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Mönchengladbach
Holger verliert den Kopf

Mönchengladbach: Holger verliert den Kopf
An den Verkehrssicherheitstagen am Berufskolleg Volksgarten wird auch im Überschlagssimulator gezeigt, wie sich ein Unfall anfühlt. FOTO: Isa Raupold
Mönchengladbach. Am Berufskolleg Volksgarten werden die Schüler an den Verkehrssicherheitstagen für die Gefahren überhöhter Geschwindigkeit oder mangelnder Aufmerksamkeit sensibilisiert. Von Angela Rietdorf

Holger kann einem schon leidtun. Immer wieder wird er zum Unfallopfer, wird umgefahren und schwer verletzt. Gut, dass Holger nur ein Dummy ist mit einer Wassermelone als Kopf. Regelmäßig kommt er am Berufskolleg Volksgarten zum Einsatz, denn die Schule führt in jedem Schuljahr in Zusammenarbeit mit der Polizei Verkehrssicherheitstage durch. Spektakulärer und nachdrücklicher Einstieg in das Thema ist Holgers Einsatz.

Auf der vor dem Berufskolleg gesperrten Volksgartenstraße wird der Dummy platziert und dann von einem PKW mit Tempo 30 umgefahren. Zehn Meter weit fliegt Holger, die Wassermelone zerplatzt an der Windschutzscheibe des Autos. Die Schüler stehen am Straßenrand, einige filmen das Geschehen. Auch Aaron, Edmund, Mirza und Marcel sind beeindruckt. Alle haben einen Führerschein und sind motorisiert unterwegs. "Dass der Aufprall so stark ist, hätte ich nicht gedacht", sagt Marcel und sieht sich das Video noch mal an. "Ich werde vorsichtiger fahren", erklärt Edmund.

Die vier jungen Männer gehören zu der Zielgruppe, die durch die Verkehrssichertage besonders angesprochen werden soll: Die 18- bis 24-jährigen Fahrer stellen nur acht Prozent der Autofahrer, verursachen aber rund ein Viertel aller Unfälle. Darauf hatte Bernhard Cremer, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei Mönchengladbach, zuvor in seiner Einführung hingewiesen. Auch die Zahlen der Unfallopfer nannte er, und auch diese machten bei den Schülern Eindruck. Die Gladbacher Polizei ist im vergangenen Jahr zu fast 10.000 Verkehrsunfällen gerufen worden. 201 Menschen wurden dabei schwer verletzt. Und auch immer wieder sind Verkehrstote zu beklagen, zuletzt starb eine Fußgängerin ganz in der Nähe des Berufskollegs an der Erzbergerstraße.

Neben überhöhter Geschwindigkeit gehören mangelnde Aufmerksamkeit, Fahren unter Alkohol und Drogeneinfluss und mangelhafte Sicherung zu den Hauptunfallursachen bei den jungen Fahrern. Auch die Ablenkung durchs Handy demonstriert die Polizei sehr anschaulich: Eine Sekunde Blick aufs Smartphone bedeutet bei Tempo 50, 14 Meter praktisch blind zu fahren. Einen entsprechenden Parcours haben die Beamten in der Turnhalle aufgebaut. Er endet mit einem Kreuz und einem Leichensack. Dann ein Test: Der Verkehrssicherheitsberater lässt einen Schüler sein Handy hervorholen und einen Blick darauf werfen. "Fünf Sekunden", stellt der Polizeibeamte fest. "Das heißt, man fährt blind fast über einen gesamten Fußballplatz."

Die Schüler können außerdem noch Erfahrungen im Überschlagssimulator des ADAC machen und mit Ersthelfern sprechen. "Der Aufwand bei den Verkehrssicherheitstagen ist für die Schule hoch", sagt Organisatorin Annette Rösener. "Aber wir sehen das als unseren pädagogischen Auftrag an." Die Schule wolle sensibilisieren und affektiver an das Thema heranführen. "Im Nachgespräch merkt man, dass das Eindruck gemacht hat", sagt Christian Rousseaux, ebenfalls für die Organisation verantwortlich. Hoffentlich - dann nehmen die jungen Fahrer im entscheidenden Augenblick den Fuß vom Gas oder den Blick vom Handy.

Quelle: RP
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