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Mönchengladbach
Herzchirurgie: Quantität führt zur Qualität

Mönchengladbach. Professor Friedrich Wilhelm Mohr referierte im Herzpark Hardterwald über die Zukunft seines Berufsfeldes. Von Angela Rietdorf

In noch wortwörtlicherem Sinn als bei anderen Ärzten legen Patienten ihr Leben in die Hände der Herzchirurgen. Aber woran erkennen die Betroffenen, wie gut ein Herzchirurg ist? Professor Dr. Friedrich Wilhelm Mohr, Ärztlicher Direktor am Herzzentrum Leipzig und Präsident der europäischen Vereinigung der Kardiothorax-Chirurgen, gab eine eindeutige Antwort: Die Menge macht's. Bei der Transkatheter-Aortenklappenimplantation zum Beispiel, kurz TAVI, sollte der Operateur den Eingriff mindestens zweimal pro Woche durchführen.

Der Chefarzt des sächsischen Herzzentrums sprach vor dreißig Experten aus ganz Deutschland, die in den Herzpark Hardterwald gekommen waren. In seinem Vortrag setzte sich Mohr mit der Zukunft seines Metiers auseinander. Er prognostizierte einen Mangel an Herzchirurgen, vor allem in den USA, wo lange zu wenig ausgebildet wurde. Die auftretende Lücke werden dort wie auch in Deutschland ausländische Ärzte füllen. Bei den Eingriffen haben sich die Zahlen sehr in Richtung TAVI verschoben. Vor allem bei älteren Patienten wird diese Methode häufig angewandt. Die Herzchirurgen sehen die Transkatheter-Implantation kritisch. "Die chirurgischen Ergebnisse sind besser als die Katheter-Ergebnisse", stellt Mohr fest. Um eine Qualitätskontrolle für Therapien zu gewährleisten, plädiert der Mediziner für eine gesetzliche Regelung zum Eintrag in ein Register, so dass alle Patientendaten verfügbar wären. Es gibt bereits ein Register, das aber nicht verpflichtend und daher auch nicht vollständig ist. Die Zukunft seiner Zunft sieht Mohr in einer weiteren Spezialisierung der Herzchirurgen, die aber mit verstärkter interdisziplinärer Zusammenarbeit einhergeht. Das Herzteam soll nicht nur den Chirurgen, sondern auch den Kardiologen und weitere Experten umfassen. Gleichzeitig gilt es, Kompetenzzentren zu entwickeln. Im Zusammenhang mit dem Trend zur Transkatheter-Aortenklappenimplantation macht Mohr eine Marktverschiebung aus, die mit einer Kostenexplosion einhergeht.

Selbstkritisch werden die Experten beim Blick in die Niederlande. "Die Holländer machen weniger und sind trotzdem nicht schlechter als wir", stellt der Leipziger Chefarzt fest. Der Unterschied: Es werden nicht überall Katheterlabore zugelassen. "Wir haben doppelt so viele, wie wir brauchen", sagt Wilfried Jacobs, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg und derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender des Herzparks. "Es wird drei- bis viermal das Gleiche gemacht und auch bezahlt." Er verweist auf eine zumindest den gutgläubigen Laien verblüffende Tatsache: Wenn die Preise gesenkt werden, sinkt auch die Zahl der Operationen. Offensichtlich werden bei der Einschätzung, ob eine Operation sinnvoll ist, nicht nur medizinische Faktoren berücksichtigt.

Mohr rechnet mit einem Anstieg von Eingriffen bei älteren Patienten. Sind heute 15 Prozent der Operierten älter als 80 Jahre, werden es in einigen Jahren dreimal so viele sein.

Quelle: RP
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