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Mönchengladbach
Hochschule und Wirtschaft in Sorge um Beziehungen zur Türkei

Mönchengladbach. Mit großer Sorge schaut die Hochschule Niederrhein auf die aktuellen Entwicklungen in der Türkei. Denn sie unterhält mit sieben türkischen Universitäten partnerschaftliche Beziehungen. Regelmäßig findet ein Studenten-Austausch statt. Es gibt an der Hochschule Niederrhein 349 Studierende aus der Türkei, außerdem arbeiten dort türkische wissenschaftliche Mitarbeiter. Zurzeit absolvieren noch zwei Textilstudenten der Hochschule in der Türkei ihr Praktikum. "Wir stehen in Kontakt mit ihnen. Es geht ihnen gut, und sie möchten ihr Praktikum beenden", sagt Hochschulsprecher Christian Sonntag. Von Gabi Peters und Jan Schnettler

In der Türkei ist es Wissenschaftlern derzeit verboten, ins Ausland zu reisen. Im Ausland tätige Forscher sollen in ihre Heimat zurückkehren. Außerdem wurden über 1500 Dekane und Professoren entlassen. Die Türkei war bislang eines der beliebtesten Partnerländer der Hochschule. Dorthin gab es vor allem über den Gladbacher Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik einen regen Austausch von Studierenden, der zu versiegen droht.

"Pro Semester kommen vier bis acht Studierende aus der Türkei zu uns. Im Gegenzug verbringen zehn bis zwölf Studierende ein Semester im Ausland, weitere zwei bis drei gehen für ein Praktikum in die Türkei", berichtet Nicole Blankenhagel vom Akademischen Auslandsamt der Hochschule. Besonders beliebt sind die Istanbul Technical University, die Marmara University (Istanbul ) und die EGE University (Izmir).

Für das kommende Wintersemester haben sich sechs Studierende aus der Türkei für ein Auslandssemester in Mönchengladbach beworben. "Wir können derzeit nur hoffen, dass sie auch kommen werden", sagt Blankenhagel. Zumindest in der Gegenrichtung passiert in diesem Jahr nichts mehr: Kein Studierender der Hochschule geht wegen der unsicheren politischen Lage zum Wintersemester in die Türkei.

Auch die Wirtschaft blickt mit wachsender Sorge in die Türkei. "Was passiert ist, ist nicht schön, überflüssig und stört uns", sagt Rolf A. Königs, Chef der auch in der Türkei aktiven Aunde-Gruppe und außerdem Präsident der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer. "Das sagen wir unseren Partnern und auch den Politikern in der Türkei im persönlichen Gespräch, ansonsten machen wir keine Politik, sondern Business. Das, was sich jetzt abspielt, ist nicht erfreulich, aber: Wir setzen weiter auf die Türkei und werden weiter investieren", teilte Königs mit. Man glaube "auch mittel- und langfristig an die Türkei als Nahtstelle zwischen Europa und der arabischen Welt". Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen zu dem Land am Bosporus unterhalten, empfehle er, "wirklich nachhaltig zu arbeiten, nicht überhastet zu reagieren. Die Lage wird sich wieder normalisieren."

Quelle: RP
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