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Mönchengladbach
Ihr Herzenswunsch ist ein Kita-Platz

Mönchengladbach: Ihr Herzenswunsch ist ein Kita-Platz
Selma und Rami freuen sich, dass ihre Familie wieder zusammen ist. In Deutschland wollen sie jetzt schnell die Sprache lernen. FOTO: Thomas Müller
Mönchengladbach. Selma (4) und Rami (3) sind Flüchtlingskinder aus Syrien. Sie leben in Rheydt und möchten schnell Deutsch lernen - am liebsten in einer Kita. Doch die Suche nach freien Plätzen ist mehr als schwer. Von Gabi Peters

Ahmad Mohammad* (alle Namen geändert) floh vor über einem Jahr aus seiner syrischen Heimat. Der Familienvater landete in einer Unterkunft in Magdeburg - ausgerechnet zu einer Zeit, als es dort wiederholt Übergriffe von Rechtsradikalen gab. Über Internet entstand der Kontakt zu Thomas Müller aus Rheydt, der sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Ahmad Mohammad schilderte seine Situation, Thomas Müller half. Der syrische Flüchtling zog nach Mönchengladbach, besucht einen B2-Deutschkurs und möchte nächstes Jahr gerne arbeiten gehen. Gemeinsam mit Thomas Müller gelang es nach langem Warten in diesem Sommer, Ahmads Frau Fatima und die beiden Kinder Selma und Rami nach Deutschland zu holen.

Sie alle wollen sich nun schnell in der neuen Heimat integrieren. Und weil dazu auch gehört, dass Tochter und Sohn in den Kindergarten gehen, hat sich die Familie gleich nach der Ankunft von Selma und Rami im Juni beim Jugendamt gemeldet und in den Kindergarten-Navigator eintragen lassen. Doch gehört hat die Familie bis jetzt nichts. Wie Thomas Müller berichtet, wurde auch keine Mail beantwortet. Also wurde die Familie selbst aktiv. Aber: "Wir haben bestimmt 40 Kitas besucht und angeschrieben. Egal, bei welchem Kindergarten wir nachfragen, erhalten wir leider immer Absagen mit der Begründung, dass noch hundert andere Kinder auf der Warteliste stehen", berichtet Thomas Müller. Das mache ihn sehr traurig, auch weil "die beiden Kinder nun den ganzen Tag in der Wohnung sitzen, keine Freunde und niemanden zum Spielen finden und vor allem kein Deutsch lernen können". Letzteres sei vor allem für Selma eine Herzensangelegenheit, denn sie denkt auch schon an die Schule.

Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass "leider einer Vielzahl von Eltern eine Absage hinsichtlich ihres Betreuungsplatzwunsches erteilt werden musste. Diese Eltern haben mit dieser zentralen Platzabsage allerdings eine Mitteilung erhalten, die folgenden Passus beinhaltete: ,Sollten Sie nicht auf die Bereitstellung eines Betreuungsplatzes in Ihren bisherigen Wunscheinrichtungen warten können, da Sie derzeit dringend auf die Bereitstellung eines Betreuungsplatzes angewiesen sind, wenden Sie sich bitte telefonisch an die städtische Koordinierungsstelle 02161 25-3325.....'". Aktuell würden sich im Rahmen dieses Rückmeldeverfahrens noch 54 Fälle befinden, denen die Stadt noch keinen Betreuungsplatz zuweisen konnte.

Für Familie Mohammad scheint sich jetzt aber doch eine Lösung abzuzeichnen. Die Kinder sollen Betreuungsplätze für neun Stunden in der Woche in einer Eltern-Kind-Spielgruppe erhalten, wie Stadtsprecher Wolfgang Speen versicherte. In Mönchengladbach gibt es spezielle Angebote zur Betreuung von Flüchtlingskindern, die Einrichtungen wie Kindergärten nicht kennen. Ziel sei es, die Kinder und Eltern allmählich an die Betreuungsform heranzubringen.

Quelle: RP
 
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