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Heimat in Mönchengladbach
Hier ist der Karneval zu Hause

Heimat in Mönchengladbach: Hier ist der Karneval zu Hause
Das Alte Zeughaus ist nicht nur das älteste Gebäude der Stadt. Es liegt auch an einer der ältesten Straßen. Innen beherbergt es ein Karnevalsmuseum und eine Ausstellung über die Stadtgeschichte. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Das Alte Zeughaus ist die Heimstätte aller Karnevalisten. Es beherbergt das Karnevalsmuseum und eine Ausstellung über die Stadtgeschichte. Das Haus an der Weiherstraße ist das älteste Gebäude der Stadt. Ein Besuch lohnt sich immer. Von Christian Lingen

Schon wenn man vor dem Alten Zeughaus an der Weiherstraße steht, ist diese gewisse Aura, die von Gladbachs ältestem Gebäude ausgeht, zu spüren. Das kleine Haus wirkt wie aus einer anderen Zeit. Und das ist es auch. 1974 wurden Rolf Terhaag und Helmut Degen auf eine Ruine aufmerksam. Die beiden Herren gehörten zu einem Kreis von Männern, die sich für das Brauchtum engagierten. 14.000 D-Mark, mehr als es eigentlich wert war, sollte der Bau kosten. Auf Bestreben von Peter Ulrich, der vielen Gladbachern als "Seepeschnäuz" ein Begriff ist, wurde der Verein "Kleiner Rat - Altes Zeughaus" gegründet. Er kaufte das Grundstück und machte sich die Erforschung und Pflege des Brauchtums, insbesondere des Karnevals, zur Aufgabe.

Das Alte Zeughaus ist nicht nur das älteste Gebäude der Stadt. Es liegt auch an einer der ältesten Straßen, stammt aus dem 18. Jahrhundert und gehörte einst zur ältesten innerstädtischen Bebauung. Im September 1975 begann der Verein mit dem Wiederaufbau des Hauses und feierte im Mai 1977 Richtfest. Eröffnung war am 1. Juli 1978. Für die Karnevalisten ist das Alte Zeughaus ein Zuhause. Beim Betreten fühlt man eine gewisse Gemütlichkeit, ein Gefühl von Heimat. Jahrelang war es "Seepeschnäuz" Peter Ulrich, der hinter dem kleinen Tresen im Flur saß und die Besucher begrüßte. Vor drei Jahren starb das Urgestein. Das Zeughaus ist geblieben. Im Innern beherbergt es das Karnevalsmuseum und eine Ausstellung über die Stadtgeschichte.

"Wir haben hier rund 3000 Karnevalsorden", erzählt Hans Brüggen, der zweite Vorsitzende des Zeughauses. Einige von ihnen stammen von Karnevalsgesellschaften, die es heute nicht mehr gibt, wie der KG Adler. Sie war die Karnevalsgesellschaft der Royal Airforce in Brüggen. Hinzu gesellen sich zahllose Pokale, Gläser und Plakate. Ein Hingucker sind die vielen Exponate, bei denen man schon einmal genauer hinschauen muss. So gibt es einen großen Hut aus Holz, unter dem sich viele kleine Figuren tummeln. Er stammt von der KG Alles onger ene Hoot aus Hardterbroich. Ein Bild aus dem Jahr 1907 zeigt die Mitglieder der KG Närrische Steuerschraube. Über diese Gesellschaft ist so gut wie nichts bekannt. Auch das närrische Steckenpferd, eine Auszeichnung des ruhend gemeldeten Kinder-Karneval-Clubs, steht neben den Uniformen der einstigen Gesellschaft.

In einer Vitrine liegt das Kostüm des Hoppediz, das Karl-Horst Faßbender von 1980 bis 1990 trug. Eine der größten Vitrinen gehört der Großen Rheydter Prinzengarde. Zu den Ausstellungsstücken gehören auch viele Uniformen und Ornate. So gibt es das aktuelle Prinzenornat genauso wie das eines ehemaligen Prinzenpaars der Stadt Rheydt. Eine Galerie in der zweiten Etage zeigt Bilder fast aller Prinzenpaare. Im Erdgeschoss hängen die Karikaturen von Nik Ebert, die er traditionell für die Tollitäten anfertigt. Im Nebenraum der ersten Etage befindet sich die Ausstellung über die Stadtgeschichte. Sie ist genauso einen Besuch wert wie das Karnevalsmuseum. Drei große Vitrinen zeigen Miniaturnachbauten des Gladbacher Wasserturms, des Alten Zeughauses, des St. Vith und des Gladbacher Hauptbahnhofs aus dem Jahr 1900. "Die Modelle hat Helmut Weißer gebaut. Sie sind beleuchtet und sehr detailliert", erklärt Hans Brüggen. An einer Wand hängt eine Galerie mit historischen Fotos. Besonders liebevoll gestaltet ist ein Zinnfiguren-Kabinett. Es zeigt Momente der Stadtgeschichte wie die Plünderung von 1642, den Abteiberg von 1769 und eine Ketzerverbrennung. Gebaut wurde das Kabinett 1974 von einer Arbeitsgruppe der Volkshochschule.Hinter dem Alten Zeughaus gibt es noch Platz. Dort möchte der Verein gerne 60 Quadratmeter anbauen. "Wir warten aktuell noch auf die Baugenehmigung", sagt Hans Brüggen. Wenn sie vorliegt, soll der Bau wie schon 1974 über Spenden finanziert werden. "Wir haben noch so viele Exponate im Archiv, dass wir eine weitere Ausstellung damit gestalten können", sagt Brüggen. Wer Lust hat, sich das Museum einmal anzuschauen oder die Bewahrer der Geschichte kennenzulernen, der kann das immer am ersten Sonntag im Monat. Dann hat das Zeughaus geöffnet. Zusätzlich können Führungen für Gruppen gebucht werden. Der Besuch im Zeughaus ist in jedem Fall eine Reise in die Vergangenheit Gladbachs.

Quelle: RP
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