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Mönchengladbach
Ich bin ich in Deutschland

Mönchengladbach. In der Grundschule Wickrath malen geflüchtete Kinder Selbstporträts. Von Angela Rietdorf

Aziz malt. Ruhig, konzentriert, mit Hingabe. Er malt sich selbst. Der elfjährige Junge aus Afghanistan ist zurückhaltend und wirkt älter als er ist, aber als Laura Jacobs das Bild lobt, lächelt er strahlend.

Er ist mit seinen Eltern noch nicht lange in Deutschland und was er auf der Flucht aus seinem Heimatland erlebt hat, weiß man nicht. Aber sein Selbstporträt zeigt einen glücklichen Jungen.

Auch seine Mitschülerinnen und Mitschüler - Nonio und Gelee aus der Mongolei, Shaimaa, Shaza, Rayan und Lilit aus Syrien - malen fröhliche Bilder von sich selbst. Rayan hat als Farbe Rosa gewählt und ihr Porträt mit Blumen verziert. Shaimaa malt sich mit grünen Locken und von Schmetterlingen umflattert. "Das Erstaunliche ist wirklich, dass die Selbstporträts der Kinder überwiegend sehr fröhlich sind", stellt Laura Jacobs fest. Sie ist Lehrerin, hat bis vor kurzem an der Gemeinschaftsgrundschule Wickrath gearbeitet und begleitet die Kinder durch das Projekt "Ich bin Ich", einem Kunstprojekt für Flüchtlingskinder. Rund dreihundert Bilder sind schon entstanden und nur auf ganz wenigen drücken Kinder Trauer aus.

Professor Luoke Chen hat die Aktion initiiert und zum Teil auch selbst begleitet. Chen ist ein national und international renommierter Maler, stammt aus Taiwan und lebt seit vielen Jahren abwechselnd in Taipeh und Wuppertal. "Ich bin ich" wird deutschlandweit in zehn Städten durchgeführt. Unterstützt wird die Aktion von den Steinmetzen und Bildhauern Nordrhein-Westfalens. "Malen ist eine Sprache ohne Grenzen", erklärt Laura Jacobs. Deshalb eignet sich das Projekt so gut für Flüchtlingskinder. Wobei das Wort Flüchtlingskinder falsche Assoziationen aufkommen lässt: wer die Kinder in der Wickrather Grundschule beobachtet, sieht in ihrem Verhalten kaum einen Unterschied zu Kindern, die in Deutschland groß geworden sind: Aziz ist ruhig und aufmerksam, Shaza hilfsbereit und immer freundlich, Nonio erzählt gern. Und sie sprechen überraschend gut Deutsch. Das langgezogene "Guten Morgen, Frau Jacobs" klingt wie in jeder anderen Grundschulklasse.

Quelle: RP
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