| 00.00 Uhr
Mönchengladbach
Hoch hinaus im Hardter Wald
Mönchengladbach: Hoch hinaus im Hardter Wald
Am acht Meter hohen Kletterturm im Außengelände des Wilhelm-Kliever-Hauses können Kinder und Erwachsene auch schon mal ihre persönlichen Grenzen überwinden. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Das Wilhelm-Kliewer-Haus ist mehr als eine Jugendherberge. Beim Tag der offenen Tür konnten sich die Gäste davon überzeugen. Im Haus und draußen gibt es viele Möglichkeiten, sich zu betätigen und Spaß zu haben. Von Olivia Becker

Hardter Wald "Viele denken immer, es ist eine Jugendherberge, aber das ist es nicht", sagte Bärbel Röpert. "Zumindest nicht ausschließlich". Die Rede ist vom Wilhelm-Kliewer-Haus, das im Hardter Wald am Rande des Naturparks Schwalm-Nette von Natur nur so umgeben ist. Seit gut zehn Jahren ist die gelernte Gastronomin nun schon Leiterin des Hauses. Am Tag der offenen Tür stellte sie Besuchern das vor, was von außen nicht direkt sichtbar ist. Zeitweise ertönen die Rufe kleiner Indianer, und manche Kinder freuen sich über ihr Durchhaltevermögen am Kletterturm.

Gemeinsam ein Bild malen

Es gibt aber auch stille Zonen. In den Seminarräumen des Hauses halten Firmen Fortbildungen ab und vor allen Dingen Teambuilding-Seminare. "Mal es dir aus", benennt die Künstlerin Erika Gottschlich beispielsweise ein Kreativseminar im Wilhelm-Kliewer-Haus, bei dem sich Mitarbeiter eines Unternehmens durch das Malen eines gemeinsamen Bildes näher kennenlernen. "Das fördert nicht nur die Kreativität, sondern auch die Gemeinschaft", erklärte die Malerin. "Teilweise kennen sich die Teilnehmer zuvor auch gar nicht und dann werden sie zu einem Team zusammengeschweißt und fühlen auf einmal, dass sie nur gemeinsam stark sein können", ergänzte Gottschlich.

Auch Kinder erfahren innerhalb der Wände des Hauses Zusammengehörigkeit oder besser gesagt auf dem Außengelände. Dort bietet die Jüchener Firma "hoch3" gemeinsame Outdoor-Erlebnisse an. Am acht Meter hohen Kletterturm können kleine Besucher etwas ganz Besonderes erleben. "Vertrauen", weiß Jochen Hotstegs von "hoch3". "Man klettert immer im Team. Einer sichert, der andere klettert. Man muss sich miteinander unterhalten. Das fördert Kommunikation und das Vertrauen untereinander." Samstags steht der Turm dann auch für alle Besucher von außerhalb offen. Dann können die persönlichen Grenzen auch schon mal überwunden werden.

Auch der Wald kann erkundet, als Indianer gemeinsam am Lagerfeuer genächtigt werden. Und so zieht sich durch das Wilhelm-Kliewer-Haus ein roter Faden. Alles ist auf Teamarbeit und Integration ausgelegt. Auch die intensive Arbeit mit behinderten Menschen und die Rückführung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsalltag werden in dem Haus, das mehr als nur eine Jugendherberge ist, gefördert.

Als die Mönchengladbacher Firma "Neue Arbeit" das Haus vor zwölf Jahren übernahm, willigten sie damit auch in eine Auflage des ehemaligen Besitzers Wilhelm Kliewer ein. Der Norweger nutzte ein Teil des Gebäudes nach dem Zweiten Weltkrieg als Feriendomizil. Als der einstige Stadtbeirat das Gelände verkaufte, tat er dies mit der Auflage, dass sich dort immer Kinder erholen sollten. Der soziale Gedanke blieb bis heute. "Alle Schulen in Mönchengladbach nutzen dieses Haus", erklärte Hausleiterin Bärbel Röpert voller Stolz. "Ich habe hier meine Erfüllung gefunden. Ist doch schön. Du gehst zur Arbeit und fährst in den Wald", ergänzte sie mit einem Lächeln. Und so entspannen sich Besucher auch noch heute in den Gästezimmern des Hauses.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar