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Mönchengladbach
Holländische Fahrradkultur für Gladbach

Mönchengladbach: Holländische Fahrradkultur für Gladbach
Andreas Jansen arbeitet seit 13 Jahren für Gazelle, er wohnt in Giesenkirchen. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Der niederländische Hersteller Gazelle hat seine Deutschlandzentrale im Monforts-Quartier angesiedelt. Das stärkt das Thema Radfahren in der Stadt - und wird sich auf Firmen-Fuhrparks ebenso auswirken wie auf Übernachtungszahlen. Von Jan Schnettler

Viele Mönchengladbacher Unternehmen werden in Kürze vor die Frage gestellt werden, ob ihr Fuhrpark noch dem Zeitgeist entspricht. Denn der niederländische Fahrradhersteller Gazelle, der seine neue Deutschlandzentrale im Monforts-Quartier eingerichtet hat, wird mit Leasing-Konzepten für E-Bikes ganz gezielt auf ortsansässige Firmen zugehen. "Auch Finanzierung wird ein Thema werden, analog zum Autokauf, was für Familien interessant sein dürfte", sagt Deutschland-Geschäftsführer Andreas Jansen.

Das zeigt bereits: Die Ansiedlung ist keine x-beliebige, sondern eine, die dem gesamten Thema Radfahren in der Stadt weiteren Schub verleihen könnte. "Wir wollen die niederländische Fahrradkultur nach Mönchengladbach bringen", sagt Jansen. Und fügt selbstbewusst hinzu: "Ich glaube, dass wir der Stadt einiges geben können." Gazelle, das vorher in kleinerer Form in Brüggen-Bracht saß, habe sich zweieinhalb Jahre lang potenzielle Standorte auch in Köln und Düsseldorf angeschaut, "aber diese Location hier, mit diesem Quartiers-Charakter, gibt es nicht noch einmal. Die ist perfekt." Wie überhaupt der Standort Gladbach. Innerstädtisch gelegen, wirtschaftlich interessant, naturnah und infrastrukturell gut angebunden sollte die Deutschland-Zentrale sein - viermal Treffer.

Peter Schlipköter von der Marketinggesellschaft will den Hersteller, ebenso wie viele Fahrradhändler, in Aktionen rund um die Tour de France 2017 einbinden: "Sobald in drei bis vier Wochen die genaue Strecke feststeht, gehen wir das an." Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) war bei Gazelle schon vorstellig. "Wir finden das toll, das wird die Radfahrszene in Gladbach stärken", sagt Vorstandsmitglied Thomas Claßen. Noch seien keine gemeinsamen Aktionen geplant, aber zumindest angedacht. "Wir bieten unsere Fläche gerne für Veranstaltungen an", sagt Jansen.

Diese Fläche ist überaus sehenswert geworden. 1500 Quadratmeter hat Gazelle im Monforts-Quartier angemietet, in die massiv investiert wurde, um den Charme der alten Hallen gewinnbringend zu integrieren. So wurden etwa alte Werkbänke aufgehübscht und hängen noch die Original-Kranhaken von der Decke. "Innovation trifft Tradition", fasst Jansen zusammen. Große Wandbilder, unter anderem von der Gazelle-Fabrik im niederländischen Dieren, die den Monforts-Hallen frappierend ähnelt, zieren die Wände. Und wer durch die üppige Fahrradaustellung geht, "spaziert durch Holland", wie Jansen sagt. Los geht es in "Rotterdam" mit den Cityrädern, über "Texel", "Amsterdam" und die Ecke mit den Kinderrädern gelangt man zu den Windmühlen und Windrädern, die die E-Bikes symbolisieren. Zusätzlich gibt es eine lange Teststrecke.

Allerdings richtet sich das alles nicht an den Endkunden - sondern an Fahrradhändler. Für Gazelle ist der Standort mit 19 Mitarbeitern ein Business- und Trainingscenter, um den qualifizierten Fachhandel zu stärken, auf den man voll und ganz setze. Angesichts von 850 Partnern im Fachhandel wird sich das auch auf die Übernachtungszahlen in der Stadt auswirken. Kunden können jedoch Termine beim Händler ihres Vertrauens machen und mit diesem dann vorbeischauen. "Wir planen außerdem Tage der offenen Tür für Probefahrten - ohne Verkaufsabsicht", sagt Jansen. "Da kann man sich dann ohne den Druck, sofort etwas erstehen zu müssen, in aller Ruhe das Passende raussuchen."

Und wie sieht sie nun aus, die holländische Fahrradkultur? Die fange, mal abgesehen von stadtplanerischen Aspekten, bei der Einstellung an und höre bei der Haltung auf dem Fahrrad auf, sagt Jansen, der selbst halber Niederländer ist. "Wenn in Holland ein See zugefroren ist, setzen sich 70-Jährige aufs Rad und fahren übers Eis", führt er ein Beispiel an. "Hier würde man Kinder davon wegziehen." Auch das gebückte Nach-unten-Gucken deutscher Radler gebe es in den Niederlanden so nicht. Er ist sich sicher: "Läge Mönchengladbach so, wie es ist, in Holland, würden dort viel mehr Menschen radfahren." Um Leute zu treffen, um Umwelt zu erleben - und nicht lediglich als Freizeitbeschäftigung, sondern als Ausdruck eines Lebensstils. Dieser Paradigmenwechsel zeige sich auch in Folgendem: "Wir haben immer mehr Bewerbungen aus dem Automotive-Bereich", sagt Jansen.

In Gladbach will sich Gazelle zügig integrieren. Mit Alberto, das eine eigene Hosenlinie speziell fürs Radfahren entwickelt hat, gebe es bereits engen Kontakt, bei mehreren Fachhändlern in der Stadt entstünden kleine Gazelle-Stores. Ausbilden will man im Monforts-Quartier künftig auch. "Und es könnte hier in Kürze auch ein erstes Fußballspiel ,Deutschland gegen Holland' geben", sagt Jansen lachend.

Quelle: RP
 
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