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Mönchengladbach
"Herr Hommen, das Klo ist verstopft!"

Mönchengladbach: "Herr Hommen, das Klo ist verstopft!"
Die Spielgeräte auf dem Außengelände der Schule zu reparieren, ist nur eine der vielen Aufgaben von Karl Hommen. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Sechs Wochen Schulferien hat Karl Hommen genossen. Dabei hatte der Schulhausmeister gar nicht so lange frei. Er reparierte Stühle, verputzte Wände und reinigte Schächte. Jetzt freut er sich auf die Rückkehr "seiner" 280 Kinder. Von Gabi Peters

Eigentlich ist Karl Hommen Schulhausmeister an der katholischen Grundschule Venn. Aber wenn andere sich erholen, hat der 56-Jährige in den Sommerferien gleich mehrere Arbeitsplätze. Er muss zu täglichen Kontroll- und Schließgängen in zwei bis drei weitere Schulen. Der 56-Jährige guckt nach, ob keiner eingebrochen oder etwas beschädigt hat.

Sommerferien - das heißt für Karl Hommen keineswegs sechs Wochen Müßiggang. Für ihn bedeutet das drei bis dreieinhalb Wochen lang jede Menge Arbeit. Stühle müssen repariert, Wände verputzt, Möbel gesäubert, Schächte gereinigt, Spielgeräte kontrolliert werden, und, und, und. 230 Quadratmeter Schulfläche und 4000 bis 5000 Quadratmeter Außenbereich gilt es zu pflegen.

Erholung sieht eigentlich anders aus. Aber immerhin hatte Karl Hommen in den vergangenen Wochen keine 280 Kinder um sich, die ihm zwischen den Beinen herumliefen. Und auch sein täglich anderthalbstündiger Bereitschaftsdienst, den er laut Arbeitsvertrag "im halbwachen Zustand der Entspannung an seinem Arbeitsplatz verbringen soll", wurde nicht durch Sätze wie "Herr Hommen, das Klo ist verstopft!" unterbrochen.

Den täglichen Schulbetrieb mit den 280 mal mehr und mal weniger temperamentvollen Kindern vergleicht Karl Hommen gerne mit einem Wecker. "Wenn man ihn aufzieht, ist er im Vollbetrieb, aber irgendwann ist er auch mal abgelaufen."

Jetzt ist der Wecker aufgezogen und Karl Hommen freut sich auf "seine" 280 Kinder, die heute zurückkehren. Ihr Lachen, ihre Freundlichkeit - all das hat er vermisst. Der Schulhausmeister scheint sehr beliebt zu sein. In seinem "Fischaquarium", so nennt er sein Büro im Eingangsbereich, gibt es jede Menge Zeichnungen, die die Kinder für ihn gemalt haben.

Und egal, wo der 56-Jährige sich auch aufhält, er wird immer erkannt und angesprochen. Kein Wunder, Karl Hommen ist seit 27 Jahren an der katholischen Grundschule Venn. Manche Kinder von damals bringen heute ihre eigenen Töchter und Söhne zur Schule. "Selbst als ich mal auf dem Weihnachtsmarkt in Münster war, rief ein Kind hinter mir: ,Guck mal, das ist doch unser Herr Hommen!'"

Schulhausmeister war eigentlich nicht der Traumberuf des heute 56-Jährigen. "Als ich mit 14 Jahren von der Schule kam, habe ich erst einmal Straßenpflasterer gelernt", berichtet er. Elf Jahre arbeitete er in dem Beruf, zuletzt als Straßenunterhaltungsarbeiter bei der Stadt Mönchengladbach. Dann wollte sich Karl Hommen räumlich und beruflich verändern. "Ich hatte es im Kreuz und war alleinerziehend. Da wurde die Stelle als Schulhausmeister frei", berichtet er. Damals gehörte zu dem Job noch eine Dienstwohnung. Ideal für Karl Hommen. Sein Sohn war damals sieben Jahre alt, konnte auf die Venner Grundschule gehen und war so immer in seiner Nähe.

"Hausarbeiten habe ich immer gemocht. Und ich gehe gerne mit Kindern um", sagt Hommen. Er hat es nie bereut, Schulhausmeister zu werden. "Obwohl ich sehr viel später auch festgestellt habe, dass ich sehr gut singen kann", sagt Hommen. Mit seinem Job, der täglich um 7 Uhr beginnt und zwischen 17 und 17.30 Uhr endet, hat der 56-Jährige noch keine Zeit, in einen Gesangsverein zu gehen. Aber wenn er im Ruhestand ist, werde er das auf jeden Fall tun, sagt er.

Aber bis dahin wird Hommen noch viel Zeit mit "seinen" Kindern verbringen, sich mit ihnen freuen und sich manchmal auch über sie ärgern. "Wir durften früher noch nicht einmal mit selbstgebastelten Papierbällen auf dem Schulhof spielen, heute schießen sie dir manchmal einen Fußball direkt an den Kopf", sagt der Hausmeister. Respekt und Werte - das werde heute bei vielen nicht mehr so groß geschrieben. Über manche kessen Sprüche muss Hommen aber doch lächeln. "Als ich einmal mit einem Löffel und einer Schubkarre über das Schulgelände fuhr, weil ich etwas Kleines ausheben musste, fragte mich ein Junge, wofür ich das brauche. Ich sagte, ich muss die Schule reparieren. Daraufhin drehte sich der Knirps kopfschüttelnd um und sagte: ,Pfft, mit einem Löffel die Schule reparieren!'"

Auch auf solche Anekdoten freut sich Karl Hommen.

Quelle: RP
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