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Mönchengladbach
Hier bleibt kein Platz für Einsamkeit

Mönchengladbach: Hier bleibt kein Platz für Einsamkeit
Barbara Lenders (Mitte) und Gabriele Helbig (rechts) leben zusammen mit den acht Bewohnern im "Haus Helene". Die Bewohner gehören hier zur Familie dazu - und werden in vertrauter Runde ganz persönlich betreut. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Im "Haus Helene" finden seit 40 Jahren Senioren ein gemeinsames, betreutes Zuhause in familiärer Atmosphäre. Von Lena Köhnlein

Als Christel Seebach ihre Mutter vor sieben Jahren aus einem großen Altenheim noch einmal verlegen wollte, war sie sich unsicher, ob die Mutter das noch schafft. Doch Seebach wagte den Schritt, da sie vom "Haus Helene", einer kleinen privaten Einrichtung, nur Gutes gehört hatte.

"Meine Mutter war in einem völlig desolaten Zustand", erinnert sie sich. Doch nur wenige Wochen später sei ihre Mutter wie verändert gewesen: "Sie blühte richtig auf!" Nach Rücksprache mit einem Arzt konnten die viel zu starken Psychopharmaka abgesetzt werden, die die Frau ruhig stellen sollten. Aber das war es nicht allein: "Das Haus Helene ist etwas ganz Besonderes", sagt Seebach.

Seit 40 Jahren gibt es die private Betreuungs- und Pflegeeinrichtung am Schmölderpark. Dabei hatte es Helene Lenders gar nicht so leicht, als sie die Einrichtung gründete, denn damals war so etwas absolut unüblich. Die Träger waren kirchlich oder kommunal, aber nicht privat. "Die Behörden wussten nicht mal, in welche Branche, sie mich einordnen sollten, letztendlich wurde es unter Schankgewerbe verbucht", erinnert sich die Gründerin - heute kann sie drüber lachen, damals war es für die mittlerweile 77-Jährige nicht einfach. Lenders, gelernte Krankenschwester, wollte Beruf und Familie vereinbaren und kam daher auf die Idee, sich selbstständig zu machen. 2001 übernahm die Geschäfte Tochter Barbara Lenders (48), 2009 kam noch Schwester Gabriele Helbig (54) hinzu. Ein Familienbetrieb also, der das Wort Familie ernst nimmt. Denn das Besondere ist, dass die beiden Schwestern zusammen mit den acht Bewohnern im Haus leben. Somit seien sie viel mehr Familienmitglieder als Bewohner. "Wenn ich frei habe und abends ausgehe, dann mache ich mich schick und gehe zu den Bewohnern, um zu fragen, ob ich heute so raus gehen kann, sagt Lenders - wie in einer Familie eben.

Hinzu kommt das Ambiente des Gebäudes, eine Patrizier-Villa, die ihren Ursprung im Jahr 1860 hat. Auf 160 Quadratmetern leben acht Personen. Viele der Bewohner sind dementiell verändert. Allerdings nicht alle: Ein Mann wurde im Alter von Mitte 30 mit einem Baseballschläger verprügelt. Seitdem ist er schwerstbehindert und lebt im "Haus Helene". Dort kümmert sich unter anderem eine Lehrerin ehrenamtlich um seine Sprache. "Wir haben viele Menschen, die ehrenamtlich mithelfen", sagt Lenders. Daneben hat die Einrichtung sieben Festangestellte und bis zu fünf Auszubildende.

Die individuelle Betreuung ist den Leitern des Hauses wichtig. So gibt es keine festen Frühstücks- oder Schlafenszeiten. "Wenn jemand lieber zehn kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt isst, weil er vielleicht gar nicht so viel auf einmal essen kann, dann bekommt er diese auch", erzählt Lenders.

"Es wird auf jeden Einzelnen eingegangen", sagt Birgit Pawlik, die auch ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter noch regelmäßig vorbeikommt. Zuvor hatte Pawlik sie lange zuhause gepflegt. "Trotzdem war das irgendwie eine Einsamkeit. Im Haus Helene war sie in Gesellschaft." Den Übergang habe sie gar nicht gemerkt. "Sie kam hier an und war zuhause", sagt Pawlik. Die Mutter starb vor einem Jahr im Haus. Auch dabei habe die Angehörige sich nicht alleine gefühlt. "Natürlich hat man Angst, wenn die Mutter stirbt, aber es war hier sehr friedlich. Man fühlte sich aufgehoben und die Angst wurde einem genommen", sagt Pawlik.

Es sei auch für sie das Einzige, was sie sich im Alter vorstellen könne. Allerdings ist es bei nur acht Plätzen nicht einfach, im "Haus Helene" unterzukommen. "Chronischer Platzmangel" herrsche eigentlich nie, sagt Lenders. Die 48-Jährige hat das "Haus Helene" übrigens umbenannt, als sie Leiterin wurde: "Zu Ehren meiner Mutter."

Quelle: RP
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