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"Ich bin ein auslaufendes Modell - mit 70 ist Schluss"

Gut zwei Tage in der Woche hat Heinz Willems noch für den Fußball reserviert. Aber nicht auf alle Zeit: "Ich bin ein auslaufendes Modell", sagt er. "2020 werde ich 70, und dann ist Schluss. Das habe ich meiner Frau und mir selbst versprochen. Und was ich einmal beschlossen habe, das ziehe ich durch.",

Das war schon so, als er 1970 nach der Mittleren Reife und der Bankkaufmanns-Lehre bei der Kreissparkasse in seiner Heimatstadt Daun in der Eifel Betriebswirtschaft studieren wollte. Er ging in Mönchengladbach auf die Fachhochschule - und saß jeden Abend unter der Woche noch am Spätschalter der Stadtsparkasse, um sein Studium zu finanzieren. Nach drei Jahren schloss er es am 1. Juli 1973 erfolgreich ab -und heiratete, fest geplant, nur vier Tage später Dagmar Jansen. Eine Frau, die viel Verständnis für ihren Mann hat und ähnlich ehrgeizig ist. "Sie hat vier Kinder großgezogen, die nur sieben Jahre auseinander sind, hat daneben ihr Abitur nachgemacht, Sozialpädagogik studiert und sehr engagiert in ihrem Beruf gearbeitet", sagt er dankbar.

Willems wollte weiterkommen im Beruf: "Doch mein Abteilungsleiter im Fachbereich Passivgeschäft, Manfred Langewisch, war nur zehn Jahre älter. Das war für mich keine Perspektive. Hans Huppertz, Chef der Werbeabteilung, stand kurz vor dem Ruhestand - da habe ich mich rechtzeitig beworben." 1985 bekam er den Posten. Eine gute Entscheidung, für beide Seiten.

Heinz Willems setzt sich Ziele und Prioritäten. 1978 beendete er seine Spielerlaufbahn in der Reserve des 1. FC Mönchengladbach in der Bezirksliga: "Zweimal Training in der Woche, dann das Spiel am Sonntag - das wurde mir zu viel. Ich wollte mehr Zeit für meine schnell wachsende Familie. Aber auch nicht ganz vom Fußball lassen." So wurde er Schiedsrichter.

Schon 2000 hatte er sich wieder ein Ziel gesetzt, geplant und erreicht: Mit 60 begann die passive Phase seiner Altersteilzeit. Seit vier Jahren ist Heinz Willems nun Rentner. Mit durchgeplanter Zeit: für seine Aufgaben im Fußball, für die allwöchentliche Fahrt zu seiner 95-jährigen Mutter in die Eifel, für die mittlerweile sechs Enkelkinder, zwei Monate bis sechs Jahre alt. Ein oder zwei sind meist da, bringen Leben ins Haus. Und einmal im Jahr fahren die Großeltern mit ihnen für eine Woche auf einen Bauernhof in die Eifel. Zweimal im Jahr machen Dagmar und Heinz Willems dann noch alleine Urlaub, in Island, auf den Kanaren oder auch Irland. Und alle paar Jahre mit einem Wohnmobil, durch Schottland, die Schweiz, Skandinavien. "Aber der Urlaub dauert nie länger als 14 Tage. Das reicht mir." Dann ruft nicht nur der Garten, der sorgfältig gepflegt wird.

Intensiv laufen, wie er es so viele Jahre regelmäßig und natürlich ehrgeizig ("mit etlichen Halbmarathons") getan hat, kann Heinz Willems seit einer Knieoperation 2004 nicht mehr. Doch er hält sich fit: "Ich erledige fast alles mit dem Fahrrad, auch im Umland, etwa bis hin nach Erkelenz oder Viersen. Das Auto brauche ich eigentlich nur, wenn ich zu meiner Mutter oder zu Schiedsrichter-Beobachtungen in andere Städte fahre." Montagabends steht dann noch Tischtennis mit sechs anderen, ebenfalls noch fitten Rentnern und Saleh, einem syrischen Flüchtling, auf dem Programm. Und dann ist da sein Motorrad. Mit 50 Jahren hat er den Führerschein gemacht und sich eine Maschine gekauft, eine Suzuki Intruder. Späte Leidenschaft.

Natürlich plant er bereits jetzt, was er in drei Jahren tun wird, wenn mit den Aufgaben im Fußball Schluss ist: "Gemeinsam mit meiner Frau den Enkelkindern die Schönheiten des Lebens vermitteln und sie bei der Bewältigung besonderer Anforderungen unterstützen." Langeweile wird Heinz Willems nicht haben.

(oes)
 
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