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Mönchengladbach
Hilfe für Menschen aus dem Müll

Mönchengladbach: Hilfe für Menschen aus dem Müll
Vorne v. l.: Silke Pötzsch, Yeliz Yüzen, Rachad Harruni, Petra Burczyk, Astrit Nuraj. Hinten: Thomas Westermann, Ralf Tepel und Nihat Esen. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Die Mönchengladbacher Firma Cho-Time will Menschen auf den Philippinen zu einem würdigen Leben verhelfen. Denn dort treibt die Armut Tausende in die Stadt Cebu, wo ihnen oft nur noch das Leben auf Müllhalden bleibt. Von Kilian Treß

Palmen, Sandstrand, blaues, klares Meer. Hand aufs Herz: Wer an den Inselstaat Philippinen denkt, der schwelgt schnell im Urlaubsparadies des Pazifik-Archipels. Doch das ist nur die eine, die glänzende Seite der Medaille: Die Kehrseite ist, um im Bild zu bleiben, die traurige rostige. Großes soziales Elend. Tausende Menschen leben auf den Philippinen weit unter der Armutsgrenze. "Es sind Zehntausende", sagt Ralf Tepel, Mitglied des Vorstands der Karl-Kübel-Stiftung. Sie unterstützt seit 20 Jahren die so genannten Müllmenschen - die wohl Ärmsten der Armen. Sie leben auf Müllhalden, bauen sich aus Plastik- und Metallmüll Häuser, ernähren sich aus essbaren Resten, die die reichere Schicht aus dem Stadtgebiet wegwirft.

Die Karl-Kübel-Stiftung erhält nun für ihre Arbeit vor Ort 100.000 Euro von der Mönchengladbacher Firma "Cho-Time". Die Agentur, die Verbraucher in Sachen Energiekosten berät, hat sich auf die Fahne geschrieben, jedes Jahr ein großes soziales Projekt zu unterstützen. "Dieses Jahr wollen wir den Kindern und Eltern helfen, die neben der Millionenmetropole Cebu im Müll leben", sagt Silke Pötzsch, Cho-Geschäftsführerin. Die große Summe stammt von vielen Partnerfirmen von Cho-Time. Darunter Vattenfall, die Krefelder Stadtwerke oder Versatel, um nur einige zu nennen. "Wenn jeder auch nur einen kleinen Betrag gibt, kommt etwas großes heraus", sagt Pötzsch. "Das ist die Basis jeder Zukunft."

Auf die Idee kamen die Cho-Mitarbeiter, nachdem sie im Fernsehprogramm eine Reportage von "Pater Kalüke" über die so genannten Müllmenschen, Straßenkinder und Opfer sexueller Gewalt in der philippinischen Metropole gesehen haben, die sie zu tiefst bewegten. "Das ging und allen ans Herz", sagt Pötzsch. Die Kameras zeigten Scherben, Spritzen, Haushalts- und Krankenhausabfälle. Und mittendrin: Kinder. Vielleicht zwei Jahre alt. Ältere Kinder versuchen ihr Glück in der Stadt: Warten mit schon im Alter von zwölf, 13 Jahren am Straßenrand auf Freier, um Geld zu verdienen. "Cebu ist ein Ort des Sex-Tourismus", sagt Ralf Tepel. "Unsere Partner vor Ort versuchen die Kinder und ihre Eltern aus dem Elend herauszuholen", sagt er. Doch es ist ein schwieriges Unterfangen. Die Familien sind unter falschen Versprechungen vom Land in die Stadt gelockt worden. Es gibt keinen Jobs für sie, und schnell sind sie nicht nur an den Rand der Gesellschaft, sondern auch an den Rand der Stadt gedrängt. Bis sie sich die Müllhalden als Zufluchtsort finden. "Die Kinder sind traumatisiert, haben Krankheiten, keiner kann sich waschen", sagt Tepel, der sich im August zuletzt ein Bild vor Ort machen konnte.

Doch es gibt Hoffnung: Er und die Stiftung bauen mit den Spenden kleine Dörfer auf. Allein 80.000 Euro der Cho-Spenden werden in ein neues Dorf fließen. "4000 Euro kostet ein Haus für eine siebenköpfige Familie", sagt Tepel. Familien aus den Müllhalden können dort nicht nur einziehen, sondern dürfen sie beliebig erweitern, im Garten Nutz-Pflanzen anbauen und das Wichtigste: "Kinder können in die Schule gehen", sagt Tepel. "Über Bildung schaffen wir es, das soziale Elend zu bekämpfen. Die Jungen und Mädchen werden später oft Angestellte oder Sekretärinnen", weiß er aus seiner 20-jährigen Erfahrung. "Die Zukunft liegt ihnen offen." Die anderen 20.000 Euro fließen in das "Drop In" - eine Anlaufstelle für Kinder, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Mehr im Internet unter www.kkstiftung.de.

Quelle: RP
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