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Mensch Gladbach
Herr Kuckels, übernehmen Sie!

Mönchengladbach. Hinterher weiß man immer mehr. Denn morgen ist heute schon gestern. Das ist nicht die Anmoderation zum Schlagerfestival. Sondern die behutsame Einstimmung darauf, dass die jüngere Stadtgeschichte umgeschrieben werden muss. Perikles, Kuckels und die Esel - eine Dreiecksgeschichte mundgerecht geschnitten und geschmiert zu Ihrem Wochenend-Frühstück. Wohl bekomms!

Vom großen griechischen Staatsmann Perikles sind mir zwei Dinge nachhaltig in Erinnerung geblieben. Er war, heißt es aus gewöhnlich bestens unterrichteten Kreisen, in Haushaltsdingen sehr penibel und wenig ausgabefreudig. Außerdem hat er diesen schönen Satz gesagt: "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Zukunft vorauszusagen, sondern auf sie gut vorbereitet zu sein." Und an beides musste ich dieser Tage in der Causa Kuckels denken. Weniger als nix haben und davon noch mindestens die Hälfte einsparen - wer Kämmerer in einer Pleite-Kommune kann, eignet sich prinzipiell auch als Verkäufer von Borussia-Schals in der Kölner Altstadt.

Wer selten enttäuscht wird, wenn er mit dem Schlimmsten rechnet, verhält sich auch vorsichtshalber so. Von einem Kämmerer Geld zu bekommen, ist schwieriger als gegen den FC Barcelona zu gewinnen. Ratsbeschluss für eine Investition? Immer mit der Ruhe! Wie sehr Bernd Kuckels auf die Zukunft vorbereitet ist, lässt einen indes schaudern. Schon 2010 hat er den Konzernabschluss der Stadt lieber mal liegen lassen, weil er ahnte, dass 2016 die Mags gegründet werden würde und er dann am Ende vielleicht doch nicht die richtigen Leute dafür haben würde. Das ist eine Form von Weitsicht, die den Horizont von Nicht-Staaten-Lenkern bei weitem übersteigt. Nun bewährt sich, dass Kuckels so umsichtig bei der Haushaltsführung war, zum Beispiel bei der Sanierung der städtischen Immobilen auf die Bremse trat und auch lieber nicht zu viel Geld für die Sauberkeit hergeben wollte. So sind nun nämlich noch 750.000 Euro in der Kasse, die gebraucht werden, weil Kuckels' Leute den Konzernabschluss nicht selbst auf die Reihe bekommen - anders als die Verwaltungen anderen Städte dieser Größe. Und das, obwohl er sich selbst seinerzeit so viele zusätzliche Mitarbeiter genehmigt hat wie keinem seiner Dezernentenkollegen.

Ach, könnte man den Kuckelschen Weitblick doch importieren! Was waren die Bürger besorgt um das Image der Stadt. Esel. In Gladbach. An zentraler Stelle. Da stand zu befürchten, dass die Staatengemeinschaft mit dem Finger auf die hinterwäldlerischen Gladbacher zeigen würde. Und schlimmer noch: Die Viersener und Erkelenzer unsere Fußgängerzone schlicht boykottieren und stattdessen lieber in Lobberich, Wickrathberg oder Titz bei Superdry shoppen gehen würden. Kuckels hat es mit Sicherheit gewusst! Esel gut. Platz gut. Minto gut.

Dass da nebenan jetzt ein Steakhaus kombiniert mit einem Schießstand eröffnen soll, verstehe ich ehrlich gesagt nicht auf Anhieb. Schießt man sich da sein Steak selbst? Dauert das nicht alles viel zu lange? Aber ich will jetzt auch nicht wegen jeder Kleinigkeit noch mal die Perikles-Biografie lesen oder den Kämmerer anrufen. Wird sich schon finden.

Mit Bullen hatte ja diese Woche auch Borussia zu tun. In Leipzig. Ist das nicht rührend, wie romantisch das Milliardengeschäft Fußball doch geblieben ist. Wenn sich einer einen Verein kauft, statt ihn mit anderen Sponsoren zu teilen, gibt es einen kollektiven Aufschrei. Der Tradition wegen. Da hat Borussia es natürlich bestens. Die durften schon 1900 auf ungesponserten Rübenackern kicken.

Ich bin fertig. Herr Kuckels, übernehmen Sie!

Quelle: RP
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