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Mönchengladbach
Hilfe für fettleibige Menschen

Mönchengladbach: Hilfe für fettleibige Menschen
Das Adipositas-Team: Arzt Stefan Bollmann, Ute Fusseck, Chefarzt Frank A. Granderath, Koordinatorin Tanja Siekmann, die Ärzte Abdulellah Niyaz und Dietmar Pixner. FOTO: Krankenhaus Neuwerk
Mönchengladbach. Das Adipositas-Zentrum Niederrhein im Krankenhaus Neuwerk ist Anlaufstelle für viele, oft verzweifelte Patienten. Von Angela Rietdorf

"Wir behandeln keine dicken, sondern kranke Menschen", erklärt Chefarzt Frank A. Granderath. Die Menschen, die im Adipositas-Zentrum des Krankenhauses Neuwerk Hilfe suchen, haben nicht einfach nur ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und möchten einem wie auch immer gearteten Schönheitsideal entsprechen. Nein, es sind Menschen, die unter Adipositas leiden, unter sehr starkem Übergewicht, das mit anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder einem hohen Cholesterinspiegel und damit einem erhöhten Schlaganfall- oder Herzinfarktrisiko einhergeht.

"Die Patienten, die zu uns kommen, sind oft sehr verzweifelt", sagt Tanja Siekmann, die Fachkoordinatorin. Sie erhoffen sich schnelle Hilfe durch eine Operation, aber die OP ist nur ein Baustein des multimodalen Konzepts, das das Adipositas-Zentrum umsetzt. Wenn ein Patient Kontakt zum Zentrum aufnimmt, steht am Beginn das Einzelgespräch mit der Fachkoordinatorin. Die Probleme werden geklärt, die individuellen Schritte besprochen. Generell gilt: Bevor es zu einem chirurgischen Eingriff, bei dem entweder ein Schlauchmagen oder ein Magenbypass hergestellt wird, kommt, werden andere Therapiebausteine eingesetzt. "Ernährungsberatung, Bewegung und Verhaltenstherapie", zählt Tanja Siekmann die Module auf, die zuerst Anwendung finden. Dafür stehen im Adipositaszentrum Experten bereit. Auch psychologische Unterstützung kann notwendig sein und wird über das Zentrum vermittelt.

Schon diese Schritte haben natürlich das Ziel einer Gewichtsreduktion. Allein reicht das aber bei Patienten mit einem BMI von 40 und darüber nicht aus. "Wenn ein Patient, der 150 Kilo wiegt, zehn Kilo abnimmt, ist das super", sagt die Fachkoordinatorin, "aber der Berg der Probleme wird davon noch nicht kleiner."

Hat der Patient sechs bis zwölf Monate lang tatsächlich seine Ernährung und sein Verhalten verändert, genehmigen die Krankenkassen im allgemeinen eine Operation. "Die OP ist der kleinste Teil der Behandlung und völlig nutzlos, wenn die anderen Schritte der Therapie nicht vollzogen wurden", sagt Professor Granderath. "Sie hat aber gleichzeitig den spürbar größten Effekt." Bei der OP wird entweder der größte Teil des Magens entfernt, so dass nur ein schlauchförmiger Restmagen übrig bleibt oder der Magen wird geteilt in eine kleine obere Magentasche und den größeren Restmagen. In beiden Fällen ist das Ziel, ein schnelleres Sättigungsgefühl zu erreichen, weil der Magen nur noch kleine Portionen aufnehmen kann.

Bei einem Magenbypass verlässt ein Teil der Nährstoffe und Kalorien den Körper auch wieder unverdaut. Die Wirkung zeigt sich schnell: Ein Patient, der vor der Operation 190 Kilo auf die Waage brachte, wiegt vier Monate später 50 Kilo weniger. "Wir nennen das die Honeymoonphase, die mit Glückshormonen einhergeht", sagt Zentrumsleiterin Tanja Siekmann. Normalerweise bessern sich jetzt auch die Begleiterkrankungen zügig: Blutfett-, Cholesterin- und Zuckerwerte sinken. Jetzt sei es wichtig, den veränderten Lebensstil auch beizubehalten, betont Granderath. Die Patienten müssen ein Leben lang diszipliniert bleiben. "Das ist im Prinzip wie bei Alkoholikern", erklärt der Chefarzt.

Das Adipositaszentrum, seit zwei Jahren zertifiziert, verzeichnet stetig steigende Patientenzahlen. Kein Wunder, denn Adipositas ist ein epidemologisches Problem. Veränderte Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel führen seit einigen Jahrzehnten zu einer wachsenden Zahl von stark übergewichtigen Menschen. "Das fängt bei den Kindern an", sagt Granderath. "Zwischen 20 und 40 Jahren zeigen sich meist die Begleiterkrankungen."

Das Adipositas-Zentrum Niederrhein lädt heute um 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den Vortragssaal des Krankenhauses Neuwerk ein.

Quelle: RP
 
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