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Mönchengladbach
Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

Mönchengladbach. Beim Patenprojekt des Reha-Vereins kümmern sich Ehrenamtliche um die Kinder psychisch erkrankter Menschen. Die gemeinsame Zeit wird nach den Interessen der Kinder gestaltet. Von Saskia Nothofer

Die 13-jährige Marie* liebt das Reiten. Einmal pro Woche bekommt sie Reitunterricht oder kümmert sich um ein Pony. Selbstverständlich ist das nicht, denn das Mädchen kommt aus einer Familie mit schwierigen Verhältnissen. Ermöglicht wurde ihr das Hobby erst durch ihre Patin, eine 27-jährige Studentin, die selbst leidenschaftliche Reiterin ist.

Das Patenprojekt des Reha-Vereins, 2014 angelaufen und gefördert durch die "Aktion Mensch", ist eine Art Freizeitangebot für Kinder. Die ehrenamtlichen Paten können die Familien entlasten, indem sie regelmäßig zuverlässig Zeit mit den Kindern verbringen. "Es gibt den Eltern Sicherheit, wenn sie das Gefühl haben, den Bedürfnissen ihrer Kinder selbst nicht mehr gerecht zu werden", sagt Birthe Wernery, die Hauptverantwortliche des Projekts.

Derzeit engagieren sich 14 Paten unterschiedlichen Alters. Es sind Studenten dabei, genauso aber auch Voll- oder Teilzeit-Beschäftige und Rentner - wie etwa der 74-jährige Pate von Paul. Der 11-Jährige und der Rentner sind ein eingespieltes Team, seit über zwei Jahren verbringen sie ein Mal pro Woche ein paar Stunden miteinander. "Die Zeit mit dem Jungen macht mir große Freude, wir haben viele gemeinsame Interessen", so der 74-Jährige. Und auch Paul scheint viel Spaß mit seinem Paten zu haben. Gemeinsam bauen sie Insekten- oder Vogelhäuser aus Holz, arbeiten im Garten oder setzen Keimlinge. "Der Junge ist stolz wie Oskar, wenn die ersten Pflänzchen sprießen", erzählt der Pate. "Und wissen Sie, was wir beide am liebsten essen? Bratkartoffeln mit Speck und dazu ein Spiegelei."

Dass der Rentner und der kleine Junge so gut zusammen passen, ist kein Zufall. Denn der Reha-Verein weist Pate und Kind nicht einfach einander zu, sondern gibt ihnen Zeit zum Kennenlernen. Zunächst treffen sich die betroffenen Eltern mit den Paten, bei einem weiteren Treffen sind die Kinder dabei. Hat sich ein geeignetes Paar gefunden, soll die Patenschaft für mindestens ein Jahr existieren. Eine regelmäßige Begleitung durch den Reha-Verein ist garantiert. "Wir fragen regelmäßig nach, wie es läuft", sagt Wernery. Zudem finden alle sechs Wochen Schulungen statt, bei denen die Paten ihre Erfahrungen austauschen und Wünsche und Sorgen zum Ausdruck bringen können. Zudem werden dabei Weiterbildungsvorträge angeboten.

Die 27-jährige Patin von Marie ist begeistert von ihrer Aufgabe, die sie seit Oktober 2014 erfüllt: "Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung für mich. Es macht mir Freude, dem Mädchen das Reiten zu ermöglichen." Schon lange Zeit habe sie etwas Ehrenamtliches machen wollen, vieles nehme aber zu viel Zeit in Anspruch. Das Patenprojekt punkte aus dem Grund, dass es mit ihrem vollen Terminkalender gut vereinbar sei. Gehen die beiden nicht zu den Pferden, klettern sie gerne oder backen Plätzchen. "Wir haben wirklich ein gutes Verhältnis", sagt die Studentin.

"Die Kinder haben bei den Treffen mit den Paten Zeit, Kind zu sein", sagt Wernery. Zudem seien die Paten ein verlässlicher Ansprechpartner und geben dem Alltag der Kinder eine gewisse Regelmäßigkeit. Und auch den Eltern wird durch das Projekt geholfen. "Wir haben einen niedrigschwelligen Zugang", sagt Dieter Schax, Geschäftsführer des Reha-Vereins. Damit ist gemeint, dass jedes Elternteil, das Hilfe braucht, willkommen ist - ohne Vorgespräche und ohne zwingende Diagnose. "Wir arbeiten präventiv", so Schax. Auch Menschen, die noch nicht in Behandlung sind, aber merken, dass sie psychisch überlastet sind, können bei dem Projekt mitmachen.

Bei der Gestaltung der gemeinsamen Zeit von Kindern und Paten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ob basteln und stricken, backen oder der gemeinsame Besuch von Tierparks, Museen oder dem Kindertheater - "ich glaube, vielen Leuten ist gar nicht bewusst, was sie durch ihre individuellen Interessen den Kindern alles bieten können", meint die 27-jährige Patin.

Wer Lust hat, Pate zu werden oder wer Hilfe sucht und mit seinem Kind/seinen Kindern teilnehmen möchte, kann sich bei Birthe Wernery unter 02166 970470 oder per Mail an info@patenprojekt-mg.de melden. Weitere Informationen auch auf www.patenprojekt-mg.de.

* alle Kindernamen geändert

Quelle: RP
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