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Mönchengladbach
Heute vor 90 Jahren starb August Monforts

Mönchengladbach. Der Bauerssohn war der bedeutendste Textilmaschinenproduzent seiner Zeit. Er gründete ein Firmenimperium, das bis heute nachwirkt. Von Christian Lingen

Als August Monforts am 18. September 1850 in Gerderath geboren wurde, ahnte in seiner Familie noch niemand, dass er einst ein Unternehmen gründen wird, das bis heute in aller Munde ist. Denn August Monforts stammte aus einer bäuerlichen Familie und sein Weg, ebenfalls Bauer zu werden, schien vorgezeichnet. Monforts entschied sich anders und brach mit der Familientradition. Sein Ziel war es, Ingenieur für Maschinenbau zu werden. Zu seiner Jugendzeit war die Textilmaschinenfabrik Franz Müller die größte ihrer Art in Gladbach. Dort begann seine Laufbahn als einfacher Mitarbeiter. Als August Monforts 34 Jahre alt war, reifte die Idee, an der Kronprinzenstraße ein eigenes Unternehmen für Rauhmaschinen zu gründen. Der erste Auftrag, den seine Firma erhielt, datiert auf den 18. Dezember 1884.

Monforts hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Sein Unternehmen erlebte gleich zu Beginn eine starke Nachfrage, und so konnte der Fabrikant 52 Mitarbeiter beschäftigen. Um am Markt zu bestehen, beschränkte er sich nicht darauf, bereits vorhandene Maschinen zu produzieren, sondern entwickelte neue. Die erste Rauhmaschine, die das Unternehmen verließ, hatte fünf Walzen. August Monforts gelang es, innerhalb von drei Jahren eine Maschine mit 14 Walzen zu entwickeln, die ab 1889 verbessert und weiterentwickelt wurde. So gelang es, 1891 die erste 24-walzige Strich- und Gegenstrich-Rauhmaschine auf den Markt zu bringen. Für diese Revolution in der Maschinenbranche erhielt August Monforts bei der Weltausstellung 1893 in Chicago die höchste Auszeichnung.

Um das Unternehmen zu erweitern, kaufte Monforts 1894 ein Gelände an der Schwalmstraße. Drei Jahre später konnte die Produktpalette erweitert werden. Das gelang durch die Gründung einer eigenen Eisengießerei an der Hofstraße. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Beschäftigten auf rund 1200 an. Seit 1911 war Monforts' Sohn Joseph Teilhaber des Unternehmens, das er nach dem Tod seines Vaters am 7. Juli 1926 übernahm. 1912 bekam August Monforts in Anerkennung seiner Verdienste den Titel "Kommerzienrat" verliehen.

1916 kam es zur nächsten Erweiterung, und es entstand eine neue Fabrik mit den modernsten Maschinen. 1920 nahm das Unternehmen den Bau von halbautomatischen Werkzeugmaschinen auf. Wirtschaftlicher Erfolg war aber nicht sein einziges Interesse. August Monforts engagierte sich ehrenamtlich und nahm Anteil an den persönlichen Schicksalen seiner Angestellten. Er richtete eine Unterstützungskasse zur Linderung von Notlagen ein und baute Werkswohnungen für seine Mitarbeiter.

Seit 1907 war er Vorsitzender der "Gesellschaft zur Überwachung von Dampfkesseln zu M.Gladbach". August Monforts gehörte der Industrie- und Handelskammer an und engagierte sich im Verein "Volkswohl" und im Landwehrverein, in dem er Hauptmann war und als solcher auch dem Kreis-Krieger-Verband angehörte, dessen Vorsitzender er war.

Privat mochte August Monforts den Wald. Zwischen Hardt und Rheindahlen erwarb er einen Großgrundbesitz, für den er Förster beschäftigte. Er war Mitbegründer des Gladbacher Bezirksvereins des Allgemeinen deutschen Jagdschutzvereins. Als das Hauptquartier entstand, wurde die Familie zum Teil enteignet und verlor große Teile ihres Waldes. Mehrere Überbleibsel des von August Monforts gegründeten Firmenimperiums gibt es bis heute. Und nicht zuletzt ist das Monforts-Quartier an der Schwalmstraße eine Top-Event-Location, an der sich auch ein quirliger Firmenmix angesiedelt hat, und das dortige Textiltechnikum ein bedeutendes Museum.

Quelle: RP
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