensmittel mit dem Lkw abholen, sortieren und ausgeben. Bei den rund 100 Ehrenamtlichen bedankte sich die Tafel am Sonntag mit einem Sommerfest in der Hensen Brauerei in Waldhausen. Brauerei-Pächter Jürgen Goertz hatte den Verein gemeinsam mit Norbert Kamps, dem Inhaber der Brauerei, zum 20-jährigen Bestehen eingeladen. "Ihr alle habt Großartiges geleistet", gab Monika Bartsch den Ehrenamtlichen mit auf den Weg.

So wie Franz Ungerechts (68), der sich seit 14 Jahren für die Tafel einsetzt. Zunächst sortierte er Gemüse, bis er Beifahrer und schließlich Fahrer in einem der Kühltransporter wurde. Mittlerweile ist er Mitglied im Vorstand und dort zuständig für das Versicherungs- und Schadensmanagement. Damit sei er einen Tag pro Woche ausgelastet, schätzt er. Was ihm aber auch Spaß macht: "Es ist beruhigend, etwas Gutes für die Allgemeinheit zu tun", fügt er hinzu. Auch Monika Bartsch fuhr zunächst bei Lkw-Touren mit, bevor sie 2007 zur Vorsitzenden aufstieg. "Dass ich mich bei der Tafel engagiere, hatte ich schon geplant, als ich noch Oberbürgermeisterin war", erinnert sie sich. Hans Conrads wiederum arbeitet als Sponsorenbetreuer: "Wenn wir merken, dass Lebensmittelspenden zurückgehen, erkundigen wir uns vor Ort nach den Gründen. Schließlich kann es ja sein, dass die Ursache dafür bei uns liegt", erläutert er.

Angefangen hatte alles in zweieinhalb Zimmern an der Badenstraße in Eicken, von wo aus die Tafel ab 1996 rund 60 bedürftige Familien versorgte. 2004 erfolgte dann der Umzug in den Fleenerweg. "Damals kamen rund 150 Familien pro Tag zu uns", erinnert sich Monika Bartsch. Aktuell sind es bis zu 380 Familien pro Tag. Die Kunden bezahlen einen Euro im Monat und können dann einmal in der Woche Lebensmittel abholen. Die Gründe, warum die Zahl der bedürftigen Familien in den letzten zehn Jahren so drastisch angewachsen ist, führt die Vorsitzende nicht nur auf die steigende Zahl der Asylbewerber zurück: Heute seien in Mönchengladbach mehr Menschen arbeitslos als noch vor zehn Jahren, sagt sie. Und: Ein Drittel der Personen, die die Tafel versorgt, sind Rentner, die von ihrer Rente nicht leben können. Ein weiteres Drittel der unterstützten Personen sind Kinder. Damit liegt die Mönchengladbacher Tafel im bundesweiten Trend.

Hier sieht Monika Bartsch bei aller Tragik auch eine positive Auswirkung der Tafel: "Wenn die Eltern bei uns Geld für Lebensmittel sparen, können sie dafür mit den Kindern in das Schwimmbad gehen", hofft sie. Zu den Kunden zählen neben Familien oder Einzelpersonen auch rund 35 soziale Einrichtungen wie die Aidshilfe, Frauenhäuser oder Jugendzentren.

Die Räume im Fleenerweg stehen dem Verein jedoch nicht mehr lange zur Verfügung. "Das Gelände wird seitens der Stadt überplant, und wir müssen uns nach einer anderen Örtlichkeit umschauen", sagt die Vorsitzende. Mit dem ehemaligen Ausweichtheater im Nordpark (TiN) hat sie schon einen Standort ins Auge gefasst. Mit der Stadt steht sie diesbezüglich bereits in Verhandlungen. Sie hofft auf einen langfristigen Mietvertrag, da die etwa 700 Quadratmeter große Halle aufwendig für die Belange der Tafel umgebaut werden müsste: in ein Büro, einen Lagerraum für die Lebensmittel, einen Sozialraum und Warteraum für die Kunden. Umbau und Umzug lasten schwer auf ihrer Seele: "Da kommen hohe Kosten auf uns zu, die wir erst mal stemmen müssen", sagt Bartsch. Sie hofft auf ein Entgegenkommen der Stadt und darauf, dass sich zahlreiche Spender finden werden.

Aber die ehemalige Oberbürgermeisterin zeigt sich zuversichtlich: "Das ist zwar eine große Herausforderung für den Vorstand. Aber wir werden das schon wuppen." Derzeit gibt es bundesweit mehr als 900 Tafeln, die regelmäßig über 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen.

Quelle: RP
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