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Hells Angels in Mönchengladbach
Kodex der Rocker-Fehde: Keiner redet mit der Polizei

SEK-Einsatz wegen Kutte bei Hells Angels
SEK-Einsatz wegen Kutte bei Hells Angels FOTO: Sascha Rixkens
Mönchengladbach. Einem Rocker die Kutte zu stehlen, gilt als größte Demütigung. Genau das ist einem Mitglied von MC Gremium am Sonntag widerfahren. Er wurde von zehn bis 20 Hells Angels überfallen und verprügelt. Die Polizei rief das SEK. Die Ermittlungen sind schwierig, denn die Rocker schweigen - auch das Opfer.  Von Gabi Peters

Zeugen haben am Sonntag die Polizei alarmiert. Sie hielten sich in einer Gaststätte an der Hofstraße auf, als gegen 13 Uhr zehn bis 20 Hells Angels hereingestürmt und unvermittelt auf ein Mitglied der Rockergang MC Gremium Heinsberg geschlagen haben sollen. Anschließend raubten sie ihrem Opfer die Kutte und verschwanden. Das verletzte 44 Jahre Gremium-Mitglied wurde anschließend in einem Krankenhaus ambulant behandelt.

Hells Angels fahren durch Mönchengladbach FOTO: Detlef Ilgner

Am frühen Abend durchsuchte die Polizei mit einem Spezialeinsatzkommando (SEK) ein Eigenheim in Odenkirchen, in dem Ramin Y., Chef der Hells Angels MG-City, nach eigenen Angaben mit einem weiteren Rockermitglied in einer Wohngemeinschaft lebt. Zum Zeitpunkt der Razzia befanden sich zwölf Menschen in dem Haus. Festnahmen gab es keine, es wurde laut Polizei auch nichts sichergestellt. Die Einsatzkräfte waren vor allen Dingen auf der Suche nach der gestohlenen Kutte. Da in der Rockerszene ein eisernes Gesetz gilt - "Keiner redet mit der Polizei" - hätte die Lederweste des MC-Gremium-Mitglieds ein Täterhinweis sein können. Aber die Kutte wurde nicht gefunden. "Vor uns steht jetzt eine langwierige Ermittlungsarbeit", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen.

Wie der Düsseldorfer Anwalt von Ramin Y., Wolf Bonn, betonte, handelt es sich um ein Verfahren gegen Unbekannt. Das gehe aus dem Durchsuchungsbeschluss hervor. "Dort wird namentlich kein Hells Angels erwähnt", sagt er. Weil die Mönchengladbacher Rocker nichts zu verbergen hätten, seien sie bei der Durchsuchung durchaus zur Kooperation bereit gewesen. Aber die Polizei hätte das Gebiet um das Odenkirchener Wohnhaus weiträumig abgesperrt. Absprachegemäß hatten die Rocker das Haus verlassen, gleichwohl seien sie von der Polizei fixiert und von bewaffneten SEK-Beamten bewacht worden. "Ramin Y. nimmt an, dass die Polizei das bisherige sehr gute nachbarschaftliche Verhältnis zerstören will", sagt Bonn. Die Polizei habe im Haus von Ramin Y. nichts Verfahrensrelevantes gefunden.

Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten FOTO: dpa

Die Hells Angels und MC Gremium sind verfeindete Clubs. Einem Rocker die Kutte zu stehlen, gilt als eine der größten Demütigungen, die ihm widerfahren kann. Wird die Kutte dann noch verbrannt und ein Film davon ins Internet gestellt, kommt das einer offenen Kriegserklärung gleich. "Nach jetzigem Stand gehen wir aber nicht davon aus, dass in der Stadt zu einem Rockerkrieg kommt", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Dennoch versuche die Polizei, alles im Blick zu haben.

Bei einer Messerstecherei zwischen den Rockerclubs Hells Angels und Bandidos in der Mönchengladbacher Altstadt waren im Januar 2012 vier Menschen verletzt worden. Augenzeugen hatten damals von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" gesprochen. Am Alten Markt hatte sich eine größere Gruppe Bandidos versammelt, die geschlossen zu einer Diskothek zog, wo sie auf Hells Angels stießen. Dann eskalierte die Situation, und es kam zur Massenschlägerei. Die Polizei forderte Unterstützung von umliegenden Behörden an.

In den folgenden Monaten gab es Großrazzien in 19 Städten. Immer mit dabei Spezialeinsatzkräfte (SEK). Bei den Durchsuchungen stießen die Beamten auf etliche Zufallsfunde. 32 neue Verfahren wurden eingeleitet, angefangen beim Verdacht auf Menschenhandel bis hin zu unerlaubten Waffenbesitz und Drogenhandel.

Niederlande: Großrazzia und Festnahmen gegen Bandidos-Rocker FOTO: afp, bart
Quelle: RP
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